Soziologischer Standpunkt: «Einsamkeit ist ein gesellschaftliches Strukturproblem»

Einsamkeit ist gesundheitlich schädlich und gilt als zentrale Herausforderung. Das negative Gefühl des «Sich-allein-Fühlens», so die Psychologie zu Einsamkeit, ist aber ausgerechnet in kollektivistischen Kulturen stärker ausgeprägt. Wie kann das sein? Und was ist Einsamkeit überhaupt?

Die Kolumne erscheint alle zwei Wochen in der Luzerner Zeitung. (Bild: unsplash.com/@andrekaimk)

Während oft von der psychologischen Perspektive auf Einsamkeit gesprochen wird – Einsamkeit als subjektives Erleben mit individuellen Risikofaktoren –, fragt sich Prof. Dr. Nadine Arnold in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt», was die Soziologie dazu sagt. Und liefert damit eine Erklärung für die auf den ersten Blick widersprüchliche höhere Einsamkeit in kollektivistischen Kulturen. Doch was bedeutet Einsamkeit überhaupt? Die Soziologie versteht Einsamkeit als mit gesellschaftlichen Strukturen, Normen und Erwartungen verbunden – sie ist ein soziales Phänomen. Laut der Soziologin Van de Velde gibt es dabei vielfältige Formen: die soziale, emotionale, körperliche und die politische Einsamkeit. Alle resultieren aus anderen Aspekten des Zusammenlebens – und alle entstehen aus der Diskrepanz von tatsächlichen Beziehungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Wie das nun mit dem Unterschied von kollektivistischen und individualistischen Kulturen zusammenhängt, weshalb gerade junge Erwachsene die am stärksten betroffene Gruppe sind, und wie das alles als Strukturproblem verstanden wird – die Kolumne zeigt es auf. Zur Kolumne!