Luzerner Projekt inspiriert Wiener Bildungseinrichtungen

20 Direktor:innen der Privatschulen der Erzdiözese Wien begeben sich auf eine Bildungsreise nach Sarajevo. Dieser Impuls wurde vom interfakultären Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) ausgelöst, das in Kooperation mit Horizonte, der Hochschulseelsorge des Campus Luzern, sowie weiteren Partnern in den letzten beiden Jahren Studienreisen mit Blockseminaren durchgeführt hat.

(v.l.) HR Mag. Andrea Pinz, Anna Davogg BEd BA, Dr. Martin Steiner, Delegat des Apostolischen Administrators der Erzdiözese Wien Dr. Nikolaus Krasa

Am 9. Januar 2026 fand in Wien ein Einführungsabend zur Geschichte, Politik, Kultur und Religion Sarajevos mit Dr. Martin Steiner statt. Die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Niederösterreich lud zu diesem Einführungsabend ein, der als Vorbereitung für eine Bildungsreise von 20 Direktor:innen dient, die sich mit Sarajevos religiöser und kultureller Vielfalt auseinandersetzen wollen.

Die Schulamtsleiterin, HR. Mag. Andrea Pinz, wurde auf Martin Steiner aufmerksam, da er in den letzten beiden Jahren zwei inter- und transdisziplinäre Studienreisen als Professurvertreter für Theologie und Judaistik leitete. Diese Reisen waren Teil der ISA-Module (Intersdisziplinäres Studienangebot der Unilu, PH Luzern und Hochschulen Luzern) und trugen die Titel: « Sarajevo - das europäische Jerusalem» (2024) und « Bosnien und Herzegowina: 30 Jahre nach Srebrenica» (2025). Am Einführungsabend standen neben der geschichtlichen und religiösen Hinführung zur Stadt die Themen Bildung, Versöhnungsprozesse und interreligiöser Dialog im Zentrum.

Frieden und Versöhnung aktiv fördern

Besonderes Augenmerk lag auf dem Faktor der interreligiösen und kulturellen Begegnung im schulischen Kontext, der für die Schuldirektor:innen von Interesse ist. Ein Blick in den«Integrationsmonitor 2023»der Stadt Wien zeigt, dass etwa 8,5 % der dortigen Bevölkerung Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien haben. In der Schweiz beträgt dieser Prozentsatz 5 % (BFS). Martin Steiner sagt dazu: « Es ist nicht nur aus statistischen Gründen sinnvoll, sich mit der Geschichte des Balkans und den bestehenden multiethnischen Spannungen auseinanderzusetzen, sondern auch um mögliche Begegnungs- und Versöhnungsprozesse zu verstehen und auszuloten. Dies ist wichtig, um zu verhindern, dass in der alten und aktuellen Heimat neue Konflikte aufbrechen.» Nicht vergessen werden darf dabei, dass in den Jugoslawienkriegen (1991-2001) die schwersten bewaffneten Konflikte nach 1945 stattfanden und ein gemeinsames Metanarrativ über die Kriegsereignisse weitherin fehlt.

Es ist allgemein wichtig, an Kriege zu erinnern, um die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, das Bewusstsein für die Folgen von Konflikten zu schärfen und zukünftige Generationen dazu zu ermutigen, Frieden und Versöhnung aktiv zu fördern.

Beitrag: Martin Stenier

Weitere Informationen

Im Jahr 2026 erscheint der interdisziplinäre Sammelband «Begegnung als Konfliktpotenzial?» herausgegeben von Martin Steiner, bassierend auf den beiden Studienreisen aus den Jahren 2024 und 2025.

Der Beitrag von Martin Steiner im Sammelband entstand im Rahmen des RESILIENCE TNA-Programms der EU. Siehe dazu den Zwischenbericht: Research Through Encounters: Tracing a Life Lost in Srebrenica

Im Frühjahrssemester bietet das IJCF als Fortsetzung die Lehrveranstaltung «Thessaloniki - Jerusalem des Balkans» an. Es kann als Blockseminar mit Studienreise der Unilu oder als ISA-Modul besucht werden.