Soziologischer Standpunkt: «Haustiere als Freunde und Familienmitglieder»

Ob Hund, Katze oder Meerschweinchen: Haustiere gelten heutzutage als Freunde und Familienmitglieder. Doch wie die Beziehung zum Tier genau aussieht, hängt nicht nur von der Liebe ab – Geschlecht, soziale Stellung und Lebensumstände der Besitzer*innen formen das Verhältnis mit.

Die Kolumne erscheint alle zwei Wochen in der Luzerner Zeitung. (Bild: unsplash.com/@andrekaimk)

Ab dem 19. Jahrhundert wurden in der Mittelschicht Haustiere gehalten. Während sich die Beziehung zu Tieren davor rein zweckmässig gestaltete, wurden sie mit der Zeit zunehmend verehrt. Das Haustier gilt heute als Familienmitglied und Freund – und dieses Tier-Mensch-Verhältnis beleuchtet Prof. Dr. Nadine Arnold in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt». Wie der Soziologe David Blouin in den USA zeigt, ist diese Aufnahme in die Familie jedoch nicht statisch. Vielmehr ist die Beziehung zum Tier dynamisch: Sie hängt von Lebensumständen, der sozialen Stellung und auch vom Geschlecht ab. So pflegen Frauen eine empathische Beziehung zum Haustier und nehmen eine «Elternrolle» ein, während Männer die Tiere als Freunde und Sportskameraden wahrnehmen. Auch bei der Wahl des Tieres schlägt sich das Geschlecht nieder: Männer achten mehr auf das Erscheinungsbild, bei Frauen spielt hingegen die Persönlichkeit des Tieres eine bedeutendere Rolle. Zudem steht bei einkommensschwächeren Besitzer*innen der praktische Nutzen im Vordergrund – wie die Bewachung des Eigentums –, in privilegierteren Kreisen dienen elegante Rassen hingegen als Statussymbol. Ob Haustiere sogar einen höheren Stellenwert einnehmen als die eigenen Eltern, ob sie wirklich ein Gesundheitsbooster sind und wie die Geburt von Kindern die Beziehung zum Tier beeinflussen kann, zeigt die Kolumne. Zur Kolumne!