Soziologischer Standpunkt: «Verschon mein Haus, zünd’ and’re an»
Notwendige Infrastruktur, die aber niemand bei sich in der Umgebung möchte: Das nennt sich das Not-In-My-Backyard-Phänomen – oder auch Sankt-Florian-Prinzip. Die Infrastruktur wird zwar befürwortet, aber nur solange sie nicht in der unmittelbaren Umgebung ist. Doch wie wird damit umgegangen?
Dr. phil. Roman Gibel beleuchtet in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt» solche Nimby-Phänomene (Not In My Backyard): Notwendige Infrastruktur oder Regelungen werden gutgeheissen, jedoch nur wenn es die eigene Person und das unmittelbare Umfeld nicht betrifft. So werden potenzielle Einschränkungen also auf andere verschoben – und nicht gelöst. Doch wenn niemand die Infrastruktur – beispielsweise eine Mülldeponie – bei sich haben möchte, wie dann weiter? Der Amerikaner Herbert Inhaber präsentierte im Jahr 1998 mögliche Lösungen für solche Kollektivprobleme. Ein Beispiel ist die holländische Auktion, bei der finanzielle Anreize zur Akzeptanz der unerwünschten Infrastruktur sorgen sollen. Aber auch ein Verständnis für lokale Befindlichkeiten ist laut dem Autor von Bedeutung. Doch reichen finanzielle Mittel aus, um eine Bevölkerung umzustimmen? Wie ein Fall in der Schweiz verlief, welche Probleme auftauchten und ob die Infrastruktur schliesslich in der Umgebung gebaut wurde – das zeigt die Kolumne. Zur Kolumne!
