Soziologischer Standpunkt: «Feiertage sind nicht nur freie Tage»
Ob Auffahrt, Pfingsten oder 1. August: Wir freuen uns auf die freie Zeit und die Pause des Alltags. Ein soziologischer Blick auf Feiertage zeigt aber, dass sie mehr sind als eine kleine Auszeit. Je nach Typ von Feiertagen bedienen sie verschiedenste Bedürfnisse – und passen sich dabei immer auch gesellschaftlichen Veränderungen an.
Ob bereits verplant – mit Wanderung, Familienzusammenkunft, Gartenarbeit – oder bewusst freigehalten für Entspannung und Nichtstun: Feiertage bieten eine Pause vom Alltag und die Vorfreude ist entsprechend gross. Doch Prof. Dr. Nadine Arnold fragt in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt», ob da nicht noch mehr dahintersteckt – und präsentiert einen soziologischen Blick auf Feiertage. Der Soziologe Amitai Etzioni beschreibt zwei Typen von Feiertagen: Zum einen werden gemeinsame Werte rekapituliert, zum anderen erhalten wir eine Entspannung von sozialen Normen. Feiertage wie Auffahrt oder der 1. August werden dabei den Rekapitulationsfeiertagen zugeordnet. Durch sie soll unsere Bindung an gesellschaftliche Überzeugungen gestärkt werden. An anderen Feiertagen hingegen wird auf soziale Regeln verzichtet, um sich von dem Druck, der durch soziale Normen im Alltag entsteht, zu erholen. Dabei können sich die verschiedenen Feiertage an gesellschaftliche Veränderungen anpassen – etwa dem steigenden Individualismus. Oder sie wirken konservierend, indem sie traditionelle Rituale nutzen, die im heutigen Alltag kaum noch gelebt werden. Was diese Diskrepanz mit uns macht und was bei politischen Eingriffen in Feiertage passiert, zeigt die Kolumne. Zur Kolumne!
