Am 12. Dezember 1997 wurde der Universitätsverein gegründet. Die Förderinstitution nimmt das 20-jährige Bestehen zum Anlass, um ein Projekt der Universität Luzern mit 20'000 Franken zu unterstützen. Vereinspräsidentin Doris Russi Schurter zieht im Interview Bilanz und blickt nach vorn.

"Uns wird die Arbeit nicht ausgehen!": Doris Russi Schurter, Präsidentin des Universitätsvereins Luzern.

Mit dem Geschenk aus Anlass des Jubiläums (siehe Medienmitteilung unten) ermöglicht der Universitätsverein der Universität, den Aufbau des geplanten Weiterbildungsstudiengangs "Palliative Care" am Seminar für Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik zu starten. Es handelt sich um ein Angebot für Fachleute im gesellschaftlich hochrelevanten Bereich der Beratung, Begleitung und Versorgung sterbenskranker Menschen.*

Der politisch und konfessionell neutrale Förderverein unterstützt die Universität Luzern ideell und materiell. Seit mehr als zehn Jahren steht Rechtsanwältin Doris Russi Schurter dem Verein vor.

Den Universitätsverein Luzern gibt es nun seit 20 Jahren; er ist damit drei Jahre älter als die Universität Luzern in ihrer heutigen Form. Vor welchem Hintergrund und mit welchen Zielen wurde der Verein ursprünglich gegründet? Wie sah die damalige Situation aus?

Der Universitätsverein Luzern wurde 1997 zur Vorbereitung der Abstimmung zum Universitätsgesetz vom 21. Mai 2000 gegründet. Auf Initiative des späteren Gründungsrektors, Professor Walter Kirchschläger, und der Ständerätin Helen Leumann, die als erste Präsidentin amtierte, gelang es, im Hinblick auf diese Abstimmung innert Tagen über 1000 Mitglieder zu rekrutieren. Damit sollte ein politisches Signal für diese Abstimmung und letztlich für die Universität Luzern ausgesendet werden. Es ging auch darum, Verständnis und Unterstützung für den Universitätsgedanken zu wecken, nachdem in der Vergangenheit mehrere Universitätsprojekte an der Urne gescheitert waren.

Wie hat sich der Verein über die Jahre hinweg entwickelt und was waren die grössten Errungenschaften – und vielleicht auch Herausforderungen – auf dem weiteren Weg?

Der Universitätsverein konnte sich seither sehr positiv entwickeln und trägt mit seinen aktuell rund 1300 Mitgliedern dazu bei, die Universität Luzern in der Bevölkerung zu verankern. Die grössten Herausforderungen – aber auch Erfolge – waren die Abstimmungen, bei denen es um Grundsatzfragen zur Universität ging. Wichtig war neben der Grundsatzabstimmung vom Jahr 2000 die Abstimmung in der Stadt Luzern vom 12. Februar 2006, bei der das Stimmvolk den Beitrag der Stadt an das neue Gebäude der Uni/PH und dessen Umzonung gutheissen musste. Daran schloss die kantonale Abstimmung vom 26. November im selben Jahr an, mit der über den Kredit für den eigentlichen Umbau der alten Post in das heutige Uni/PH-Gebäude entschieden wurde. 

Warum kommt der Universitätsverein bei Urnengängen besonders zum Zug?

Wenn es um Abstimmungen rund um universitäre Belange geht, ist die Uni selbst sehr eingeschränkt in der Führung einer Kampagne zu ihren eigenen Gunsten. Dem Univerein als Unterstützungsgremium kommt dann jeweils eine wichtige Rolle zu. Er bezweckt die Förderung der Entwicklung der Universität und die Beschaffung finanzieller Mittel zu ihren Gunsten. Dies erlaubt uns die Führung einer Abstimmungskampagne, bei der wir auch finanzielle Mittel für Flyer, Plakate und Standaktionen einsetzen können. Durch die breite politische Abstützung unserer Vorstands- und der Vereinsmitglieder ist es uns in der Vergangenheit immer wieder gelungen, ein gut zusammengesetztes und schlagkräftiges Abstimmungskomitee zu bilden, in dem einerseits alle Parteien, andererseits auch andere Stakeholder wie die Wirtschaftsverbände vertreten waren. 

Für die Weiterentwicklung der Universität Luzern einen immens wichtigen Stellenwert nahm die kantonale Abstimmung zum Universitätsgesetz am 30. November 2014 ein. Dank dem Ja-Stimmen-Anteil von 55% konnte die vierte Fakultät, die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, eingerichtet und vor gut einem Jahr ihren Betrieb aufnehmen. Welchen Anteil hatte der Universitätsverein an der Ermöglichung dieses Erfolgs an der Urne?

Diese Abstimmung stellte unsere bislang grösste Hürde dar. Nachdem das Referendum ergriffen worden war, entfachte ein intensiver Abstimmungskampf, nicht zuletzt, weil befürchtet wurde, dass die geplante Wirtschaftsfakultät die bereits etablierte "Hochschule Luzern – Wirtschaft" konkurrenzieren würde. Deshalb mussten wir im Abstimmungskampf die unterschiedliche Ausrichtung der beiden Institutionen und deren verschiedene Ausbildungsangebote gezielt aufzeigen.

Bereits seit über zehn Jahren stehen Sie dem Universitätsverein als Präsidentin vor. Neben diesem Amt sind Sie auch Stiftungsrätin der Student Mentor Foundation Lucerne, die Studierenden günstigen Wohnraum anbietet. Was treibt Sie an, sich für Belange der Hochschulbildung zu engagieren? 

Beide Engagements bereiten mir sehr viel Freude. Ich finde es sinnvoll, sich dafür einzusetzen, dass die nächsten Generationen gute Ausbildungsstätten vorfinden sowie ein entsprechendes Umfeld, das ihnen das Studieren ermöglicht. Die Schweiz hat keine physischen Rohstoffe. Unsere "Bodenschätze" sind gut ausgebildete Jugendliche, die optimal für die Zukunft gewappnet sind. Dies motiviert mich, mich für die Belange der Hochschulbildung zu engagieren. 

Wer kann Mitglied im Universitätsverein werden?

Jedermann! Mit einer Mitgliedschaft zeigt man, dass man die Uni und ihre Weiterentwicklung unterstützen möchte. Um die Schwelle für einen Beitritt tief zu halten, ist der Mitgliederbeitrag bewusst bescheiden gewählt: 25 Franken für natürliche und 125 Franken für juristische Personen. Als Mitglied erhält man diverse Einladungen zu hochkarätigen Vorträgen und Veranstaltungen an der Universität. Und man darf am Dies Academicus, dem Festtag der Uni, der auch ein wichtiger Anlass im gesellschaftlichen Leben von Luzern ist, teilnehmen. Dies wird von unseren Mitgliedern sehr geschätzt.

Heuer hat der Universitätsverein zum zehnten Mal die Dissertationspreise – also die Auszeichnungen für die besten Doktorarbeiten in den Fakultäten – gestiftet. Diese werden jeweils von Ihnen am Dies Academicus übergeben. Auch diesmal wurde deutlich, dass Ihnen diese Förderung persönlich sehr am Herzen liegt; erzählen Sie bitte mehr dazu.

Die Auszeichnung der besten Doktorarbeiten im Rahmen des festlichen Dies Academicus ist jedes Jahr ein Höhepunkt für mich und ein wichtiges Zeichen, das der Univerein setzt. Damit bekennt er sich klar zur Förderung von hervorragenden Leistungen und zur Auszeichnung von Spitzenleuten. Es ist jedes Mal erfrischend zu sehen, wie unsere Preisträgerinnen und -träger in ihren Dissertationen mit unvoreingenommenem Denken, kritischen Fragestellungen und wachem Verstand aktuelle Themen aufgreifen und bearbeiten und dabei manchmal zu erstaunlichen Schlussfolgerungen kommen. 

20 Jahre: Wo steht der Universitätsverein Luzern jetzt und was darf man in Zukunft erwarten?

Auch nach zwei Jahrzehnten hat der Universitätsverein weiterhin eine grosse Daseinsberechtigung. Die Universität wird sich weiterentwickeln, und es ist absehbar, dass es darüber wieder Abstimmungen geben wird. Dem Universitätsverein wird somit die Arbeit nicht ausgehen! Unsere Herausforderung ist es, immer wieder neue und auch junge Mitglieder zu gewinnen und damit die Mitgliederbasis zu verstärken. Wir möchten in Zukunft auch vermehrt Mitglieder aus der ganzen Zentralschweiz gewinnen. Mit der Einsitznahme der Urner Rechtsanwältin Ruth Wipfli Steinegger in unserem Vorstand haben wir einen ersten Schritt in den Kanton Uri getan. Weitere Kantone werden folgen. Unsere Universität soll in Zukunft als Universität für die ganze Zentralschweiz wahrgenommen werden.

*  Weiterbildungsstudiengang "Palliative Care"
Dank der Jubiläumsspende des Universitätsvereins kann die Universität Luzern im Januar 2018 mit dem Aufbau eines neuen Weiterbildungsstudienganges zu "Palliative Care" beginnen. Dieser wird gestaltet als Zusammenarbeitsprojekt des Seminars für Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik und des Luzerner Kantonsspitals. Die Einschreibung wird Interessierten mit unterschiedlichen universitären Masterabschlüssen offenstehen. Ziel ist es, die bestehende Lücke im Bildungsangebot im Bereich "Palliative Care" auf universitärer Stufe zu verringern. Gemäss ersten Überlegungen ist vorgesehen, dass der Studiengang nicht nur Kompetenzen bezüglich medizinischer Betreuung sterbenskranker Patientinnen und Patienten vermittelt, sondern dass auch rechtliche und sozialwissenschaftliche Aspekte sowie solche im Bereich Organisations- und Versorgungsmanagement behandelt werden. Neben der Donation des Universitätsvereins wird der Aufbau mit einem finanziellen Beitrag einer Privatperson unterstützt. Eine detailliertere Kommunikation zum Weiterbildungsstudiengang "Palliative Care" erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

12. Dezember 2017