Forschende der Universität Luzern haben im ersten Quartal 2013 beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) über eine Million Franken für ihre Projekte eingeworben, exakt CHF 1'084'053.

Die vier Projekte werden mit verschiedenen Instrumenten des SNF gefördert, darunter zum ersten Mal eines von "Agora", einem neu eingerichteten Instrument zur Förderung der Wissenschaftskommunikation. Drei der Forschungsvorhaben sind an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt, eines an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Folgende neue Forschungsprojekte an der Universität Luzern werden vom SNF gefördert:

Swiss Muslim Youth and Civic Key Persons
Projektleiter: Prof. Dr. Martin Baumann
Fachbereich: Religionswissenschaft, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Geldgeber: SNF
Förderinstrument: Agora (SNF-Instrument zur Förderung der Wissenschaftskommunikation)
Eingeworbene Summe: CHF 164'960

Projektbeschrieb:
Während zwei Jahren (2011–2012) hat ein Forscherteam um Prof. Martin Baumann am Zentrum Religionsforschung der Universität Luzern muslimische Jugendgruppen in der Schweiz besucht und dabei eine äusserst vielfältige Szene entdeckt. Im Agora-Projekt präsentiert das Forscherteam seine Ergebnisse des abgeschlossenen Forschungsprojekts in Workshops mit bis zu 25 Personen, die selbst beruflich Erfahrung mit Jugendlichen haben. Das Ziel ist es, in Form von inhaltlich-didaktisch aufbereiteten Workshops einen Austausch zwischen dem Forscherteam und diesen Berufsgruppen über die je eigenen Erfahrungen und Beobachtungen vor dem Hintergrund der Forschungs-ergebnisse zu ermöglichen und zur Sensibilisierung und zum Abbau von Vorurteilen beizutragen. Die Workshops finden verteilt über ein Jahr an verschiedenen Orten in der Schweiz statt. (Martin Baumann)

Kontakt: martin.baumannremove-this.@remove-this.unilu.ch

Schreibtischstudien. Schriftgut als Forschungsmaterial in Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften
Projektleiter: Prof. Dr. Christoph Hoffmann
Fachbereich: Wissenschaftsforschung, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Geldgeber: SNF
Förderinstrument: SNF-Projekt
Eingeworbene Summe: CHF 479'083

Projektbeschrieb:
"Unter dem Titel Schreibtischstudien wollen wir Aspekte der Arbeitsweise der historischen Klimaforschung, der empirischen Sozialforschung und der Geschichtswissenschaft vergleichend untersuchen. Insbesondere interessiert uns, wie in diesen Wissenschaften aus der Auswertung von schriftlichen Aufzeichnungen und Dokumenten Fakten hervorgehen, die direkt unser Verständnis von Natur, Gesellschaft und Kultur prägen. Wir gehen dabei davon aus, dass eine genauere Kenntnis der Forschungspraxis von Wissenschaften dabei hilft, Reichweite und Geltungsanspruch der von ihnen präsentierten Ergebnisse einzuschätzen." (Christoph Hoffmann)

Kontakt: christoph.hoffmannremove-this.@remove-this.unilu.ch

Neuedition: Machiavelli "Il Principe/Der Fürst", it./dt. mit ausführlicher Einleitung und Kommentar
Projektleiter: Prof. em. Dr. Enno Rudolph
Fachbereich: Philosophie, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Geldgeber: SNF
Instrument: SNF-Projekt
Eingeworbene Summe: CHF 126'810

Projektbeschrieb:
Machiavelli gehört nicht den Machiavellisten. Diese Einsicht hat sich im 20. Jahrhundert zwar sehr allmählich, dafür aber erfolgreich durchgesetzt (Ernst Cassirer; Herfried Münkler u.a.m.: "Machiavelli war kein Machiavellist"). Vorübergehend trat an die Stelle des Bildes vom zynischen Ratgeber der klassischen Despoten und Tyrannen dasjenige vom glühenden Republikaner nach römischem Vorbild. Die geplante Edition will zeigen: die Wahrheit liegt in der Mitte. Tatsächlich erstrebte der Historiker unter den Politikern, der Machiavelli ebenso war wie der Politiker unter den Historikern seiner Zeit einen revolutionären Wandel Italiens an. Dieser hatte zwar die Errichtung einer Republik zum Ziel, unter deren Verfassung Italien vereinigt werden könne, der Weg dorthin sei allerdings nicht ohne einen autoritären Führer denkbar: Der ideale Principe – ein exzellenter Souverän, der selbst entscheidet, wann die Zeit seines Abtritts gekommen ist. Mit diesem Postulat einer Synthese aus absoluter Souveränität und Gemeinwohlorientierung des Aktionsraums der Politik prägte Machiavelli das Politikverständnis nicht nur der frühen Neuzeit nachhaltig. (Enno Rudolph)

Kontakt: enno.rudolphremove-this.@remove-this.unilu.ch

Economic Analysis in Regulation and Legal Reasoning
Projektleiter: Prof. Dr. Klaus Mathis
Fachbereich: Öffentliches Recht und Recht der nachhaltigen Wirtschaft, Rechtswissenschaftliche Fakultät
Geldgeber: SNF
Instrument: SNF-Projekt
Eingeworbene Summe: CHF 313'200

Projektbeschrieb:
Das interdisziplinäre, an der Schnittstelle von Recht, Ökonomie und Philosophie angelegte Forschungsprojekt "Economic Analysis in Regulation and Legal Reasoning" besteht aus den folgenden beiden Subprojekten: "The Philosophical and Behavioural Foundations of Cost-Benefit Analysis" (Subprojekt A), und "Economic Arguments in Legal Reasoning" (Subprojekt B). Bei beiden Subprojekten handelt es sich um Arbeiten zur Ökonomischen Analyse des Rechts, wobei sich das Subprojekt A auf die Gesetzgebung und das Subprojekt B auf die Rechtsanwendung bezieht.

Das Subprojekt A beschäftigt sich mit dem Instrument der Kosten-Nutzen-Analyse, die in der Praxis bei der Beurteilung von Regulierungen zum Einsatz kommt. Dieses Subprojekt verfolgt die folgenden beiden Ziele: (a) Einerseits werden die normativen Grundlagen der Kosten-Nutzen-Analyse analysiert und weiterentwickelt (normativer Aspekt); (b) andererseits werden die möglichen Auswirkungen der Ergebnisse der verhaltensökonomischen Forschung auf die Kosten-Nutzen-Analyse untersucht (verhaltensökonomischer Aspekt).

Das Subprojekt B beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle ökonomischen Argumenten in der Rechtsanwendung zukommt. Zu diesem Zweck wird (a) in einem theoretischen Teil eine rechtsvergleichende Studie zwischen Civil Law- und Common Law-Staaten über die Art und Weise der Integration ökonomischer Argumente bei der Begründung rechtlicher Entscheidungen vorgenommen. In einem anwendungsorientierten Teil wird (b) mit Hilfe einer vergleichenden Fallstudie gezeigt, wie wirtschaftliche Argumente in den beiden Rechtskreisen konkret in die rechtliche Begründung von Gerichtsentscheidungen eingehen. (Klaus Mathis)

Kontakt: klaus.mathisremove-this.@remove-this.unilu.ch

Auskünfte:
Martina Pletscher, Öffentlichkeitsarbeit, 041 229 50 92, martina.pletscherremove-this.@remove-this.unilu.ch

23. April 2013