Die Hochschulseelsorge «Horizonte» feiert ihr 20-jähriges Jubiläum. Die beiden Leiter, Fabian Pfaff und Lorenzo Scornaienchi, blicken zurück und erzählen, was sich gewandelt hat und was ihnen an ihrer Arbeit trotz Themen wie Beziehungsproblemen und Leistungsdruck immer wieder Freude bereitet.
Zwei Jahrzehnte gibt es «Horizonte», die Hochschulseelsorge Campus Luzern, nun schon. Gegründet wurde sie als katholisches Angebot, doch schon nach wenigen Jahren kam die reformierte Kirche dazu. Heute tragen beide Landeskirchen sie gemeinsam mit der Universität, der Hochschule und der Pädagogischen Hochschule Luzern. Fabian Pfaff und Lorenzo Scornaienchi, die Leiter von «Horizonte», erzählen, was sich in dieser Zeit verändert hat und was bewusst gleichgeblieben ist.
In Bezug auf das Angebot hat sich vieles bewährt. Seit den Anfängen gehören Studienreisen sowie Seelsorge- und Gesprächsangebote zum Programm. Auch Meditationen sind nach wie vor ein fester Bestandteil, etwa über Mittag in Zusammenarbeit mit dem Hochschulsport Campus Luzern. Ebenfalls seit Beginn gehört der «Starting Day» zum Angebot. An diesem Anlass, der zu Beginn jedes Herbstsemesters stattfindet, können sich Neustudierende vor Beginn des Uni-Alltags austauschen und Studierende aus allen Fachgebieten kennenlernen.
Von der Gemeinde zum Netzwerk
Verändert hat sich vor allem die Organisation. Während der Fokus zu Beginn eher auf einer Gemeinschaft im Sinne einer Kirchgemeinde lag, ist die Hochschulseelsorge heute stärker netzwerkorientiert. Die Gemeinschaft sei viel fluider geworden, erklärt Fabian Pfaff. Viele Studierende pendeln nach Luzern, etwa aus Zürich oder dem Tessin, und kehren nach den Vorlesungen und am Wochenende wieder nach Hause zurück. Wer ein Gespräch sucht, nimmt deshalb nicht unbedingt auch an Veranstaltungen, Meditationen oder Studienreisen teil, und umgekehrt. Die beiden Leiter verstehen sich heute eher als Begleit-, Anlauf- und Animationsstelle, die Brücken zwischen den verschiedenen Berührungspunkten des Netzwerks baut.
Wir wollen möglichst viel Impact und müssen dafür die Zeichen der Zeit lesen und danach handeln.
Diese Veränderung sehen sie weder als positiv noch als negativ. Vielmehr gehe es ihnen darum, sich den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen: «Wir wollen möglichst viel Impact und müssen dafür die Zeichen der Zeit lesen und danach handeln», sagt Fabian Pfaff.
Auch bei den Angeboten reagieren sie auf die Nachfrage. Gottesdienste und liturgische Feiern finden heute kaum mehr statt, da das Interesse über die Jahre abgenommen hat. Welche Angebote künftig gefragt sein werden, ist ungewiss. Eines sei jedoch sicher: «Was bleibt, ist der Wandel», stellt Fabian Pfaff fest.
Offen für alle Fragen
Ein wichtiger Bestandteil ihrer Angebote sind, neben den diversen Veranstaltungen, die Gespräche. Sie sind vertraulich und unentgeltlich, und die beiden Leiter unterstehen dem Berufsgeheimnis. Dabei taucht immer wieder die Frage nach der Weltanschauung auf. Fabian Pfaff und Lorenzo Scornaienchi erklären dann, dass ihr Angebot allen offensteht. Obwohl sie aus der römisch-katholischen beziehungsweise evangelisch-reformierten Tradition kommen, setzen sie keinen bestimmten Glauben voraus. So kam es wiederholt vor, dass sich auch Muslime oder eine Buddhistin bei ihm gemeldet haben, erinnert sich Pfaff.
Die Themenpalette in den Gesprächen ist sehr breit.
Am häufigsten geht es in den Gesprächen um Beziehungsthemen. Auch Selbstwert, Orientierungsfragen und Leistungsdruck beschäftigen die Menschen, die zu ihnen kommen. Die Themenpalette sei sehr breit, sagt Lorenzo Scornaienchi. Um Studierende bei Leistungsdruck und Schreibblockaden zu unterstützen, bietet Scornaienchi eine Schreibbegleitung an. Diese entstand während der Corona-Pandemie, als viele Studierende den Kontakt zu den Dozierenden verloren hatten. In Gesprächen und mithilfe Methoden wie «Bullet Journaling», einem strukturierten Organisationssystem zur persönlichen Planung und Reflexion, hilft er ihnen, Klarheit zu gewinnen und Etappenziele zu setzen.
Zuhören, begleiten, abgeben
Die beiden Leiter begleiten Menschen auch in schwierigen Lebenssituationen, etwa bei Trauer oder Gewalterfahrungen. Dabei stossen auch sie manchmal an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Lorenzo Scornaienchi erklärt, man komme immer wieder an einen Punkt, an dem man merke: «Ich kann da nichts mehr machen.» Wichtig sei ihm, mit gutem Gewissen sagen zu können, dass er versucht habe, mit einem guten Wort und seiner Solidarität ein kleines bisschen etwas zu bewirken.
Für Fabian Pfaff spielt sein eigener Glaube im Umgang mit solchen Situationen eine wichtige Rolle. Ohne seine persönliche Spiritualität wäre es für ihn nicht so einfach, denn es gibt viele sehr traurige Schicksale, die einen lange beschäftigen können. Ihm hilft der Gedanke: «Ich muss nicht die Welt retten, sondern ich darf das auch abgeben und mache alles, was mir in meinem Rahmen möglich ist.»
Wenn man merkt, dass sich durch die Begleitung wirklich etwas zum Positiven im Leben dieser Person verändert hat und sie gestärkt und entlastet geht, ist das besonders erfüllend.
Bedrückende Themen gehören dazu. Doch Fabian Pfaff und Lorenzo Scornaienchi betonen, dass ihre Arbeit auch sehr viele schöne Momente hat. Für Pfaff ist es besonders erfüllend, «wenn man merkt, dass sich durch die Begleitung wirklich etwas zum Positiven im Leben dieser Person verändert hat und sie gestärkt und entlastet geht». Auch Scornaienchi schätzt es, Menschen auf unterschiedliche Weise ein Stück ihres Weges zu begleiten und an ihren Veränderungsprozessen teilzuhaben.
Wo Freundschaften entstehen
Beide freuen sich zudem, wenn sie erleben, wie durch ihre Angebote neue Gemeinschaften entstehen. Auf Studienreisen, etwa nach Thessaloniki, kommen Studierende aus den unterschiedlichen Hochschulen zusammen. Nicht selten entstehen dabei Freundschaften, die über die gemeinsame Reise hinaus bestehen bleiben. Auch am «Starting Day» lernen sich Studierende aus verschiedenen Fakultäten kennen und bleiben oft ein Studium lang befreundet. Solche Begegnungen bringen Menschen über die Grenzen ihrer «Bubble» hinaus zusammen, und sind auch für Fabian Pfaff und Lorenzo Scornaienchi selbst eine Horizonterweiterung.
20 Jahre Hochschulseelsorge Campus Luzern
«Horizonte», die Hochschulseelsorge Campus Luzern, lädt am 21. Oktober zur Jubiläumsfeier ein. Seit 20 Jahren begleitet sie Studierende, Dozierende und Mitarbeitende in Fragen des Lebens, des Studiums bzw. der Arbeit und der Sinnsuche.
Das Jubiläum ist eine Gelegenheit, auf zwei Jahrzehnte Hochschulseelsorge zurückzublicken und gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Studierende, Alumni, Mitarbeitende, Kooperationspartnerinnen und -partner sowie alle, die sich mit «Horizonte» verbunden fühlen, sind herzlich eingeladen.
