Mobilitätsbeiträge für fünf Doktorierende

Fünf Doktorierende profitieren von Mobilitätsstipendien, die von der Graduate Academy der Universität Luzern vergeben werden. Die Beiträge ermöglichen es den Nachwuchsforschenden, Teile ihrer Dissertation im Ausland zu realisieren.

Die von der Graduate Academy vergebenen «UniLU Doc.Mobility»-Beiträge für Forschungsaufenthalte im Ausland können zweimal jährlich in Form einer Pauschale beantragt werden. Die Mittel leisten einen Beitrag an die Lebenshaltungs- sowie Reise- und Forschungskosten der Doktorierenden. Bei der Ausschreibung im Herbst 2025 einen Zuschlag erhalten haben (in alphabetischer Reihenfolge):

Laura Hoffman

«Weltsichten und Zukunftsbilder junger Menschen in der Schweiz»: In ihrer von Prof. Dr. Antonius Liedhegener betreuten Dissertation untersucht Laura Hoffman, wie junge Erwachsene ihre Welt verstehen und sich die gesellschaftliche Zukunft vorstellen. Insbesondere interessiert sie dabei, wie sich junge Erwachsene (nicht-)religiös-weltanschaulich orientieren und was dies für Zukunftsbilder sowie Fragen der Identität und Lebensformen in der Spätadoleszenz bedeutet. Die Studie verbindet Religionswissenschaft und Jugendsoziologie und nutzt das Konzept der «Weltsicht/en». Dieses ermöglicht es, individuelle Denk- und Handlungsmuster sowie Sinnstiftungsprozesse jenseits klassischer Religionsbegriffe sichtbar zu machen, indem es als übergeordnete Kategorie gleichzeitig religiöse, spirituelle und weltliche Deutungsformen umfasst. Vor dem Hintergrund einer zunehmend multireligiösen und interkulturellen Gesellschaft soll das Projekt aufgrund qualitativer Daten zentrale Erkenntnisse über neue Formen weltanschaulicher Identitäten und deren Rolle im Umgang mit gesellschaftlichem Wandel liefern. Von April bis Juli arbeitet Laura Hoffman an der Universität Wien an der «Vienna Doctoral School of Theology and Research on Religion» bei ihrem Zweitbetreuer Prof. Dr. Karsten Lehmann, einem Experten in der empirischen Religionsforschung, insbesondere im Bereich qualitativer und vergleichender Analysen. Laura Hoffman erhält einen Mobilitätsbeitrag von rund 18'000 Franken.

Jana Jarck

Das Dissertationsprojekt «Electoral Dynamics Unveiled: Successor Bias, Politician Persistence, and Occupational Profiles in Swiss Cantonal Politics» von Jana Jarck befasst sich mit zentralen Mechanismen demokratischer Wahlen. Die kumulative Dissertation wird an der Universität Luzern von Prof. Dr. Lukas Schmid betreut und untersucht mithilfe quantitativer Methoden, warum Amtsinhaberinnen und -inhaber bei Wahlen oft erfolgreicher sind als neu antretende Kandidierende. Dieser sogenannte Bisherigenvorteil hängt eng mit der höheren Bereitschaft von Amtsinhaberinnen und -inhabern zusammen, erneut zu kandidieren – einem Phänomen, das in der Forschung als «Political Persistence» bekannt ist. Die Arbeit analysiert, wie institutionelle Reformen dieses Verhalten beeinflussen und ob dabei geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen. Im Fokus stehen die Einführung des Frauenstimmrechts, der Briefwahl sowie der Wahlhilfeplattform Smartvote. Im Zuge eines Forschungsaufenthalts weilte Jana Jarck von Januar bis März an der University of Oxford und arbeitete dort unter der Betreuung von Prof. Dr. Rachel Bernhard, Expertin für Political Persistence. Der Forschungsaufenthalt wurde durch einen Mobility Grant in der Höhe von 14'000 Franken ermöglicht.

Céline Lenherr

In ihrem Dissertationsprojekt befasst sich Dr. med. dent. Céline Lenherr mit dem Konzept der «Funktionsfähigkeit». Dieser Ansatz zur Messung von Gesundheit erfasst, inwieweit eine Person ungeachtet von gesundheitlichen Einschränkungen an verschiedenen Lebensbereichen teilhaben kann. Céline Lenherr, betreut von Prof. Dr. Carla Sabariego, entwickelt im Rahmen ihrer Arbeit «Entwicklung und Pilotierung von ClinFIT Oral Health» ein standardisiertes Instrument zur Erfassung der Funktionsfähigkeit von Patientinnen und Patienten mit mundgesundheitlichen Erkrankungen. Ziel ist es, Aspekte der Funktionsfähigkeit systematisch in den zahnmedizinischen Alltag zu integrieren und damit sowohl klinische Entscheidungsprozesse als auch die Versorgungsforschung zu unterstützen. Aufbauend auf einem ersten Forschungsaufenthalt an der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston im Sommer 2025, verbringt Céline Lenherr dort im kommenden Juli und August einen weiteren Forschungsaufenthalt, für den sie einen Beitrag von 9'800 Franken erhält.

Colette Schefer-Peisker

In ihrer Dissertation «Tierschutz beim Schlachten in der Schweiz. Eine rechtswissenschaftliche Untersuchung zur Entwicklung, Anwendung und Durchsetzung schlachtspezifischer Tierschutznormen» untersucht Colette Schefer-Peisker die rechtlichen Rahmenbedingungen und praktischen Herausforderungen des Tierschutzes in Schweizer Schlachthöfen. Betreut wird die Studie in Luzern von Prof. Dr. Roland Norer. Im ersten Teil zeigt Schefer-Peisker die historische und systematische Entwicklung des Tierschutzrechts im Bereich der Schlachtung auf und unterzieht die Vereinbarkeit der Schlachtpraxis mit der in der Bundesverfassung verankerten Würde der Kreatur einer kritischen Analyse. Im zweiten Teil widmet sie sich den geltenden Normen und deren Vollzug in Bezug auf zentrale tierschutzrelevante Vorgänge im Schlachtprozess. Ausserdem prüft Schefer-Peisker, inwieweit die Einführung einer obligatorischen Videoüberwachung in Schlachthöfen – nach dem Vorbild Grossbritanniens – als Instrument zur Verbesserung der Kontrolle und zur Stärkung der Durchsetzung von Tierschutzgesetzen geeignet wäre. Für diesen Teil ihrer Arbeit hat sie bis Ende März einen zweimonatigen Mobilitätsaufenthalt an der Universität Birmingham verbracht, betreut von Assistenzprofessor Dr. Iyan Offor, einem Experten auf dem Gebiet des Tierschutzrechts. Colette Schefer-Peisker hat einen Mobilitätsbeitrag von 9'800 Franken erhalten.

Jasmin Ulli

In ihrem Dissertationsprojekt «Zivilprozessuale Herausforderungen bei der Beurteilung von Kindesunterhaltsansprüchen in Patchwork-Konstellationen, Lösungsvorschläge de lege lata und de lege ferenda», betreut durch Prof. Dr. Regina E. Aebi-Müller, befasst sich Jasmin Ulli mit konkurrierenden Unterhaltsansprüchen in Patchwork-Konstellationen. Dabei werden Fragestellungen erörtert, etwa wie das Gericht die Gleichbehandlung der Kinder verwirklichen kann, wenn nicht alle unterhaltsberechtigten Kinder am Verfahren beteiligt sind. Untersucht werden Lösungsansätze gestützt auf die geltende Zivilprozessordnung sowie im Hinblick auf die anstehende Revision des Familienverfahrensrechts. Um rechtsvergleichende Überlegungen vorzunehmen, absolviert Jasmin Ulli seit Februar und noch bis Ende Juni einen Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg. Dazu erhielt sie einen Mobilitätsbeitrag in der Höhe von 24'500 Franken.