Soziologischer Standpunkt: «Wer treibt die Zersiedlung voran: Häuser oder Strassen?»
Urbane Räume breiten sich aus. Doch was treibt dieses Wachstum eigentlich an – der Bau neuer Strassen oder die Entstehung neuer Siedlungen? Und welche Rolle spielen öffentliche Entscheidungen über Infrastrukturprojekte dabei?
Mit dem Konzept der «städtischen Wachstumsmaschine» befasst sich die Stadtsoziologie mit der Ausdehnung von Städten und ihren Randgebieten. Wie Prof. Dr. Nadine Arnold in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt» erklärt, wird diese Entwicklung durch eine Kombination unterschiedlicher Akteure – privaten Immobilienentwicklern, Grundeigentümerinnen und politischen Entscheidungsträgern – angetrieben. Die einzelnen Bestandteile des Wachstums verstärken sich dabei gegenseitig: Strassenbau ermöglicht Landentwicklung, wodurch Einnahmen wie Steuern generiert werden, die für den weiteren Bau genutzt werden können. Doch was gibt den entscheidenden Impuls? Eine Untersuchung des Soziologen Clement zeigt: Der Bau neuer Strassen hat einen stärkeren Einfluss auf die nachfolgende Bebauung als bestehende Siedlungen auf den Ausbau des Strassennetzes. Strassen sind damit nicht nur eine Folge des städtischen Wachstums, sondern können dieses anstossen, indem sie neue Flächen zugänglich und attraktiv machen. Welche Rolle der Staat in diesem Prozess spielt und wie öffentliche Infrastrukturinvestitionen mit privaten Interessen zusammenhängen, zeigt die Kolumne. Zur Kolumne!
