Gastprofessur für Amy-Jill Levine

Im Herbstsemester 2026 ist Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Amy-Jill Levine zu Gast am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF). In ihrer Vorlesung «Parables of Jesus» beleuchtet die renommierte jüdische Neutestamentlerin die Gleichnisse Jesu aus jüdischer Perspektive.

Amy-Jill Levine

Amy-Jill Levine ist eine der bekanntesten jüdischen Stimmen in der neutestamentlichen Forschung. Sie lehrte über Jahrzehnte an der Vanderbilt University in Nashville (USA) und ist heute assoziierte Professorin am «Woolf» Institut der Universität Cambridge (UK). In ihrer Arbeit verbindet sie jüdische und christliche Perspektiven auf die Bibel und setzt sich seit jeher für den jüdisch-christlichen Dialog ein – unter anderem, indem sie antisemitische, sexistische und homophobe Bibelauslegungen hinterfragt. Für dieses Engagement erhielt sie 2022 den Seelisberg Preis. 2026 wurde sie als erste jüdische Person zur Präsidentin der «Catholic Biblical Association of America» gewählt.

Öffentlicher Vortrag

Zum Auftakt ihrer Vorlesung ist die Öffentlichkeit eingeladen: Am Montag, dem 5. Oktober 2026, von 18:15 bis 20:00 Uhr (Universität Luzern, Hörsaal 7), eröffnet Amy-Jill Levine ihre Gastprofessur mit einem öffentlichen Vortrag zu den Gleichnissen Jesu aus jüdischer Perspektive. Die weiteren Vorlesungstermine sind ausschliesslich für Studierende sowie Hörerinnen und Hörer reserviert. Behandelt werden Wesen und Form der Gleichnisse sowie ihre unterschiedlichen Deutungen – von historisch- und literaturkritischen bis zu autobiografischen, befreiungstheologischen, postkolonialen und ideologiekritischen Zugängen; auch der griechische Urtext wird beleuchtet.

Podiumsdiskussion in Zürich

Am Montag, dem 19. Oktober 2026, von 19:00 bis 20:00 Uhr, findet im Musée Visionnaire (Predigerplatz 10, 8001 Zürich) ein öffentliches Podium statt – vor Ort und als Podcast. Amy-Jill Levine spricht dabei gemeinsam mit ihrem Ehemann, Prof. Jay Geller, Associate Professor für moderne, jüdische Kultur an der Vanderbilt Divinity School: Sie widmet sich dem jüdischen Jesus, er spricht über Sigmund Freud und dessen Judentum. Im Anschluss folgt eine gemeinsame Podiumsdiskussion.

Seminar mit Jay Geller

Im Rahmen der Gastprofessur bietet Jay Geller zudem ein Seminar zu «Meanings and Implications of the Holocaust: Names, Dates, Numbers» an. Er geht der Frage nach, welches gemeinsame Verständnis den unterschiedlichen Bezeichnungen für die versuchte Vernichtung des europäischen Judentums – gemeinhin «der Holocaust» genannt – zugrunde liegt. Das Seminar ist ausschliesslich für Studierende sowie Hörerinnen und Hörer zugänglich.

Gastprofessur dank «Daniel Gablinger-Stiftung»

Am IJCF haben Gastprofessuren eine lange Tradition. Seit 1974 hält fast jedes Jahr jeweils im Herbstsemester eine Gastprofessorin bzw. ein Gastprofessor aus Israel, Amerika oder Europa eine Vorlesung im Bereich der Jüdischen Studien. Dies bietet die Möglichkeit zu kontinuierlichem internationalen und interreligiösen Wissensaustausch und zur Durchführung von gemeinsamen Forschungsprojekten. Seit dem Herbstsemester 2003 wird die Gastprofessur durch die Zürcher «Daniel Gablinger-Stiftung» gefördert.

Flyer zur Gastprofessur (auf Englisch)

Mehr Informationen zur Vorlesung (auf Englisch)

 

Interview mit Amy-Jill Levine

Anlässlich ihrer Gastprofessur hat Dr. Martin Steiner, Oberassistent an der Professur für Judaistik & Theologie, mit Amy-Jill Levine ein Interview geführt. Darin spricht sie über ihre Prägung durch das jüdisch-katholische Umfeld ihrer Kindheit, ihren Zugang zum Neuen Testament und die jüdisch-christlichen Beziehungen nach dem 7. Oktober 2023.

Interview auf feinschwarz.net