LIFE Forum Rehabilitation 2026: eine erweiterte Gesundheitsperspektive

Fachpersonen aus Forschung, Praxis, Politik, Versicherungen und Betroffenenorganisationen diskutierten am dritten LIFE Forum Rehabilitation über die Rolle von Funktionsfähigkeit im Schweizer Gesundheitssystem. Deutlich wurde: Instrumente zur Erfassung sind vorhanden, nun geht es darum, die Daten besser zu nutzen und Funktionsfähigkeit stärker im Gesundheitssystem zu verankern.

Carla Sabariego an der Eröffnung des LIFE Forums Rehabilitation 2026
Prof. Carla Sabariego eröffnete das LIFE Forum Rehabilitation 2026.

Am 17. September 2026 fand an der Universität Luzern das LIFE Forum Rehabilitation zum Thema «Funktionsfähigkeit als zentraler Gesundheits­indikator – Chancen für Praxis, Politik und Forschung» statt.

Mortalität (Sterblichkeit) und Morbidität (Krankheit) gehören zu den etablierten Kennzahlen zur Beschreibung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung. Am LIFE Forum Rehabilitation stand die Frage im Zentrum, welche sinnvolle Ergänzung die Funktionsfähigkeit, wie sie die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheits­organisation (WHO) beschreibt, zum aktuellen Gesundheitsverständnis leisten kann. 

Gesundheit umfassender denken

In ihrer Eröffnung führte Carla Sabariego, Professorin für Rehabilitation und Gesundes Altern, in diesen Ansatz ein und zeigte, wieso Funktionsfähigkeit als dritter Gesundheitsindikator neben Mortalität und Morbidität stärker berücksichtigt werden sollte. Während diese Indikatoren Überleben und Krankheit beschreiben, erfasst Funktionsfähigkeit neben der biologischen auch die gelebte Gesundheit, also wie Menschen ihren Alltag bewältigen und am sozialen Leben teilhaben können. Funktionsfähigkeit eröffnet somit eine erweiterte Perspektive auf Gesundheit. 

Zudem stellte Carla Sabariego einen neuen Policy Brief des Center for Rehabilitation in Global Health Systems der Universität vor. Dieser enthält 22 politische Handlungs­empfehlungen zur Stärkung der Rehabilitation in der Schweiz und basiert unter anderem auf einer Initiative und den Diskussionen des ersten LIFE Forums Rehabilitation (zum Policy Brief).

Von der Datenmessung zur Datennutzung

Die darauffolgenden zwei Keynotes zeigten das Potenzial von Funktionsfähigkeitsdaten auf. Denn damit Funktionsfähigkeit systematisch in die Versorgung einbezogen werden kann, muss sie zunächst verlässlich erfasst werden. Thomas Nyffeler, Professor für Neurologie und translationale Versorgungsforschung, präsentierte in diesem Rahmen die Lucerne ICF-based Multidisciplinary Observation Scale (LIMOS) als Instrument zur standardisierten Erfassung von Funktionsfähigkeit in der Rehabilitation. 

Stefan Metzger, Leiter Leistungsmanagement & Unternehmensentwicklung des Schweizer Paraplegiker-Zentrums, und Ricky Probst, Leiter Tarife und Kooperationen der Klinikgruppe Valens, verdeutlichten anschliessend den Nutzen solcher Daten für Qualitätsentwicklung, Unternehmenssteuerung und Versorgungsplanung. Als zentrale Herausforderungen nannten sie die fehlende Standardisierung und mangelnder Datenaustausch zwischen Institutionen.

Verankerung im System notwendig

In Flash Talks stellten Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Praxis, Pflege und Betroffenensicht fünf Perspektiven auf die Funktionsfähigkeit vor. Die fünf Inputs zeigten, dass das Konzept der Funktionsfähigkeit viel Potenzial hat und bereits in unterschiedlichen und vielfältigen Bereichen genutzt wird. 

Die abschliessende Podiumsdiskussion machte deutlich, dass Diagnosen und Funktionsfähigkeit künftig stärker gemeinsam betrachtet werden müssen. Während Diagnosen insbesondere in der Akutversorgung zentral bleiben, gewinnt die Funktionsfähigkeit bei chronischen Erkrankungen, in der Rehabilitation und in integrierten Versorgungsmodellen zunehmend an Bedeutung. Die stärkere Verankerung des Konzepts in Ausbildung und Praxis sowie die Nutzung von digitalen Technologien und künstlicher Intelligenz zur Auswertung von Funktionsfähigkeitsdaten dürften ebenfalls an Bedeutung gewinnen.

Das LIFE Forum Rehabilitation 2026 zeigte, dass die Schweiz bereits über wertvolle Erfahrungen und Instrumente zur Erfassung von Funktionsfähigkeit verfügt. Die nächste Herausforderung besteht darin, diese Erkenntnisse systematisch für Versorgung, Planung und Gesundheitspolitik nutzbar zu machen.

Impressionen zum Anlass

Über LIFE

Die «Luzerner Initiative für Funktionsfähigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden» (LIFE) der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin möchte Forschung in diesen Themenbereichen vernetzen und koordinieren. LIFE zielt darauf ab, Gesundheit und Wohlbefinden bei Krankheit, Verletzung und beim Altern zu verbessern.

Mehr Informationen

Am 17. September fand zudem die dritte LIFE B. Braun Lecture zum Thema Informationsflüsse im Schweizer Gesundheitssystem statt. Referent Marco D'Angelo sprach unter anderem darüber, wie die Funktionsfähigkeit als dritter Gesundheitsindikator darin Platz finden kann.

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