Die Pluralisierung verändert uns alle, unweigerlich und nachhaltig. In ihrem Buch beschreibt die Philosophin Isolde Charim, was das Leben in einer neuartig pluralisierten Gesellschaft für den Einzelnen bedeutet. Moderiert von Antonius Liedhegener, diskutieren am 22. Mai 2019 der Theologe Reinhold Bernhardt, der Politgeograf Michael Hermann und die Masterstudentin Mara Griesehop Charims Analysen zu den Bereichen Politik und Religion.

Datum: 22. Mai 2019
Zeit: 18.15 Uhr
Ort: Universität Luzern, Hörsaal 8

Was ist eine pluralisierte Gesellschaft und was heisst es für den Einzelnen, in einer solchen zu leben? Die Möglichkeit, ein anderes Leben zu führen, ein anderes Selbstverständnis zu haben oder anders zu glauben, ist heute wie nie zuvor prägend für unser Dasein. Diese kulturelle Veränderung lässt keinen unberührt und verändert den Bezug zur eigenen Identität und zur Gemeinschaft. Die Philosophin Isolde Charim wendet ihre These zur neuen Pluralisierung auf verschiedene Bereiche an: von Fragen politischer Partizipation und Emotionen über die Definition des Heimatbegriffs bis hin zu den Debatten um religiöse Zeichen und den Effekten religiöser Pluralisierung.

Heute konkurrieren religiöse Identitäten, Überzeugungen und Gemeinschaften. Dies – so Charims These – wirkt sich wiederum auf den Glauben selbst aus. Glaube funktioniere nicht mehr als einfache Behauptung, sondern nur noch als Gegenbehauptung zu anderen Überzeugungen und bedürfe in unumkehrbar pluralisierten Gesellschaften einer Entscheidung. Im Bereich der Politik stellt Charim indes eine weitverbreitete Skepsis gegenüber jeder Art von Repräsentation, Institutionen und politischen Programmen fest. Politische Akteure versuchten das Publikum heute zunehmend über politische Emotionen zu mobilisieren, «Begeisterung» wird dann etwa zur magischen Ressource.

Das diskutierte Buch

Isolde Charim:
Ich und die Anderen.
Wie die neue Pluralisierung uns alle verändert

Wien: Zsolnay, 2018.
222 Seiten, ca. 23 Franken.

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Mitwirkende:

  • Reinhold Bernhardt
    Professor für systematische Theologie/Dogmatik, Universität Basel
  • Michael Hermann
    Dr. sc. nat., Polit-Geograf und Geschäftsführer des Forschungsinstituts sotomo
  • Mara Griesehop
    Studentin Master Religion – Wirtschaft – Politik
  • Antonius Liedhegener (Moderation)
    Professor für Religion und Politik, ZRWP, Universität Luzern

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