Eine breite ökonomische Literatur untersucht die Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit. Allerdings gibt es Forschungslücken – eine solche möchte Benjamin Krebs schliessen; er hat dafür ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt im Ausland erhalten.

Benjamin Krebs, Doktorand an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät

Dass schlechte Luftqualität mehr Atemwegserkrankungen und höhere Kindersterblichkeitsraten verursacht, ist erwiesen. Allerdings sind diese direkten gesundheitlichen Folgen, die – aus einer wirtschaftlichen Perspektive betrachtet – Kosten nach sich ziehen, nicht die einzigen Auswirkungen von Luftverschmutzung. Erst seit Kurzem geraten in der Forschung weniger offensichtliche Effekte wie etwa Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität in den Blick. Auch hier zeigen sich negative Folgen: Je schlechter die Luftqualität ist, desto weniger produktiv sind wir. Dabei handelt es sich ebenfalls um ökonomische Kosten. Benjamin Krebs: "Im Gegensatz zu den direkten gesundheitlichen Auswirkungen betreffen diese aber mutmasslich deutlich mehr Menschen, wenn auch auf eine subtilere Art und Weise." Ein besseres Verständnis dieser Effekte sei zentral, "denn diese sollten zwingend in die Gestaltung von Umweltschutzmassnahmen einfliessen".

Daten aus Kognitionstraining-App

Im Rahmen seines Projekts "The Effect of Air Pollution on Cognitive Performance. Evidence from Brain Training Exercises" befasst sich Krebs mit den Folgen von Luftverschmutzung auf die kognitive Leistung. "Die meisten Jobs erfordern in unterschiedlichem Masse kognitive Leistung. Ist diese beeinträchtigt, sinkt die Arbeitsproduktivität", so der wissenschaftliche Assistent von Prof. Dr. Simon Lüchinger, Professor für Ökonomie. Die Studie soll zu einem besseren Verständnis beitragen, inwiefern sich schlechte Luftqualität in einer tieferen Arbeitsproduktivität manifestiert. Ausserdem wird untersucht, ob es sich bei der tieferen Produktivität eher um eine Beeinträchtigung der Schnelligkeit oder um eine höhere Fehleranfälligkeit handelt. Für die Forschung kann Benjamin Krebs auf einen Datensatz vom grössten Anbieter von internet-basierten Kognitionstrainings zurückgreifen. Dieser wurde aus einer App der Firma mit über 50 Spielen, die kognitive Fähigkeiten wie Erinnerung, Aufmerksamkeit, Schnelligkeit, und Flexibilität fördern, gewonnen. "Die Daten, die ich verwende, beinhalten anonymisierte Informationen zur Leistung von Millionen gespielten Spielen von Tausenden von Nutzerinnen und Nutzern." Auch sei das Datum, die Uhrzeit und der ungefähre Ort des Spielens bekannt. "Dies erlaubt es mir, mittels Daten von Messstationen die Luftverschmutzung am Ort und zum Zeitpunkt jedes Spiels anzunähern."

Für Forschung nach New York

"The Effect of Air Pollution on Cognitive Performance" ist Teil von Benjamin Krebs' Doktorarbeit (kumulative Dissertation), die von Professor Lüchinger betreut wird. Im September tritt Krebs dazu einen achtmonatigen Forschungsaufenthalt an der Mailman School of Public Health der Columbia University in the City of New York an. Möglich macht dies ein beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) eingeworbenes Doc.Mobility-Stipendium. "An der Columbia University forschen zahlreiche hervorragende Umweltökonomen", so Krebs zur Wahl der Gastinstitution. Insbesondere Matthew Neidell – Associate Professor an der Mailman School und seine dortige Kontaktperson – bewege sich sehr nahe an seinem Forschungsprojekt. "Der Austausch mit den dortigen Professoren und Doktoranden wird mir helfen, meine Forschung zu verbessern und ist sicher auch eine Inspirationsquelle für zukünftige Projekte." Den ersten Teil seiner Doktorarbeit hat Benjamin Krebs im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Steuerung des Energieverbrauchs" (NFP 71) zum Thema Lenkungsabgabe realisiert.

12. September 2019