20 Jahre Hochschulseelsorge «Horizonte»

Am 21. Oktober feierte «Horizonte», die ökumenische Seelsorge der drei Luzerner Hochschulen, ihr 20-jähriges Bestehen. Rednerinnen und Redner aus Politik, Hochschulen und Kirchen fragten, was Seelsorge in Zeiten von Leistungsdruck und künstlicher Intelligenz leisten kann.

Die Hochschulseelsorger Lorenzo Scornaienchi (l.) und Fabian A. Pfaff führten durch den Abend

Seit 2006 ist «Horizonte» für die Studierenden und Mitarbeitenden der Universität Luzern, der Hochschule Luzern und der Pädagogischen Hochschule Luzern (PH Luzern) da: mit vertraulichen Gesprächen, Meditationen, Studienreisen und Anlässen, die Menschen zusammenbringen. Zum Jubiläum kamen Gäste aus Politik, Hochschulen und Kirchen ins Gebäude der Universität und der PH Luzern an der Frohburgstrasse 3. Durch den Abend führten die beiden Hochschulseelsorger Fabian A. Pfaff und Lorenzo Scornaienchi.

Warum es Seelsorge an den Luzerner Hochschulen braucht

Kantonsratspräsidentin Angela Lüthold-Sidler fragte, was Seelsorge leisten könne, das Beratungsstellen und psychologische Angebote nicht leisten. Oft gehe es gar nicht um eine Diagnose oder eine Lösung: «Manchmal möchte man einfach reden.» Darin sieht sie eine Stärke von «Horizonte», das allen offensteht, ob gläubig oder nicht.

Bernhard Rütsche, stellvertretender Rektor der Universität Luzern, nannte die psychische Gesundheit von Studierenden und Forschenden als eine der grossen Herausforderungen der Hochschulen. Bei deren Bewältigung «spielt die Hochschulseelsorge eine zentrale Rolle». «Horizonte» sei zudem «ein sehr schönes Beispiel gelungener Kooperation der drei Hochschulen». Unter den Gästen waren denn auch die Rektorinnen Barbara Bader (Hochschule Luzern) und Kathrin Krammer (PH Luzern) sowie die ehemaligen Rektoren der Universität Luzern Markus Ries, Paul Richli und Bruno Staffelbach.

Gemeinschaft von Anfang an

Wie alles begann, erzählte Iva Boutellier, die den Aufbau im kantonalen Bildungsdepartement begleitet hatte. Um 2004 schlug der damalige Vorsteher der Jesuitenkirche vor, sein Amt künftig den Jesuiten zu übergeben. Kaum sei er zur Tür hinaus gewesen, habe Bildungsdirektor Anton Schwingruber zu ihr gesagt: «Das mit den Jesuiten ist eine gute Idee. Mach!» Nach zwei Jahren Verhandlungen übernahmen die Jesuiten die Leitung der Jesuitenkirche und bauten zugleich die Hochschulseelsorge auf. 2006 begann der Jesuit Franz-Xaver Hiestand, 2007 kam der reformierte Pfarrer Felix Mühlemann dazu. Der Name «Horizonte» stand für die Horizonterweiterung neben dem Studium.

Wie «Horizonte» heute erlebt wird, erzählten vier Studierende im Gespräch mit Martin Steiner, Präsident des Fördervereins Luzerner Hochschulseelsorge. Die Rechtsstudentin Daneris Ramel sei auf der Studienreise nach Thessaloniki interreligiösen Fragen begegnet, die im Studium sonst kaum vorkommen. Der Geschichtsstudent Michael Schwizer schätze es, bei «Horizonte» Menschen aus anderen Fachbereichen kennenzulernen. Mia Diener, ebenfalls Rechtsstudentin, habe am Starting Day, mit dem «Horizonte» Neustudierende jeweils begrüsst, Freundschaften fürs ganze Studium geschlossen. Und für Mirza Bužimkić, der an der Hochschule Luzern Wirtschaft studiert, sei «Horizonte» eine Familie, in der er sich auch als Muslim zu Hause fühle.

Was sich nicht digitalisieren lässt

Gegen Ende kam die künstliche Intelligenz (KI) mit einem Augenzwinkern zur Sprache: Bischofsvikar Hanspeter Wasmer und Simone Parise, Synodalrat der Römisch-katholischen Landeskirche Luzern, führten einen Dialog über «Horizonte 2.0». Parise vertrat spielerisch die These, KI könne die Seelsorge ersetzen. Wasmer hielt dagegen: Das Wesentliche lasse sich nicht digitalisieren, und vielleicht brauche es künftig sogar mehr Menschlichkeit.

Lorenzo Scornaienchi griff in seinem Schlusswort den Namen nochmals auf: «Der Horizont ist keine Grenze, an der unser Blick endet. Er lädt uns ein, weiterzuschauen, neue Wege zu entdecken und offen zu bleiben für das, was kommt.»

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Andrin Koller (E-Piano) und Sára Zastko (Violine), Studierenden der Hochschule Luzern – Musik. Beim anschliessenden Apéro im Lichthof ging der Austausch weiter.

Website von «Horizonte»

«cogito»-Beitrag: 20 Jahre «Horizonte»: Seelsorge im Wandel

Impressionen

Bilder: Ivan Navarro