Fünf Doktorierende erhalten Förderbeiträge

Die Graduate Academy der Universität Luzern vergibt drei Mobilitätsstipendien sowie zwei Abschlussfinanzierungen. Die Beiträge ermöglichen Doktorierenden, Teile ihrer Dissertation im Ausland zu bearbeiten bzw. sich auf den Abschluss ihrer Arbeiten zu konzentrieren.

Die Graduate Academy steht als zentrale Koordinationsstelle für Nachwuchsförderung den (Post-)Doktorierenden aller Fakultäten offen und bietet Beratungs-, Weiterbildungs- und Förderangebote. Zweimal jährlich vergibt sie Beiträge aus den Fördergefässen «UniLU Doc.Mobility» sowie «UniLU Doc.Protected Research Time».

UniLU Doc.Mobility Stipendium

Die Stipendien für einen Forschungsaufenthalt im Ausland werden als Pauschale ausbezahlt und sollen einen Beitrag zu Lebenshaltungs-, Reise- und Forschungskosten leisten. Bei der Ausschreibung im Frühjahr 2026 einen Zuschlag erhalten haben:

Oliver Prinzing

Lenkungsabgaben gelten als eines der wirksamsten Instrumente zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Dennoch stossen diese Abgaben in der Bevölkerung häufig auf Widerstand. Wieso das so ist und welche Rolle wahrgenommene Fairness dabei spielt, untersucht Oliver Prinzing in seinem Dissertationsprojekt «Distributional effects of energy policy instruments: perception and preferences». Im Zentrum der von Prof. Dr. Andreas Balthasar betreuten Studie steht die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger die Verteilungswirkungen – sprich, wie Lenkungsabgaben und deren Rückverteilung verschiedene Bevölkerungsgruppen be- oder entlasten – beurteilen und welche Massnahmen die Akzeptanz der Lenkungsabgaben erhöhen können.
Als Datengrundlage dienen schweizweite Bevölkerungsbefragungen mit experimentellen Methoden, das heisst , bei denen Teilnehmenden unterschiedliche Szenarien zu Lenkungsabgaben und deren Rückverteilung vorgelegt wurden. Um seine Arbeit im internationalen Vergleich weiterzuentwickeln, hat Oliver Prinzing die Zeit von September bis Dezember 2025 an der London School of Economics and Political Science (LSE) verbracht. Dort wurde er von Dr. Liam Beiser-McGrath und Dr. Michael Lerner betreut, deren Forschung, so Prinzing, wertvolle Impulse für sein Dissertationsprojekt lieferte. Für seinen Forschungsaufenthalt erhielt Oliver Prinzing einen Mobilitätsbeitrag von 9'800 Franken. Die Arbeit wird ausserdem im Rahmen des Forschungsprogramms Energie – Wirtschaft – Gesellschaft (EWG) des Bundesamts für Energie gefördert.

Alejandra Rodrìguez Morales

In ihrem Dissertationsprojekt «Essays on Natural Resources and Economic Development», betreut von Prof. Dr. Manuel Oechslin, untersucht Alejandra Rodrìguez Morales, wie Volkswirtschaften, die stark von natürlichen Ressourcen abhängig sind, auf grosse wirtschaftliche Schocks – etwa starke Veränderungen der Rohstoffpreise – sowie auf institutionelle Reformen reagieren. Dabei geht sie insbesondere der Frage nach, wie starke Veränderungen im Rohstoffsektor die langfristige wirtschaftliche Entwicklung und den Wandel der Wirtschaftsstruktur beeinflussen. Zudem wird untersucht, wie sich der Bergbau auf lokale Märkte und die Verteilung von Einkommen auswirkt, und ob der Abbau von Rohstoffen zu grösseren wirtschaftlichen Unterschieden zwischen Regionen führt. Für ihr Projekt wird Alejandra Rodrìguez Morales einen Forschungsaufenthalt von September 2026 bis Februar 2027 an der London School of Economics and Political Science (LSE), am Departement of Economic History verbringen. Dort wird sie von Prof. Dr. Joan Rosés betreut, einem Experten auf dem Gebiet langfristiger wirtschaftlicher und regionaler Entwicklungen. Für ihren Mobilitätsaufenthalt wird Alejandra Rodrìguet Morales mit einem Beitrag von 29’400 Franken unterstützt.

Anna Romanova

Anna Romanova untersucht in ihrem Dissertationsprojekt «Theory and Practice of Co-Creation: A Strategy for Stakeholder Engagement in Learning Health Systems», wie durch Ko-Kreation Lösungen für komplexe Probleme im Gesundheitswesen gefunden werden können. Ko-Kreation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Lösungsfindung in einem gemeinsamen Prozess mit den Menschen, die von den Problemen betroffen sind, geschieht. Am Competence Center for Learning Health Systems der Uni Luzern erforscht Anna Romanova, betreut von Prof. Dr. Stefan Boes und Dr. Sarah Mantwill, wie Akteure aus Forschung, Praxis und Politik durch Ko-Kreation und durch die aktive Einbindung verschiedener Anspruchsgruppen besser zusammenarbeiten können. In einem Gesundheitssystem, das auf die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten ausgerichtet ist, ist deren Einbezug für das Konzept der Ko-Kreation zentral. Offen bleibt die Frage, wie dieses Konzept sinnvoll und nachhaltig in Versorgung, Forschung und Gesundheitspolitik umgesetzt werden kann. Diese Frage wird Anna Romanova während ihres Forschungsaufenthalts untersuchen. Ab November 2026 wird sie vier Monate an der Università Cattolica del Sacro Cuore in Cremona in Italien verbringen, wo sie mit Prof. Dr. Guendalina Graffigna, einer international führenden Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Patientenbeteiligung, zusammenarbeiten wird. Anna Romanova erhält ein Mobilitätsstipendium von 19'600Franken.

UniLU.Doc Protected Research Time

Doktorierende mit einer Anstellung als wissenschaftliche Assistenz an der Universität Luzern, die sich in der Abschlussphase ihrer Dissertation befinden, können eine Abschlussfinanzierung für die Fertigstellung ihrer Dissertation beantragen. Diese beinhaltet das Salär für eine bis zu sechsmonatige Entbindung von Assistenz-, Lehr- und Verwaltungsaufgaben. Bei der Ausschreibung im Frühjahr 2026 einen Zuschlag erhalten haben:

Angelo Breda

Angelo Breda untersucht in seinem von Prof. Dr. Klaus Mathis betreuten Dissertationsprojekt, wie die Forderung der Gesetzesbindung in der schweizerischen Rechtsordnung praktisch erfüllt wird. Wenn ein Gericht im Einzelfall Recht spricht, ist es an das Gesetz gebunden; nur so ist sein Urteil im demokratischen Rechtsstaat legitim. Vor Gericht ist es jedoch oft fraglich, ob ein Sachverhalt unter eine Rechtsnorm fällt. Das Projekt untersucht diese grundlegende Problematik aus sprachphilosophischer Perspektive. Dazu rekonstruiert Angelo Breda mithilfe von Theorien von Ludwig Wittgenstein und Robert Brandom die Forderung der Gesetzesbindung und erklärt so, weshalb der Gesetzestext die gerichtliche Entscheidung zwar nie eindeutig bestimmen kann, letztere aber trotzdem nicht beliebig ist. Darauf aufbauend untersucht die Studie die bundesgerichtliche Auslegungspraxis anhand über 150 Leitentscheiden zur Auslegungsmethodik. Ziel ist es, zu zeigen, wie Gesetzesbindung in der Rechtsprechung praktisch verwirklicht wird.

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Anja Mesmer

In ihrem Dissertationsprojekt «Digital Trade Law and Freedom of Expression – Assessing the Impact of Digital Trade Provisions on Freedom of Expression», betreut durch Prof. Dr. Mira Burri, untersucht Anja Mesmer die Auswirkungen des internationalen digitalen Handelsrechts auf die Meinungs- und Informationsfreiheit. Normen des digitalen Handelsrechts finden sich vorwiegend in Freihandelsabkommen, wo sie zunehmend Themen wie grenzüberschreitende Datenflüsse, digitale Dienstleistungen, Datenschutz, Quellcodes und Algorithmen regulieren. Die daraus entstandene innovative, komplexe, aber auch fragmentierte Rechtslandschaft bildet den Rahmen, in dem Meinungsfreiheit sowie Informationsfreiheit online ausgeübt werden. Daraus ergeben sich vielschichtige Rechtsfragen zu den Auswirkungen des internationalen digitalen Handelsrechts auf die Meinungs- und Informationsfreiheit im digitalen Raum. Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die rechtlichen Folgen dieser Auswirkungen systematisch zu analysieren. Die UniLU Doc.Protected Research Time erlaubt Anja Mesmer, sich von September 2026 bis und mit Februar 2027 vollumfänglich ihrem Dissertationsprojekt zu widmen.