Die Arbeit der Wissenschaften reicht mitten in unseren Alltag hinein. Medienwirksame Debatten zum Beispiel über die Folgerungen der Klimaforschung bilden dabei nur einen kleinen Ausschnitt. Gibt man sich genauer Rechenschaft, dann hat ‚Wissenschaft’ an fast jedem Aspekt der Lebensführung teil: Sie steckt nicht nur in Technik und Medizin, sondern genauso im Bildungssystem, in der Gliederung der Gesellschaft in Minoritäten und Schichten oder in der Geldanlage bei der Bank nebenan.

Hiervon ausgehend beschäftigt sich Wissenschaftsforschung mit den Wissenschaften als Phänomen – ganz so wie beispielsweise die Geschichtswissenschaft Vorgänge vergangener Zeiten oder die Biologie die Prozesse des Lebens untersucht. Die Fragen der Wissenschaftsforschung sind dabei so einfach wie weitreichend: Wie kommen Wissenschaften zu ihren Erkenntnissen, wo macht sich wissenschaftliches Wissen geltend, wie ist wissenschaftliches Wissen beschaffen und welche Konsequenzen können sich mit ihm verbinden?

Wissenschaftsforschung kann auf Masterstufe als Major im Rahmen des Integrierten Studiengangs Kulturwissenschaften studiert werden. Ferner lässt sich Wissenschaftsforschung als Nebenfach (Minor) mit einer Reihe von Fachstudiengängen auf Masterstufe (Geschichte, Ethnologie, Judaistik, Philosophie, Politikwissenschaft, Religionswissenschaft) kombinieren. Dieses Angebot steht auch Studierenden anderer Schweizer Universitäten offen.

Studieninhalt

Wissenschaftsforschung in Luzern verbindet empirische, theoretische und historische Ansätze. Untersucht werden einzelne wissenschaftliche Unternehmungen, grössere konzeptionelle Zusammenhänge sowie die Herausbildung neuer Forschungsgegenstände und Forschungspraktiken. Insgesamt wird das Phänomen ‚Wissenschaften’ als geschichtlich veränderliche, je nach Kontext und Gegenstand variable Erkenntnisform untersucht. Ziel ist es, sich zu wissenschaftlichen Erkenntnissen in ein eigenständiges Verhältnis zu setzen.

Die in den Lehrveranstaltungen vermittelten Fragestellungen sollen es gestatten, die Arbeit der Wissenschaften in ihren Voraussetzungen zu erfassen und in grössere historische und gesellschaftliche Zusammenhänge einzuordnen. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit den Grundlagen und Praktiken wissenschaftlichen Wissens. Dabei geht es zum Beispiel um die Wechselwirkungen zwischen Forschungsinstrumenten und Erkenntnismöglichkeiten, um die Geschichte von Forschungsproblemen oder um das veränderliche Verständnis von Grundbegriffen wie „Objektivität“. Darüber hinaus wird die Rolle wissenschaftlichen Wissens im Alltag als auch im politischen Entscheidungsprozess verfolgt. Insgesamt sollen die Umstände und Bedingungen durchsichtig werden, die wissenschaftliche Erkenntnisse jeweils charakterisieren.

Thematisch gilt das Interesse in gleicher Weise den Natur-, den Sozial- und den Geisteswissenschaften. Lehrveranstaltungen haben sich in den letzten Jahren zum Beispiel mit der Rolle von Visualisierungen in der Klimaforschung, Schnittstellen von Wissenschaft und Recht in den ‚Life Sciences’, dem Archiv als Ort historischer Wissensproduktion, Bildern der Wissenschaft in Film und Literatur oder der Erforschung tierischer Lebenswelten beschäftigt. Generell stehen die Inhalte der Lehrveranstaltungen in enger Beziehung zu den aktuellen Forschungsinteressen der Mitarbeitenden.

Wissenschaftsforschung ergänzt sich als Spezialisierung sehr gut mit einem vorhergehenden Bachelorabschluss in einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fach. Besonders geeignet ist der Studiengang auch für Bewerberinnen und Bewerber mit einem naturwissenschaftlichen Hintergrund, die Interesse an den Voraussetzungen wissenschaftlichen Wissens haben und ihre fachwissenschaftlichen Kenntnisse auf neue Tätigkeitsfelder hin öffnen wollen.

Von unseren Studierenden wünschen wir uns Neugierde und Vielseitigkeit des Denkens. Unser Anspruch in der Lehre ist es, verschiedene methodische Werkzeuge und theoretische Ansätze an der Sache entlang zu verbinden. Ziel ist es nicht, Aufgaben zu lösen, sondern Fragen zu stellen. Unsere Lehrveranstaltungen ermöglichen eine intensive Zusammenarbeit in kleinen Gruppen. Besonders in den Masterseminaren setzen wir dabei auf Ihr Engagement, um forschungsnah ein Thema auszuarbeiten. Ihre Vorschläge sind für uns wichtig, auf die Förderung Ihrer Interessen im engen Austausch mit den Dozierenden dürfen Sie rechnen.

Eine Liste mit Lektürevorschlägen gibt einen ersten Eindruck von den theoretischen Positionen und dem Interessenspektrum der Wissenschaftsforschung. 

Lehrveranstaltungen

Die aktuellen Lehrveranstaltungen finden Sie im Vorlesungsverzeichnis und im UniPortal. Eine Übersicht des aktuellen Semesterangebots bietet zudem das kommentierte Vorlesungsverzeichnis der Professur für Wissenschaftsforschung.

Aufbau

Studienmöglichkeiten
An der Universität Luzern kann das Fach Wissenschaftsforschung auf Masterstufe im Rahmen des Integrierten Studiengangs Kulturwissenschaften (ISK) studiert werden. Der ISK verbindet die Vorteile eines breiten, interdisziplinär ausgerichteten Studiums mit dem Erwerb von Kompetenzen in dem als Major gewählten Fachgebiet. Diese Ausrichtung entspricht genuin dem Fokus der Wissenschaftsforschung auf die Erschliessung von theoretischem ‚Know how’ und Analysewerkzeugen jenseits der Spezialisierung von Disziplinen.

Darüber hinaus kann Wissenschaftsforschung als Nebenfach (Minor) auf Masterstufe mit einer Reihe von Fachstudiengängen auf Masterstufe (Geschichte, Ethnologie, Judaistik, Philosophie, Politikwissenschaft, Religionswissenschaft) kombiniert werden. Das Angebot steht auch Studierenden anderer Schweizer Universitäten offen.

Umfang und Dauer
Das Masterstudium im ISK mit dem Major Wissenschaftsforschung umfasst 120 Credits (Cr) gemäss European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS). Ein Credit entspricht einer durchschnittlichen Arbeitsleistung von 25 bis 30 Stunden. Die Regelstudienzeit beträgt 4 Semester (2 Jahre). Das Minorstudium (Masterstufe) umfasst 25 Credits (Cr).

Studienplanung und Studienverlauf

Wissenschaftforschung als Major im ISK
Das Studienprogramm gliedert sich in einen Grundlagen- und einen Vertiefungsbereich. Im Grundlagenbereich wird ein Überblick über Fragestellungen und Begrifflichkeiten der Wissenschaftsforschung geboten sowie – je nach Vorkenntnissen – in die methodischen Ansätze eingeführt. Der Vertiefungsbereich dient der näheren Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten wissenschaftlicher Tätigkeit entlang der drei Leitbegriffe Gegenstände, Praktiken und Konzepte.

Die für den Studienabschluss benötigten Credits (Cr) sind wie folgt zu erwerben:

  • 10 Cr durch den geprüften Besuch der Einführungsvorlesung «Wissenschaftsforschung» (2 SWS, 2 Cr), durch den qualifizierten Besuch des  Hauptseminars «Grundlagentexte der Wissenschaftsforschung» sowie durch den qualifizierten Besuch einer Methodenübung (je 2 SWS, je 4 Cr) im Major.
  • 28 Cr durch den qualifizierten Besuch zweier Haupt- und zweier Masterseminare (je 2 SWS, je 4 Cr) und durch die Abfassung von zwei dazugehörigen Masterseminararbeiten im  Major (je 6 Cr) (durch die belegten Veranstaltungen müssen zwei von drei Aspekten des Vertiefungsbereichs – Gegenstände, Praktiken und Konzepte – abgedeckt werden).
  • 10 Cr durch den qualifizierten Besuch eines Masterseminars (2 SWS, 4 Cr) und durch die Abfassung einer dazugehörigen Masterseminararbeit in einem vom Major unterschiedenen Fach (6Cr).
  • 32 Cr durch freie Studienleistungen aus dem Master-Lehrangebot der KSF, inkl. 2-6 Cr in Sozialkompetenz.
  • 10 Cr durch die Absolvierung der mündlichen Masterprüfung.
  • 30 Cr durch die Masterarbeit.

Eine Hilfe bei der Planung des Studiums gibt Ihnen der Musterstudienplan. Weitere Informationen, s. unten unter „Reglemente, Merkblätter, Formulare, Abschlussverfahren“.

Wissenschaftsforschung als Minor in Kombination mit einem Fächstudiengang
Für den Aufbau des Minorstudiums siehe den Musterstudienplan .

Studienabschluss
Im Rahmen des Integrierten Studiengangs Kulturwissenschaften (ISK) auf Masterebene erwerben Absolventinnen und Absolventen den Studienabschluss „Master of Arts in Kulturwissenschaften mit Major Wissenschaftsforschung“.

Praktika

Für Studierende der Kulturwissenschaften sind ausseruniversitäre Praktika in den Bereichen Kommunikation und Medien, Kulturmanagement, Kulturpolitik und Kulturverwaltung als freie Studienleistungen anrechenbar. Über die Anrechnung entscheidet die Studiengangleitung. Maximal anrechenbar sind 15 Credits (bei einer Praktikumsdauer von mindestens 3 Monaten). Voraussetzung für die Anrechnung ist eine wissenschaftsfähige, schriftliche Reflexion der Praxisarbeit im Umfang einer Proseminararbeit (maximal 15 Seiten).

Mobilität

Im Rahmen eines Studiums besteht die Möglichkeit, einen Studienaufenthalt an einer anderen Universität des In- oder Auslands zu absolvieren. Wichtige Informationen zu den Austauschprogrammen und den Anmeldefristen finden Sie unter Mobilität.

Berufsperspektiven

In einer Zeit, in der die Arbeit der Wissenschaften unsere Lebensumstände prägt, eröffnet Ihnen ein Rüstzeug im Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen ein breites Tätigkeitsfeld. Ein Masterabschluss mit dem Major Wissenschaftsforschung bietet berufliche Anknüpfungspunkte  beispielsweise in der Organisation und Öffentlichkeitsarbeit von Forschungsinstituten, Förderinstitutionen der Wissenschaften, Stiftungen und Kultureinrichtungen. Ein weiteres einschlägiges Feld bildet der Wissenschaftsjournalismus. Als Zusatzqualifikation bietet der Abschluss eine interessante Profilierung für Stellen im Finanzsektor und im Rechtswesen. Darüber hinaus kann der Masterabschluss auch einen ersten Schritt in Richtung eines Doktorats in Wissenschaftsforschung oder einem benachbarten geistes- und  sozialwissenschaftlichen Fach bedeuten.

Anmeldung und Zulassung

Voraussetzung für die Zulassung zum integrierten Masterstudiengang Kulturwissenschaften mit Major Wissenschaftsforschung ist der erfolgreiche Abschluss eines Bachelorstudiengangs in Kulturwissenschaften oder eines Bachelorstudiengangs, der mindestens 60 Cr in einer der Fachrichtungen Wissenschaftsforschung, Ethnologie, Geschichte, Philosophie, Soziologie oder Literaturwissenschaft beinhaltet. Bewerberinnen und Bewerber mit einem Bachelorabschluss im Bereich der Natur- und Technikwissenschaften können nach einer Prüfung der Vorleistungen zugelassen werden. 

Reglemente, Merkblätter, Formulare, Abschlussverfahren

Alle Reglemente der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Wegleitungen zum Studiengang und Abschlussverfahren sowie Merkblätter und Formulare finden Sie auf der Reglemente-Seite der Fakultät.

Kontakt und Auskunft

Studienberatung

Informationen zum Major Wissenschaftsforschung:
Prof. Dr. Christoph Hoffmann, E-Mail: christoph.hoffmannremove-this.@remove-this.unilu.ch

Informationen zum Integrierten Studiengang Kulturwissenschaften:
Tobias Brücker, MA, E-Mail: tobias.brueckerremove-this.@remove-this.unilu.ch

Allgemeine Kontaktangaben

Professur für Wissenschaftsforschung
Universität Luzern
Frohburgstrasse 3
Postfach 4466
CH 6002 Luzern

T +41 41 229 55 31

E-Mail: monika.nideroestremove-this.@remove-this.unilu.ch

Webseite der Professur für Wissenschaftsforschung

Prof. Dr. Christoph Hoffmann über den Major Wissenschaftsforschung