Lebendige Wallfahrtstradition
Im FS 26 befasste sich das Team der Professur für Kirchengeschichte intensiv mit Wallfahrtstraditionen in der Schweiz. Anlass ist das 600-jährige Jubiläum der Zuger Landeswallfahrt nach Einsiedeln, zu dem ein Buch erschienen ist und ein Seminar angeboten wurde.
Wallfahrten sind fast so alt wie das Christentum selbst. Schon seit der Antike begeisterten sich Menschen für den Weg zu besonderen, heiligen Orten, die ihnen den Kontakt zu Gott gewähren sollten. Auch in der schweizerischen Sakrallandschaft spielen Wallfahrtsorte eine besondere Rolle. Einsiedeln, Luthern Bad, Hergiswald, Mariastein, Mariazell, Heiligkreuz im Entlebuch - sie sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle an Orten, an denen Menschen in Zeiten der Not Zuflucht suchten.
Die Wallfahrt erlebte zwei grosse Konjunkturen im Spätmittelalter und im Barock. In beiden Phasen spiegeln sie den christlich-katholischen Zeitgeist starker Gnadenbedürftigkeit und Jenseitsorientierung wider. Die Gnade Gottes war weniger für das irdische Leben entscheidend als für die Frage der Erlösung am Ende der Zeiten.
Die Studierenden von Prof. Dr. David Neuhold und Dr. Thomas Zaugg befassten sich ein Semester lang mit den Traditionen, die mit der Wallfahrt in Verbindung standen. Theologie- und Sozialgeschichte werden in der Wallfahrt eng miteinander verwoben, sodass die Studierenden bei der Untersuchung einzelner Wallfahrtsorte sich auch in konkreten historischen Gegebenheiten wiederfanden.
Im Zentrum stand dabei die Zuger Landeswallfahrt nach Einsiedeln, die vor 600 Jahren das erste Mal urkundlich belegt worden ist und damit in diesem Jahr ein grosses Jubiläum feiert. Der Höhepunkt des Seminars bestand daher in der aktiven Teilnahme an der Zuger Wallfahrt, die traditionsgemäss an Auffahrt stattfand. Um 5.00 Uhr morgens starteten die Teilnehmer:innen an der Zuger Stadtkirche St. Oswald und pilgerten in etwa sieben Stunden rund 1000 Höhenmeter und 24 km zur Klosterkirche in Einsiedeln - auch der Tradition und einem Sprichwort gemäss bei Regenwetter.
Anlässlich des Jubiläums arbeitete Thomas Zaugg auch gemeinsam mit Ueli Kleeb und Caroline Lötscher von DNS-Transport an einem Sammelband zur Zuger Wallfahrt. Unter dem Titel “40000 Schritte zur Schwarzen Madonna” entstand eine Publikation, die einen Querschnitt durch Jahrhunderte zog, Veränderung und Kontinuität aufzeigte sowie mit das spannungsreiche Verhältnis von Politik und Wallfahrt nachzeichnete.
Thomas Zaugg und David Neuhold gingen den Spuren der ersten Datierung der Wallfahrt nach. Veronika Kanf, Assistentin und Doktorandin, verfasste einen Beitrag zur frühen Zeit der Zuger Wallfahrt vom Spätmittelalter bis zum Barock. Weitere Beiträge, etwa von Adi Kälin und Josef Lang, gehen stärker auf die politische Dimension, besonders seit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart ein. Die Beiträge werden von kleinen Exkursen, verfasst von Adreas Fässler, zu den Stationen entlang der Pilgerroute, sowie von zahlreichen Fotos, die die Wallfahrt dokumentieren, durchzogen.
Das Ergebnis, ein umfassendes Werk zu der besonderen und fast einmaligen Tradition, konnte bei einer Vernissage am 30.04.2026 in der Katholischen Kirche der Stadt Zug vorgestellt werden.
Zudem wurden bei einer Podiumsdiskussion am Vorabend der Wallfahrt die Beiträge von Veronika Kanf (Wallfahrt im Spätmittelalter), Josef Lang (Wallfahrt zwischen Politik und Reform) und Heinz Nauer (Statistiken und Leute) vorgestellt und mit dem Publikum besprochen. Was hat sich verändert? Was bleibt? Und wie geht man mit der Tradition im Angesicht der Veränderungen in der kirchlichen Landschaft um?
Weitere Informationen finden Sie im Beitrag der Katholischen Kirche der Stadt Zug und auf der Webseite der Zuger Wallfahrt. Weitere Berichterstattung auf kath.ch.
Bericht: Veronika Kanf, Fotos: David Neuhold


