Schweizweites Forschungskolloquium für Kirchengeschichte
Am Samstag, 10.10.2026 trafen sich an der Universität Luzern Forschende der Universitäten Genf, Lausanne, Chur, Basel, Zürich und Luzern, um ihre Forschungsprojekte aus dem Fachbereich Kirchengeschichte vorzustellen und miteinander zu diskutieren.
Die überregionale und interkonfessionelle Vernetzung hat in der kirchengeschichtlichen Forschung in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Bereits zum zweiten Mal kamen Professor:innen und Doktorierende aus Genf, Lausanne, Basel, Zürich, Chur und Luzern zusammen, um ihre laufenden Forschungsprojekte vorzustellen und miteinander zu diskutieren. Organisiert wurde das Kolloquium vom Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Theologischen Fakultät unter der Leitung von Prof. Dr. David Neuhold. In vier Vorträgen und fünf Posterpräsentationen wurde die thematische und methodische Vielfalt des Fachs sichtbar. Die vorgestellten Arbeiten reichten von frühchristlichen Themen an der Schnittstelle zur neutestamentlichen Exegese (Rafael Reuther, Zürich) über reformationsgeschichtliche Fragestellungen bis hin zu neuen methodologischen Ansätzen. Sie zeigten, wie vielfältig kirchengeschichtliche Forschung heute ausgerichtet ist und welche Möglichkeiten sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit ergeben.
Ein Beispiel dafür boten die Projekte von Dr. Bodo Näf (Luzern) und Stefan Aderhold (Zürich). Mit Ansätzen aus der Sprachwissenschaft und der KI-basierten Datenanalyse zeigten sie, wie neue Verfahren der Terminologieanalyse zusätzliche Perspektiven auf historische Quellen eröffnen. Die Verbindung bisheriger Quellenarbeit mit digitalen Methoden und sprachwissenschaftlichen Ansätzen erweitert damit die Möglichkeiten kirchengeschichtlicher Forschung.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf reformationsgeschichtlichen und frühneuzeitlichen Fragestellungen. Volker Bleil (Zürich), Judith Roche (Genf), Veronika Kanf (Luzern) und Shelby Myers (Genf) beschäftigen sich mit Themen zwischen Reformation und Gegenreformation, die sich der Ereignis-, Institutions-, Personen- und Theologiegeschichte zuordnen lassen. Im Austausch wurden die vielfältigen Verbindungen zwischen diesen Forschungsansätzen sichtbar. Sie bilden eine wichtige Grundlage, um konfessionelle, institutionelle und personelle Verflechtungen über einzelne Orte und Regionen hinaus zu untersuchen.
Die Forschung zum späten 19. und 20. Jahrhundert war durch die Projekte von Silvan Baumann (Luzern) und P. Meinrad Hötzel (Luzern) vertreten. Ihre personengeschichtlichen Arbeiten zu Mauritius Gisler OSB und Kaspar Bossart OSB verdeutlichten ebenfalls das Potenzial unterschiedlicher methodischer Zugänge. Diese reichen von der Auswertung persönlicher Aufzeichnungen wie Tagebüchern bis zur Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen individuellen Lebensgeschichten und institutionellen Entwicklungen.
Das Kolloquium bot damit Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten und zeigte, wie die Verbindung unterschiedlicher Epochen, Fragestellungen und methodischer Ansätze neue Perspektiven auf die Geschichte des Christentums eröffnet. Zugleich stärkte der Austausch über die Hochschulstandorte hinweg die Vernetzung der kirchengeschichtlichen Forschung in der Schweiz.
Der Tag wurde mit der reformationsgeschichtlichen Stadtführung durch Luzern durch den Historiker Hans Jurt abgerundet. Dem Verein “Unter(g)rundgang Luzern” sei herzlich für die Organisation gedankt!
Bericht: Veronika Kanf, Fotos: David Neuhold, Veronika Kanf









