So gelingt der Start ins Berufsleben
Die Erfahrungen von vier Absolventinnen der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und aktuelle Zahlen zeigen: Wer mit etwas Eigeninitiative und Ausdauer startet, kann mit spannenden und vielfältigen Berufsmöglichkeiten rechnen.
Ramona Schelbert (37) läuft zügig durch die Gänge des Fernsehstudios, die Moderationskarten sind griffbereit. Ein letzter Blick in den Spiegel, und die Kamera startet: «Willkommen zu den heutigen Nachrichten auf Tele 1», begrüsst sie souverän das Fernsehpublikum.
Journalistin aus Leidenschaft
Als Moderatorin und Produzentin steht Ramona Schelbert vor und hinter der Kamera. Sie recherchiert Themen, plant Sendungen und führt Interviews, immer auf der Suche nach spannenden Geschichten. Dass sie in den Journalismus möchte, hat sich erst im Laufe ihres Bachelorstudiums in Kulturwissenschaften an der Universität Luzern herausgestellt. «Eine Kollegin hat mir von ihrer Arbeit im Journalismus erzählt und mich neugierig gemacht», erinnert sie sich. Ein kurzer Praxiseinblick faszinierte sie sofort. Mit einem Volontariat legte sie den Grundstein für ihre Karriere im Fernsehjournalismus.
Dass einem nicht schon zu Studienbeginn klar sein muss, wohin die Reise geht, weiss auch Isabelle Dahinden (32): «Ich habe mich bewusst für ein Studium entschieden, welches mir eine breite Berufsauswahl ermöglicht», erzählt die heutige Co-Redaktionsleiterin des Online-Nachrichtenportals «zentralplus». Im Studium der Gesellschaft- und Kommunikationswissenschaften habe sie gelernt, wie eng Medien und Gesellschaft miteinander verflochten sind: «Medien berichten nicht nur, sondern prägen, wie wir über die Welt denken.» Gegen Ende des Studiums kristallisierte sich ihr Berufswunsch heraus: der Journalismus. Nach einem Praktikum bei «zentralplus» blieb sie dem Medium treu: Heute verantwortet sie neben der redaktionellen Arbeit auch Personalfragen und die Weiterentwicklung des Newsportals.
Von den Sozialwissenschaften zu FinTech
In eine ganz andere Branche hat es Alessia von Euw (27) nach ihrem Master in Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften verschlagen: in die Welt der Kryptowährungen. Dies ist gar nicht so ungewöhnlich: Denn die im Studium erworbenen analytischen und kommunikativen Fähigkeiten lassen sich nicht nur für einen einzigen Beruf, sondern für viele Branchen einsetzen. «Neben meinem persönlichen Interesse am Thema konnte ich mir in Seminaren rund um Digitalisierung und digitales Bezahlen wertvolles Fachwissen aneignen», erzählt Alessia von Euw. Heute arbeitet sie als Marketing- und Kommunikationsmanagerin bei der Crypto Finance Group und ist für den Bereich Branding zuständig.
Für Anne Brupbacher (31) war bei der Studienwahl der interdisziplinäre Ansatz entscheidend: «Ich wollte lernen, wie man grosse Fragen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: philosophisch, politisch, wirtschaftlich. Deshalb war Philosophy, Politics and Economics (PPE) für mich die richtige Wahl.» Im Studium setzte sie sich intensiv mit rechtlichen Aspekten von Geschlechtsverhältnissen auseinander und machte daraus ihren Beruf: Als Projektleiterin bei der Müller-Möhl Foundation entwickelt sie Studien, Veranstaltungen und politische Initiativen zur Förderung von Gleichstellung mit.
Praxis bereits im Studium
Was vielen Absolventinnen und Absolventen gemeinsam ist: Sie sammeln schon während des Studiums erste Berufserfahrung, sei es in Teilzeitstellen oder Praktika. Anne Brupbacher rät, auf ihre Branche bezogen: «Die Stiftungslandschaft in der Schweiz ist klein, deshalb lohnt es sich, schon früh Kontakte zu knüpfen.» Auch Alessia von Euw betont: «Schon während des Studiums ein Netzwerk aufzubauen, hilft enorm. Und es ist wichtig, bei aktuellen Themen up to date zu bleiben.»
Videoporträts der vier vorgestellten Absolventinnen sowie weitere Alumnae- und Alumni-Stimmen
Auf dem Arbeitsmarkt angekommen
Der Einstieg in den Beruf verlangt manchmal Eigeninitiative und Ausdauer (siehe Haupttext) – doch dies zahlt sich aus, wie aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen: So waren rund 97 Prozent der Absolventinnen und -Absolventen der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (KSF) ein Jahr nach Abschluss erwerbstätig. Auch bringt die KSF oft Führungskräfte hervor: 21 Prozent der Master-Absolventinnen und -Absolventen übernahmen bereits nach einem Jahr Führungspositionen – im schweizweiten Universitätsvergleich in diesen Disziplinen ein Spitzenwert (Quelle für alle Angaben: BFS; Befragung der Hochschulabsolvent/-innen mit Abschlussjahr 2022 nach einem Jahr).
