Lohnen sich für Unternehmen Geschäftsmodelle, die darauf ausgerichtet sind, alte Produkte nicht zu entsorgen und diese wieder dem Produktionskreislauf zuzuführen? Dieser Frage geht ein gross angelegtes, von der Universität Luzern aus geleitetes Forschungsprojekt anwendungsorientiert nach.

Wiederverwenden statt ausrangieren: Das Projekt befasst sich mit dem Potenzial der Kreislaufwirtschaft.

"Laboratory for Circular Economy" (LACE): So heisst das von Karolin Frankenberger, Assistenzprofessorin für Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern, geleitete Projekt. Durchgeführt wird dieses im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Nachhaltige Wirtschaft: ressourcenschonend, zukunftsfähig, innovativ" (NFP 73); die Bewilligung durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) ist kürzlich erfolgt. Voraussichtlich vier Jahre (2018–2022) soll die Forschung dauern; sie wird gesamthaft mit gegen 940'000 Franken Drittmitteln des Bundes gefördert. Am Projekt sind neben der federführenden Universität Luzern, an die rund 400'000 Franken der eingeworbenen Gelder fliessen, die Universität Lausanne (Prof. Dres. Suren Erkman, Anne-Christine Favre und Stéphane Nahrath), die Eidgenössische Materialprüfanstalt (Empa; Dr. Roland Hischier) und die Nachhaltigkeitsstiftung "sanu durabilitas" (Prof. Dr. Peter Knoepfel) beteiligt.

Im Zentrum des Forschungsinteresses steht die sogenannte Kreislaufwirtschaft. Gemeint ist damit die Praxis, Produkte am Ende ihrer Nutzungsphase nicht einfach wegzuwerfen, sondern wieder zu demontieren, aufzufrischen und gewinnbringend einem neuen Produktzyklus zurückzuführen. Seit über zwanzig Jahren setzen renommierte Unternehmen als Pioniere einzelne Aspekte der Kreislaufwirtschaft um. Im Rahmen des LACE soll aufgezeigt werden, dass ein nachhaltigeres Wirtschaften in dieser Form zum einen ökologisch sinnvoll und zum anderen für die Firmen auch ökonomisch profitabel sein kann.

Zusammenarbeit mit Partnerfirmen

Im Sinne einer praxisnahen und anwendungsorientierten Forschung arbeiten die involvierten Forschenden mit acht Partnerunternehmen aus fünf verschiedenen Branchen zusammen:

  • Informatik/Elektronik (Logitech)
  • Baugewerbe (Losinger Marazzi)
  • Haushaltsgeräte/Möbel (V-ZUG, Tisca Tiara)
  • Medizintechnik (Bien-Air Dental)
  • Lebensmittel (Nespresso, Brasserie Docteur Gab's, SV Group)

Im Rahmen von drei Dissertationsprojekten sollen einzelne Produktzyklen sowie ganze Betriebsstrukturen beleuchtet werden: In einer ersten Doktorarbeit geht es um die Berechnung und Operationalisierung des Material- und Energieverbrauchs der verschiedenen Prozessschritte in einem Kreislaufdesign. Eine zweite Dissertation untersucht den rechtlichen Rahmen und die politischen sowie administrativen Bedingungen, die eine Umsetzung nachhaltiger Modelle in der Schweiz besser fördern würden. Dies aus dem Grund, da zum jetzigen Zeitpunkt einige Graubereiche im Privat- und Öffentlichen Recht existieren, welche die Einführung von Kreislaufgeschäftsmodellen erschweren.

Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle

Die dritte Doktorarbeit schliesslich, die von Ass.-Prof. Karolin Frankenberger betreut wird, befasst sich mit der betriebswirtschaftlichen Ebene. Dies vor dem Hintergrund, dass ein ressourcenschonendes und effizientes Kreislaufdesign allein noch keine Garantie für den Erfolg eines Unternehmens darstellt. Anhand von Interviews mit Führungskräften der Partnerunternehmen und aufbauend auf dem in den letzten Jahren an der Professur Frankenberger erarbeitetem Know-how zu Geschäftsmodellinnovation steht die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt. Darüber hinaus geht es in diesem Teilprojekt um die Abschätzung der Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und um die Abbildung der Erfolgspotenziale und der Risiken möglicher Umsetzungen.

Während der Forschungsphase werden zweimal jährlich Workshops mit den Beteiligten aus der Wissenschaft und den Partnerunternehmen stattfinden, um die gewonnenen Erkenntnisse auszutauschen und Verbesserungen zu diskutieren. Damit die Gesamtsystemoptimierung mit dem grössten ökologisch-ökonomischen Win-win-Potenzials einhergeht, sind die Forschenden auch in bilateralen Projekten bei den Partnerunternehmen aktiv. Dafür ist ein Beitrag der Partnerunternehmen an das Projekt vorgesehen. Abhängig von der Firmengrösse und verteilt auf die vierjährige Laufzeit soll diese Unterstützung maximal 50'000 Franken betragen und kann bis zur Hälfte in Personenstunden geleistet werden.

Weitere Informationen:
Fabian Takacs, MA, Wissenschaftlicher Assistent bei Ass.-Prof. Dr. Karolin Frankenberger, +41 41 229 58 72, fabian.takacsremove-this.@remove-this.unilu.ch 

3. Oktober 2017