Soziologischer Standpunkt: «Je komplexer ein System, desto wahrscheinlicher sind Katastrophen»
Gerade bei komplexen Systemen, wie beispielsweise Atomkraftwerken, steigt das Sicherheitsbedürfnis: Unfälle sollen nicht passieren. Und wenn sie doch passieren, dann scheint menschliches Versagen der Grund dafür zu sein. Entgegen dieser Annahme können Unfälle aber eigentlich als normale Effekte komplexer Systeme angesehen werden – sie gehören dazu.
Viele der menschlichen Errungenschaften wären nicht möglich, wenn wir keine technologischen Fortschritte hätten: die Mondlandung, digitale Vernetzung oder der vielfältige Einsatz künstlicher Intelligenz können hier als Beispiele angebracht werden. Dr. phil. Roman Gibel beleuchtet in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt» jedoch nicht die Errungenschaften, sondern das steigende Sicherheitsbedürfnis, das mit der zunehmenden Technisierung aufkommt. So erklärt er, dass technische Fehlleistungen typischerweise als verhinderbar gelten – und Fehler so als menschliches Versagen gedeutet werden. Entgegen dieser Annahme zeigt der Soziologe Charles Perrow jedoch, dass Unfälle zu komplexen Systemen gehören. Und folglich fast unvermeidlich sind. Grund dafür sind zwei Eigenschaften komplexer Systeme: ihre komplexe und ihre enge Kopplung. Daraus folgt, dass mehr Technik, mehr Kontrolle, die Systeme gar noch komplexer und entsprechend fehleranfällig machen können. Was die zwei Eigenschaften genau ausmacht, welche Auswirkungen sie mit sich bringen und was wir insbesondere für neue komplexe Systeme wie KI mitnehmen können – die Kolumne zeigt es auf. Zur Kolumne!
