Im Dialog mit Rassisten

Wie soll man auf ausländerfeindliche Anfeindungen reagieren? Und was kann man gegen die Angst vor verbaler Konfrontation mit Fremdenfeindlichen tun? Die Regisseurin Mo Assumang plädiert für einen friedlichen Weg.

Mo Asumang liest aus ihrem Buch "Mo und die Arier" (Foto: Valerio Moreno)

Zum zwanzigjährigen Bestehen des Studiengangs «Kulturwissenschaften» lud das Kulturwissenschaftliche Seminar der Universität Luzern alle Interessierten zu einem Filmabend im Kino Bourbaki in Luzern ein. Zu Gast war Mo Asumang (siehe Box), Regisseurin des vorgeführten Dokumentarfilms «Die Arier» (D 2014). Mit ihr ging das Publikum in der anschliessenden Diskussion der Frage nach dem Umgang mit Angst vor rassistischen Anfeindungen und verbalen Auseinandersetzung nach.

Nicht nur privat hat die afrodeutsche Asumang Erfahrung mit rassistischen Kommentaren gemacht: Im Film unterhält sie sich ungestellt mit Neonazis unterschiedlichen Hintergrunds und Mitgliedern des Ku-Klux-Klans über deren Weltanschauung. Während die teilweise surreal anmutenden Szenen über die Leinwand flackerten, kam bei vielen Zuschauenden spürbares Unbehagen auf: Wie kann die Regisseurin in den Gesprächen so ruhig bleiben, wenn ihr gesagt wird, sie solle «zurück nach Afrika» gehen, man helfe ihr schon beim Packen? Oder wenn ein maskiertes Mitglied des Ku-Klux-Klans behauptet, es sei überhaupt kein Rassist?

Wie also reagieren? Auf rassistische Aussagen folgt keine Anfeindung von Asumang, sondern Interesse. Sie fragt nach und bittet um Erklärungen. Die Äusserungen prallen scheinbar an ihr ab, sie gerät nicht in Rage, sondern sie nimmt das Gegenüber ernst und als Menschen wahr, mit dem sie einen Dialog führen kann. Denn wer aggressiv werde, so Asumang, wer mit Wut reagiere oder sogar körperliche Gewalt anwende, der feuere die Wut-und-Hass-Schleife des Gegenübers an. Statt Veränderung führe die Interaktion dann zu Konflikt.

Das Thema Angst und der Umgang mit «Andersdenkenden» und Demokratiefeinden war auch Thema der exklusiven Anschlussveranstaltung mit der Regisseurin und Studierenden des Studiengangs Kulturwissenschaften tags darauf. Die Teilnehmenden lernten, was gegen die Angst hilft: Nämlich zu erkennen, dass auch ein Radikalisierter letztlich ein Mensch ist, der sich morgens die Zähne putzt und seine eigenen Probleme und Sorgen hat. Die Möglichkeit eines lösungsorientierten Dialogs sei damit besser gegeben, als wenn man sich eine Masse demonstrierender Neonazis vorstelle.

Aber ein Dialog mit Personen anderer Meinung zu führen will gelernt sein. Asumang zeigte den Studierenden mittels zweier kurzer Übungen, wie das funktionieren kann, so wie sie es ausführlich auch im Rahmen ihres Dialogbotschafter*innen-Workshops mit ihrem Verein Mo:Lab e.V. (siehe Box) anderen Interessierten zeigt: Die am Workshop teilnehmenden Personen schauen sich paarweise eine Minute lang in die Augen, dreimal hintereinander. Die Übung soll helfen, dem lähmenden Zustand der Angst vor der Konfrontation entgegenzuwirken, stark zu bleiben, Zivilcourage zu lernen.

Als Gast zum zwanzigjährigen Jubiläum der Kulturwissenschaften teilte Asumang jedoch nicht nur ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit den Gästen, sondern sie äusserte auch Bedenken: Von der Wissenschaft wünsche sie sich mehr Aufklärung und Mut auch in der Auseinandersetzung mit schwierigen Themen. Nebst Bildung als wichtiges Gut gegen Unterdrückung brauche es ausserdem Empathie, Offenheit und Nächstenliebe. Allen Anwesenden riet sie abschliessend: «Stellt Fragen, die euch wirklich interessieren. Und stellt diese Fragen auch jenen, die euch durch ihre Äusserungen ängstlich und wütend machen.»

Dieser Betirag wurde von Valerio Moreno, Bachelor-Student in Kulturwissenschaften mit Major Soziologie, verfasst.

Mo Asumang arbeitet als Autorin, Regisseurin, Produzentin, Moderatorin und Dozentin. In ihrer Arbeit widmet sie sich vor allem den Themen Rassismus und Integration. Mit ihrem Verein mo:lab e.V. bietet sie Dialog-Workshops für eine bessere Demokratie an. Mehr Informationen unter: mo-lab.org