Wenn Klimapolitik spaltet: Warum Teilhabe entscheidend ist
Ein vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördertes Projekt von Prof. Dr. Lena Schaffer untersucht, warum Klimapolitik Zustimmung verliert, und rückt die Rolle der Teilhabe an der gesellschaftlichen Aufgabe der Dekarbonisierung ins Zentrum.
Im vergangenen Jahrzehnt ist Klimapolitik von einem Nischenthema zu einem zentralen Gegenstand öffentlicher und politischer Auseinandersetzung geworden. Zwar profitieren Gesellschaften insgesamt von Klimamassnahmen, doch die Kosten treffen oft einzelne Gruppen besonders stark, etwa Pendlerinnen und Pendler oder Haushalte mit fossilen Heizungen. Das kann Unmut auslösen und politische Gegenreaktionen verstärken.
Hier setzt die Forschung von Prof. Dr. Lena Schaffer, Professorin für Politikwissenschaft an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (KSF), an. Sie zeigt: Nicht nur die individuellen Kosten klimapolitischer Massnahmen entscheiden darüber, ob Menschen Klimapolitik unterstützen, sondern auch, ob sie überhaupt die Möglichkeit haben, aktiv an der Transformation teilzunehmen. Wer etwa als Mieterin oder Mieter keine Solaranlage installieren kann oder keinen Zugang zu Ladeinfrastruktur für E-Autos hat, erlebt die Energiewende oft als etwas, das über den Kopf hinweg geschieht. Die Folge: Frustration, ein Gefühl von Ungerechtigkeit und sinkende Zustimmung.
Das Projekt untersucht diese Zusammenhänge erstmals systematisch in sechs europäischen Ländern: Österreich, Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweiz und Grossbritannien. Dabei werden politische Massnahmen danach bewertet, ob sie breite Teilhabe z.B. auch von Mieterinnen und Mietern ermöglichen, oder ob diese lediglich stärkere Belastungen (z.B. über einen höheren CO2 Preis) erfahren, ohne selbst Gestaltungsmöglichkeiten zu haben. Parallel wird analysiert, wie Medien und Parteien über Klimapolitik sprechen und ob dabei eher Chancen oder Kosten betont werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bevölkerung selbst: In Umfragen und Experimenten wird erhoben, wie Menschen Klimapolitik wahrnehmen und wie sich ihre Einstellungen im Laufe von Wahlperioden verändern. So soll sichtbar werden, wann Unterstützung kippt und warum manche Reformen auf Widerstand stossen.
Schaffer argumentiert, dass erfolgreiche Klimapolitik nicht nur wirksame Instrumente braucht, sondern auch fairen Zugang. Wenn möglichst viele Menschen die Möglichkeit haben, selbst Teil der Lösung zu sein, steigt die Akzeptanz. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich konkrete Ansätze ableiten, etwa weniger bürokratische Hürden, bessere Unterstützung für Mieterinnen und Mieter oder verlässliche Rahmenbedingungen.
- Projektleitung: Lena Maria Schaffer, Professorin für Politikwissenschaft an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
- Titel des Projekts: Pathways to Progression? Participation Capacity and Climate Policy Support
- Projektmitarbeitende: Postdoc (N.N.), Doktorand (N.N.)
- Projektdauer: 48 Monate
- Bewilligte Fördersumme: 900'000 Franken (gerundet)
