Bewegen sich im Bereich Migration nicht nur Menschen, sondern auch Politiken von einem Staat zum anderen? Dieser Frage geht eine Studie am Politikwissenschaftlichen Seminar nach, die Teil des Nationalen Forschungsschwerpunkts "on the move" ist.

Im Rahmen des Forschungsprojekts mit dem Titel "The Migration of Migration Policies. Pathways and Consequences of the Diffusion of Migration Policies" wird untersucht, wie bzw. inwiefern sich Staaten bei der Ausgestaltung der Asylpolitik gegenseitig beeinflussen. Wenn beispielsweise Schweden während der sogenannten "Flüchtlingskrise" sein Asylgesetz restriktiver ausgestaltet, wie reagieren andere europäische Staaten? Und wie verhalten sich die Herkunftsländer?

Mechanismen im Fokus

Prof. Dr. Joachim Blatter, Ordentlicher Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Theorie, führt aus: "Staaten können in solchen Situationen entweder im Alleingang ihre Asylpolitik anpassen oder in zwischenstaatlicher Kooperation gemeinsame Normen schaffen oder aber voneinander lernen." Solche Mechanismen, die zwischenstaatliche Interdependenzen beschreiben, stehen im Fokus des von ihm geleiteten, auf vier Jahre angelegten Projekts. Während Forschung zur Migrationspolitik meist den Einfluss innerstaatlicher oder supranationaler Faktoren untersucht, erforsche er zusammen mit seinem Team, inwiefern Gegebenheiten – Asylpolitiken – in anderen Staaten als Erklärung dienen.

"The Migration of Migration Policies" verknüpft dabei Migrationspolitik- mit Diffusionsforschung, letztere ein stetig wachsender Forschungsbereich, der sich mit der wechselseitigen Abhängigkeiten von Staaten beschäftigt. Es gelangen quantitative und qualitative Methoden zur Anwendung: Zum einen wird in quantitativen Analysen die Diffusion von Asylpolitiken in den 33 OECD-Staaten zwischen 1960 und 2016 untersucht, zum anderen geraten im Rahmen von ergänzenden qualitativen Analysen die Mechanismen, wie Politiken "wandern", und der Inhalt dieser Politiken genauer in den Blick.

Gross angelegtes Forschungscluster

Neben Joachim Blatter sind Fabrizio Gilardi, Professor für Policy-Analyse am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich, sowie Lea Portmann (wissenschaftliche Mitarbeiterin und spätere Postdoc) und Frowin Rausis (Doktorand), beide an der Universität Luzern, am Forschungsprojekt beteiligt. Dieses ist Teil der zweiten Phase des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS bzw. NCCR) "on the move – The Migration-Mobility Nexus" und wird in diesem Rahmen mit Drittmitteln von 684'000 Franken gefördert. Die NFS sind ein Instrument des Schweizerischen Nationalfonds "zur Förderung von langfristig angelegten Forschungsvorhaben zu Themen von strategischer Bedeutung für die Zukunft der schweizerischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft". "on the move" wurde 2014 lanciert, ist organisatorisch an der Universität Neuchâtel beheimatet und erforscht Themen rund um Migration und Mobilität; am interdisziplinär ausgerichteten Cluster sind Forschende von acht Schweizer Universitäten beteiligt. Ziel ist es, "zu einem besseren Verständnis der aktuellen Migrationsmuster beitragen und ein innovatives, konkurrenzfähiges Forschungsgebiet über Migration und Mobilität in der Schweiz schaffen".

Bereits an der ersten Phase des NFS konnte die Universität Luzern teilnehmen. Dies mit einem Forschungsprojekt zur rechtlichen Situation von Migrantinnen und Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus, sogenannten Sans-Papiers, unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Caroni, Ordinaria für öffentliches Recht, Völkerrecht und Rechtsvergleichung im öffentlichen Recht (früherer Artikel zum Thema).

30. November 2018