Zweite Studierenden- und Alumni-Konferenz des Masterstudiengangs Philosophie, Theologie und Religionswissenschaften (PhilTeR)
Wahr oder falsch? Am Freitag, dem 24. April, fand in Luzern ein wichtiges Meeting zwischen Vertretern aus dem Iran, den Vereinigten Staaten, dem Libanon, Russland, der Türkei, der Ukraine und China statt. Die Teilnehmer der verschiedenen Treffen, die sich über einen ganzen Tag erstreckten, diskutierten unter anderem sehr sensible Themen wie: Glaube, Religion, das Böse, Krieg, den Holocaust, Gott, den Islam, das Judentum und das Christentum. Die Diskussionen fanden in einer absolut entspannten, ja sogar fröhlichen Atmosphäre statt, darunter ein gemeinsames Mittag- und Abendessen, die beide sehr angenehm waren. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das Meeting ein grosser Erfolg war. Wahr oder falsch?
Trotz der aktuellen internationalen politischen Lage ist die Antwort diesmal glücklicherweise ermutigend und positiv: wahr. Und die Universität Luzern, insbesondere das Zentrum für Theologie und Religionsphilosophie (TheiRs) der Theologischen Fakultät, war der Organisator dieses gelungenen Events. Es handelte sich um die 2. Konferenz des Masterstudiengangs Philosophie, Theologie und Religionswissenschaften (PhilTeR). Die Hauptakteure dieser erfolgreichen internationalen Konferenz waren die Studierenden und Alumni des Masterstudiengangs, begleitet von den Tutoren (Doktorierenden und Post-doc wie David Anzalone, der Hauptorganizator, Dario Affronti, Davide Falessi, Ali Taghavinasab, dem Master coordinator Prof. Dr. Ryan Mullins) sowie dem Leiter des Masterstudiengangs, Prof. Giovanni Ventimiglia di Geraci. Es handelte sich um eine Vor-Ort-Konferenz, an der auch andere Studierende online teilnahmen. Denn obwohl der Masterstudiengang online stattfindet – was eine echte Internationalität ermöglicht –, sieht er von Anfang an Live-Treffen vor, seien es Sommerschulen, Workshops oder internationale Konferenzen wie diese. Unter den Teilnehmern dieser Veranstaltung waren neben denjenigen aus den genannten Ländern auch Studierende und Tutoren aus Rumänien, Spanien, Italien, Polen, Kroatien sowie – online – aus Mosambik, Kanada und dem Vereinigten Königreich zu nennen. Natürlich fehlten sowohl vor Ort als auch online die Schweizer nicht.
Das spezifische Thema und der Titel dieser Konferenz lautete: „What Future for Philosophy of Religion?“ In der Tat hat die Religionsphilosophie in den letzten Jahren in der internationalen, insbesondere englischsprachigen philosophischen Gemeinschaft eine unerwartete und weitreichende Renaissance erlebt, mit Hunderten von wissenschaftlichen Fachpublikationen pro Jahr. Die Vortragenden der Konferenz in Luzern knüpften alle an diese Renaissance an, jeder mit seinem eigenen Ansatz.
Was hat den friedlichen Dialog zwischen allen Teilnehmern trotz der Unterschiede in Religion und Kultur und trotz der aktuellen politischen Situation begünstigt? Die Antwort ist einfach, wenn auch heutzutage nicht sehr bekannt: die Geschichte der Philosophie. Es handelt sich um die glückliche Kernidee, die dem Master PhilTeR zugrunde liegt: Historisch gesehen war die Philosophie nämlich über mehrere Jahrhunderte hinweg eine äusserst wirksame Plattform für den Dialog zwischen den abrahamitischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Die bedeutendsten Intellektuellen dieser drei Religionen haben die grossen griechischen Philosophen kommentiert und tatsächlich mit ihnen in einen Dialog getreten, insbesondere mit Platon, Plotin, Porphyrios und nicht zuletzt Aristoteles, und im Dialog mit ihnen haben sie auch untereinander einen Dialog geführt. Einer der bedeutendsten jüdischen Theologen aller Zeiten, Moses Maimonides, hat sich beispielsweise ausdrücklich auf die Philosophien des Griechen Aristoteles und des Muslims Avicenna bezogen, und Thomas von Aquin, der wichtigste Vertreter der christlichen Philosophie und Theologie, hat sich ausdrücklich auf zentrale Theorien der islamischen und jüdischen Philosophie berufen. In Anlehnung an diese glücklichen Beispiele aus der Antike un dem Mittelalter hat sich der Masterstudiengang PhilTeR unter anderem zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen den abrahamitischen Religionen zu fördern und den Dialog mit den grossen Philosophen der Vergangenheit wieder aufzunehmen – ein Dialog, der heute in der internationalen philosophischen Gemeinschaft wieder aktuell ist. Das Experiment ist bisher gelungen. Davon zeugen sowohl der Erfolg des Masterstudiengangs PhilTeR, einer der meistbesuchten Masterstudiengänge der Universität und sicherlich der internationalste, als auch diese Konferenz. Einmal mehr bestätigt sich Luzern als Stadt der Brücken und die Universität Luzern als Erbauerin wichtiger neuer kultureller Brücken.
