1. Selbstverständnis

universitas studentium et docentium

Studierende, Mitarbeitende und Lehrende der Universität Luzern bilden eine Lern-, Lehr- und Forschungsgemeinschaft. Sie wissen sich einem eigenverantwortlichen Menschenbild sowie einem dialogischen und zukunftsoffenen Wissenschaftsverständnis verpflichtet. Mit ihrer Arbeit tragen sie bei zur kulturellen und gesellschaftlichen Differenzierung und Entfaltung sowie zur Förderung der sozialen Lebensqualität.

Herkunft

Ihrem geschichtlichen Herkommen nach steht die Universität Luzern in einer langen Linie von Bildungsanstrengungen an diesem Ort: Sie begannen im konfessionellen Zeitalter mit der Einrichtung einer Bildungsanstalt, der um das Jahr 1600 Studiengänge für Philosophen und Theologen angegliedert wurden und die seither kontinuierlich besteht. Als die Institution im 17. Jahrhundert wuchs und weit ausstrahlte, aber auch im 19. und 20. Jahrhundert, gab es mehrere Versuche, sie auszubauen und aufzuwerten; im Jahr 2000 schliesslich gründete der Kanton Luzern eine eigene Universität.

Anspruch

Die Studierenden und Lehrenden repräsentieren die universitäre Bildungsinstitution in der Zentralschweiz. Sie profiliert sich als Wissenschaftszentrum, bietet akademische Studiengänge an und kommuniziert ihre Forschungsergebnisse nach aussen. Im Blick auf andere Forschungs- und Bildungseinrichtungen will die Universität Luzern eine anerkannte Gesprächspartnerin mit eigenständigem Profil sein; im Blick auf die Gesellschaft will sie Bedürfnisse wahrnehmen und analysieren, um für langfristige Veränderungsprozesse Impulse zu geben. Angehörige der Universität engagieren sich in internationalen Zusammenschlüssen, in schweizerischen Hochschulgremien und in regionalen Netzen der tertiären Bildung, insbesondere im "Campus Luzern".

2. Aufgaben

drei Aufgabenfelder

Die Tätigkeit der Universität ist auf drei Aufgabenfelder ausgerichtet: Forschung, Lernen und Lehre sowie entsprechende Dienstleistungen. All diese Tätigkeiten sind auf grösstmögliche Freiheit angewiesen, weshalb die notwendigen Freiräume mit Nachdruck geschaffen und geschützt werden.

2.1. Forschung Grundsatz

Die wissenschaftliche Forschung ist die Kernaufgabe der Universität Luzern. Ihr widmen sich die drei Fakultäten für Theologie, Geisteswissenschaften und Rechtswissenschaft in den zugehörigen Disziplinen. Daraus ergibt sich ein geistes- und gesellschaftswissenschaftliches Profil. Die Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und anderen Bildungseinrichtungen ermöglicht einen Austausch mit anderen Fachrichtungen.

Ziele

Studierende und Lehrende beteiligen sich auf der Basis des jeweiligen Erkenntnisstandes am akademischen Diskurs und tragen bei zur Erweiterung des Wissens, zur Formulierung neuer Fragestellungen und zur Weiterentwicklung von Methoden.

Fakultätsprofile

Die Fakultäten definieren ihre Forschungsgebiete eigenständig. Sie setzen Schwerpunkte, in denen sie eine führende Rolle anstreben.

2.2. Lernen und Lehre

wissenschaftsorientierte Lehre

Entsprechend dem Wesen einer Universität wird auf eine wissenschaftsorientierte Ausrichtung aller Lehrangebote geachtet.

Ziele

Die Universität partizipiert am Bildungsauftrag des Gemeinwesens. Lehrende leiten Studierende an zur Erweiterung ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse in den Studienfächern. Sie vermitteln Arbeitsmethoden und machen vertraut mit der systematischen Reflexion sowie mit dem aktuellen Forschungsstand. Wer einen Studiengang erfolgreich absolviert hat, ist fähig, verantwortungsbewusst, sachkompetent und kritisch einen akademischen Beruf auszuüben.

Freiheit und Qualität

Mit besonderer Sorgfalt wird auf die Sicherstellung der Freiheit akademischer Lehre geachtet. Darüber hinaus werden alle notwendigen Massnahmen getroffen, damit die Lehre hohe didaktische Qualitätsstandards erfüllt und die Chancen pädagogischer und technologischer Innovation zielgerichtet nützt.

allgemein speziell praxisorientiert

Studiengänge sind so ausgestaltet, dass die Fächer in ihrer ganzen Breite zum Zuge kommen und zugleich Spezialisierungen möglich sind. Studierende werden hinsichtlich wissenschaftlicher und sozialer Kompetenzen gefördert; es werden ihnen auch praxis- und berufsbezogene Ausbildungsteile angeboten. Die Strukturierung der Studienangebote erleichtert die Mobilität der Studierenden.

Weiterbildung

Der Notwendigkeit lebenslangen Lernens wird permanent Rechnung getragen, indem Nachdiplomstudiengänge angeboten und Weiterbildungsveranstaltungen durchgeführt werden.

2.3. Akademischer Nachwuchs

Zukunftsorientierung

Die Arbeit der Universität ist prinzipiell auf kommende Generationen ausgerichtet. Die entsprechenden Verantwortlichen fördern akademische Nachwuchskräfte, indem sie hohe Anforderungen stellen, Freiräume schaffen, Mitwirkung an Forschung und Lehre ermöglichen, Verantwortung übertragen und Mobilität erleichtern.

2.4. Dienstleistungen

Neben den laufenden wissenschaftlichen Arbeiten erbringen die Universitätsangehörigen auch Dienstleistungen zugunsten Dritter. Auf diese Weise bringen sie ihre Sachkompetenz in den öffentlichen Diskurs ein, ohne dadurch die prioritären Ziele von Forschung und Lehre zu beeinträchtigen. Die Universitätsangehörigen suchen den Austausch, indem sie Ergebnisse ihrer Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und Wissen im weitesten Sinne zur Verfügung stellen. Durch das konstruktive Gespräch stellen sie sicher, dass wissenschaftliche Tätigkeit ein hohes Ansehen geniesst, auf aktuelle Anliegen der Gesellschaft eingeht und in ihrer alltagspraktischen Relevanz zur Geltung kommt.

3. Grundhaltungen

Menschenorientierung

In allen Tätigkeiten stellen Lehrende und Studierende die Verantwortung gegenüber den Menschen ins Zentrum. Dies gilt für die Ausrichtung der gesamten Arbeit, für Prioritätensetzungen sowie auch für Entscheidungsprozesse. Zum Schutz vor den Mechanismen von Sachzwängen, Opportunismus oder Pragmatismus gelten die nachfolgend genannten Grundhaltungen als Orientierung.

Gemeinschaft

Lehrende und Studierende verpflichten sich auf gerechte, partnerschaftliche und zukunftsweisende Zusammenarbeit mit Menschen in- und ausserhalb der Universität. Sie engagieren sich insbesondere für die Gleichstellung der Geschlechter auf allen Ebenen des universitären Betriebs, sowohl in fachlicher als auch in personeller Hinsicht; sie achten Menschen unterschiedlicher nationaler, kultureller und weltanschaulicher Herkunft und dulden keinerlei Diskriminierung. Die Erleichterung der Beteiligung behinderter Menschen am universitären Leben gilt dabei als selbstverständliches Anliegen. Die Mitglieder der Universität streben eine Gemeinschaft an, die von Respekt und Zuwendung über die jeweiligen Fachgebiete hinaus geprägt ist und die es ihren Angehörigen möglich macht, sich mit ihr zu identifizieren.

Leistung

Im Blick auf die hohen Anforderungen an wissenschaftliche, soziale und persönliche Kompetenzen gilt die Orientierung am Leistungsprinzip. Sowohl Lehrende als auch Studierende sind entsprechend der Qualität ihrer Arbeit zu fördern. Für Initiative und Kreativität werden Freiräume geschaffen.

Studierende und Lehrende

Studierende sind eigenständige Persönlichkeiten, die sich als Mitglieder der Universität in bestimmten Wissenschaftszweigen weiterentwickeln und idealerweise ein feu sacré kultivieren. Universitäre Lehre wird verstanden als Anleitung zum Erweitern von Fähigkeiten und Kompetenzen. Lehrende zeichnen sich aus durch wissenschaftlichen Sachverstand, kommunikative Kompetenz, Kollegialität und Freude an der Arbeit mit lernenden Menschen.

4. Wege und Mittel

Um die Ziele zu erreichen, werden folgende Wege und Mittel genutzt: Qualitätssicherung Sowohl Lehr- als auch Forschungstätigkeit werden periodisch auf ihre Qualität überprüft. Evaluationen zeigen Stärken und Schwächen auf und dienen als Grundlagen für Verbesserungen.

Stellenbesetzungen

Die Fakultäten tragen bei Stellenbesetzungen in hohem Masse Verantwortung für die Qualität der Arbeit. In ihren Auswahlverfahren achten sie vorrangig auf wissenschaftliche Qualifikation, didaktische Eignung und Sozialkompetenz.

Weiterbildung

Die Universität Luzern sorgt für eine zeitgemässe und sachdienliche Weiterbildung der Dozierenden.

Interdisziplinarität

Fächerübergreifende Arbeit wird gefördert.

Beziehungen und Austausch

Die Universität Luzern steht in Verbindung mit anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen, insbesondere auch mit solchen im Ausland. Alle Institutionen, welche den gleichen Zielen verpflichtet sind, kommen als Partnerinnen in Frage. Der Austausch von Studierenden und Lehrenden sowie andere Formen der Kooperation werden gefördert.

Geld

Die Universität Luzern bemüht sich nachhaltig um die Beschaffung finanzieller Mittel, um so ihre Bewegungsfreiheit und Eigenständigkeit zu erhöhen. Dabei achtet sie auf die Wahrung der Unabhängigkeit in Lehre und Forschung. Universitätsangehörige, welche bei wissenschaftlichen Einrichtungen, zum Beispiel beim Schweizerischen Nationalfonds für wissenschaftliche Forschung, sowie bei Stiftungen oder bei Wirtschaftsunternehmen Forschungsprojekte platzieren, werden gefördert.

Organisation

Die Prinzipien von Gerechtigkeit und Leistungsorientierung gelten auch in der inneren Organisation. Durch effiziente Leitungsstrukturen und hohe Ansprüche an die Verantwortlichen wird die optimale Nutzung der Ressourcen sichergestellt. Verantwortlichkeiten sind klar zugewiesen und entsprechen der Verpflichtung auf einen kooperativen Führungsstil. Alle Gruppen der Universitätsangehörigen partizipieren durch gewählte Vertreterinnen und Vertreter in verschiedenen Gremien an Beratungs- und Entscheidungsfindungsprozessen. Die Verwaltungsabläufe werden  transparent gestaltet, die Rechtssicherheit ist in allen Bereichen gewährleistet. Im Blick auf das Zusammenwirken verschiedener Instanzen verpflichten sich die Mitglieder der Universität gegenseitig zu konsequenter Subsidiarität sowie auch zu Loyalität und Solidarität.

Kommunikation

Der Kommunikation nach innen und aussen misst die Universität einen hohen Stellenwert bei. Sie informiert zeitgerecht, regelmässig und transparent über ihre Arbeit, über Veränderungen und über Verwaltungsangelegenheiten. Die Öffentlichkeitsarbeit und das einheitliche Erscheinungsbild fördern intern wie extern die Beziehung zur Institution und stärken das Verständnis für ihre Aktivitäten.

Effektivität und Effizienz

Verfügbare Mittel werden sachgerecht und wirkungsvoll eingesetzt; der Planung und der Kontrolle werden besondere Aufmerksamkeit geschenkt.