Soziologischer Standpunkt: «Opfer oder Überlebende? Neue Wörter schaffen neue Erwartungen»

Der Begriff «Überlebende» sollte Betroffenen sexueller Gewalt Handlungsmacht zurückgeben, die der Begriff des «Opfers» in den Hintergrund rückt. Doch auch gut gemeinte Begriffe können neue Erwartungen schaffen, die wiederum zu neuen Stigmata führen können.

Die Kolumne erscheint alle zwei Wochen in der Luzerner Zeitung. (Bild: unsplash.com/@andrekaimk)

In der Debatte um sexuelle Gewalt hat sich der Begriff «Überlebende» statt «Opfer» etabliert. Das Ziel dahinter: Stigmata abbauen und es Betroffenen erleichtern, ihre Erfahrungen zu benennen und Unterstützung zu suchen. Dieser neue Begriff rückt die Handlungsmacht der Betroffenen in den Vordergrund – im Gegenteil zum Begriff des «Opfers», der mit Passivität assoziiert wird. Prof. Dr. Nadine Arnold fragt in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt», wie Betroffene diese Begriffe wahrnehmen und welche Erwartungen möglicherweise mitschwingen. Die Soziologin Meghan O. Warner zeigt dabei, wie die erhoffte emanzipatorische Wirkung auch Schattenseiten mit sich bringt. Die Kolumne zeigt, welche Erwartungen Betroffene den Begriffen zuschreiben, wo sie sich verorten und weshalb der Begriff der «Überlenden» auch zu Verschwiegenheit führen kann. Zur Kolumne!