Diesen Sommer fand an der Universität Luzern bereits zum neunten Mal die Lucerne Academy for Human Rights Implementation statt. Ramona Keist berichtet im Interview über ihre Erfahrungen und Eindrücke als Teilnehmerin.

Ramona Keist beim Plädoyer am Moot Court der Lucerne Academy for Human Rights Implementation

Ramona Keist, was hat Sie dazu bewogen, an der Lucerne Academy teilzunehmen?

Ramona Keist: Mich interessieren Menschenrechte und wie man diese schützen kann. Besonders spannend fand ich die Idee, diese Thematik mit Studierenden aus den unterschiedlichsten Ländern zu diskutieren. Da das Thema der Summer School "Business and Human Rights" war, bestand zudem mit der Konzernverantwortungsinitiative ein aktueller Bezug zur Schweizer Politik.

Die Sprache der Summer School ist Englisch. War dies eine grosse Herausforderung?

Alle Teilnehmenden sprachen relativ gut Englisch. Ich selbst hatte keine Probleme und auch von niemandem gehört, der welche gehabt hätte.

Wird ein bestimmtes Niveau verlangt?

Nein, aber man sollte sich sicher fühlen. Alle Teilnehmenden müssen ein Memorial auf Englisch verfassen und auch auf Englisch plädieren.

Welche Kurse haben Sie besucht?

Wir hatten einen obligatorischen Einführungskurs, die anderen konnte man selber aussuchen. Ich habe Kurse zu den Rechten von indigenen Völkern, zu Menschenrechten und transnationalen Unternehmen sowie zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte besucht.

Hat Sie ein Kurs besonders angesprochen?

Am spannendsten fand ich den Kurs über die Rechte von indigenen Völkern. Dem Professor gelang es, sein Wissen packend zu vermitteln und er konnte auf die Inputs der Teilnehmenden aus den verschiedenen Ländern eingehen.

Zum Programm gehörten auch zwei Exkursionen, eine nach Strassburg zum Sitz des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und eine nach Genf zur UNO. Wie haben Sie diese erlebt?

Es war ein super Erlebnis. Neben den üblichen Besichtigungstouren waren diverse Vorträge organisiert. Wir konnten mit Experten verschiedener Institutionen wie etwa dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge und dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte sprechen. Dadurch erhielten wir einen interessanten Blick hinter die Kulissen.

Könnten Sie sich vorstellen an einer dieser Institutionen zu arbeiten?

Ja, auf jeden Fall. Bei den Exkursionen, Vorlesungen und Lunchtime-Seminaren kamen wir mit vielen Praktizierenden und Experten im Bereich Menschenrechte in Kontakt, welche uns über Praktikumsmöglichkeiten informierten.

Ein zentraler Teil der Lucerne Academy ist der Moot Court. Was versteht man darunter?

Ein Moot Court ist ein fiktiver Gerichtsfall. Es wird zunächst ein Memorial verfasst, das heisst eine Schrift zur Verteidigung der Kläger- oder Verteidigerseite. Anschliessend wird vor einem fiktiven Gericht für die jeweilige Position plädiert. Vor Gericht wurde auch das ganze Drumherum so gespielt, wie es tatsächlich ablaufen würde, inklusive der Eröffnung und Schliessung der Gerichtsverhandlung sowie der Richter in ihren Roben.

Worum ging es im hypothetischen Gerichtsfall?

Im Fall wurden menschenrechtliche Aspekte zu Zwangsarbeit und Menschenhandel, Diskriminierung, Non-Refoulement [Grundsatz der Nichtzurückweisung, Anm. d. Red.] und das Recht zu einer wirksamen Beschwerde thematisiert. Dies am Beispiel eines Mädchens aus dem fiktiven afrikanischen Land Yulanda, das mit 14 Jahren nach Europa kam, um ihren Traum, Fussballprofi zu werden, zu verwirklichen.

Wie wurden die Teams gebildet?

Die Teams wurden so eingeteilt, dass sie möglichst multikulturell waren und gleichzeitig in jeder Gruppe jemand bereits Moot-Court-Erfahrung hat. Von dieser Erfahrung konnten alle sehr profitieren.

Welches Gesamtbild bleibt Ihnen von der Lucerne Academy?

Es war eine super Erfahrung. Man lernt Leute aus der ganzen Welt kennen und bekommt Einblick in verschiedene Kulturen. Eindrücklich war auch der Austausch mit Teilnehmenden aus Ländern wie Venezuela oder China und dabei etwas über ihre Lebensumstände zu erfahren. Das alles war für mich sehr bereichernd.

Können Sie sich vorstellen, erneut an einem ähnlichen Programm teilzunehmen?

Auf jeden Fall. Es gibt weitere Moot Courts im Bereich Menschenrechte, zum Beispiel den Nelson Mandela World Human Rights Moot Court in Genf. Zuerst absolviere ich jetzt aber mein Austauschsemester in Lausanne. 

 

Zur Person
Ramona Keist ist 22 Jahre alt. Sie hat den Bachelor in Rechtswissenschaften an der Universität Luzern abgeschlossen und beginnt im Herbst ihr Masterstudium mit einem Austauschsemester an der Universität Lausanne.

Lucerne Academy for Human Rights Implementation
Während drei Wochen fand an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät die Lucerne Academy for Human Rights Implementation statt. Der Fokus lag auf Herausforderungen und praktischen Aspekten der Prozessführung bei der Verteidigung von Menschenrechten. Zum Programm gehören neben verschiedenen Kursen auch Lunchtime-Seminare, Exkursionen nach Genf und Strassburg und ein Moot Court. An der Summer School nahmen dieses Jahr rund 30 Studierende aus 14 verschiedenen Ländern teil. Informationen zur Summer School 2018 werden im Herbst bekannt gegeben.

Mehr Informationen zur Lucerne Academy
News-Beitrag "Internationale Summer School zu Menschenrechten"
Website Lucerne Academy for Human Rights Implementation

Interview: Simone Geib, Praktikantin Öffentlichkeitsarbeit

 

3. August 2017