Beteiligung der Universität Luzern an Nationalem Forschungsschwerpunkt
Professorin Sara Rubinelli ist Co-Leiterin des Arbeitsbereichs «Communication with Society» des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Children & Cancer». Zwei Projekte mit Kommunikationsfokus werden an der Universität Luzern umgesetzt.
Anfang 2026 lancierte das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) sechs neue Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS) in den Bereichen Medizin, Quantentechnologie und Klima. Der NFS «Children & Cancer» mit einer Gesamtfördersumme von 33,97 Millionen CHF, wovon 16,99 Millionen CHF vom Schweizerischen Nationalfonds beigetragen werden, widmet sich der verbesserten Diagnose und Optimierung der Behandlung und Begleitung krebskranker Kinder.
In der Schweiz wird im Durchschnitt jeden Tag bei einem Kind oder Jugendlichen Krebs diagnostiziert. Somit ist Krebs eine der häufigsten Todesursachen in dieser Altersgruppe. Kinderkrebs unterscheidet sich in Ursachen, Arten und Langzeitfolgen grundlegend von Erwachsenenkrebs. Ziel des NFS «Children & Cancer» ist es, ein umfassendes nationales Programm für Forschung, Innovation und moderne klinische Versorgung von Krebserkrankungen bei Kindern zu schaffen.
Kommunikation als Teil der Kinderkrebsforschung
Der NFS gliedert sich in sechs Arbeitsbereiche, sogenannte «Work Packages». Sara Rubinelli, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Luzern, ist Core Principal Investigator des NFS und leitet gemeinsam mit Professor Thomas Friemel von der Universität Zürich den Arbeitsbereich «Communication with Society». Rubinelli ist zudem Mitglied des Lenkungsausschusses und gestaltet die strategische Ausrichtung der Kommunikation des NFS mit.
Der Arbeitsbereich untersucht Kommunikation auf unterschiedlichen Ebenen – von der Medienberichterstattung und der öffentlichen Wahrnehmung über klinische Gespräche bis hin zu gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen – und verfolgt das Ziel, besser zu verstehen, wie Informationen im gesamten Versorgungssystem von krebskranken Kindern entstehen, weitergegeben, interpretiert und schliesslich in konkretes Handeln umgesetzt werden.
Für Sara Rubinelli ist die Beteiligung am NFS ein wichtiger Schritt, um die Kommunikationsforschung stärker in einem der anspruchsvollsten Bereiche der Medizin zu verankern. «Fortschritte in der Versorgung von Kindern mit Krebs hängen nicht nur von exzellenter Forschung und klinischer Medizin ab, sondern auch davon, wie Menschen kommunizieren, zusammenarbeiten und gemeinsam Entscheidungen treffen.»
Sie leitet innerhalb des Arbeitsbereichs zwei Forschungsprojekte.
Gemeinsame Entscheidungsprozesse in der Kinderonkologie
Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, ist neben der medizinischen Behandlung des Kindes auch eine gute Kommunikation zwischen medizinischen Fachpersonen und Eltern wichtig. Ärztinnen und Ärzte müssen komplexe Informationen vermitteln und gleichzeitig Zuversicht geben, ohne falsche Erwartungen zu wecken. Eltern wiederum müssen Risiken, Unsicherheiten und verschiedene Behandlungsoptionen verstehen, während sie mit Ängsten und einer grossen emotionalen Belastung umgehen.
Obwohl dieser Austausch eine zentrale Rolle spielt, ist bislang wenig darüber bekannt, wie gemeinsame Entscheidungsprozesse tatsächlich ablaufen.
Das Projekt liefert erstmals eine umfassende Übersicht über die Praxis dieser Entscheidungsprozesse, des «Shared Decision-Making», in der Schweiz. Untersucht wird unter anderem, wie Informationen zwischen Fachpersonen und Familien ausgetauscht werden, an welchen Stellen Missverständnisse entstehen, wie Konflikte bewältigt werden und welche Kommunikationsformen Eltern dabei unterstützen, aktiv an Therapieentscheidungen mitzuwirken. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Kommunikationsstrategien gezielt weiterzuentwickeln und eine patienten- und familienzentrierte Versorgung zu stärken.
Ländervergleiche als Grundlage für eine bessere Versorgung
Kommunikation beschränkt sich jedoch nicht aufs Behandlungszimmer. Eine bessere Versorgung von Kindern mit Krebs erfordert gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und international bewährten Ansätzen beruhen. Ein Vergleich zwischen Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den USA soll aufzeigen, wie diese die Kinderkrebsversorgung organisieren, regulieren und unterstützen und welche wirksamen politischen Ansätze das Schweizer System stärken könnten.
Untersucht werden politische Rahmenbedingungen, nationale Strategien, die Einbindung relevanter Akteurinnen und Akteure, Finanzierungsmechanismen sowie der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Die Ergebnisse sollen bestehende Lücken in der Politik aufzeigen, übertragbare Lösungsansätze identifizieren und Prioritäten für die Weiterentwicklung der Versorgung in der Schweiz aufzeigen.
Ziel des Projekts ist es, evidenzbasierte Empfehlungen für Schweizer Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zu entwickeln, um so die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen zu stärken und die Versorgung sowie die Behandlungsergebnisse von Kindern mit Krebs und ihren Familien zu verbessern.
Forschung in nationalem Netzwerk
Die Gesamtleitung des NFS ist an den Universitäten Zürich und Lausanne angesiedelt. Die Umsetzung des Projekts erfolgt in einem grossen Netzwerk bestehend aus Forschungsgruppen aus der gesamten Schweiz, die ein breites Spektrum an Expertenwissen vereinen.
Sara Rubinelli betont die Bedeutung der Beteiligung der Universität Luzern an diesem Projekt: «Für eine Universität, deren Motto Moving Human Sciences lautet, ist die Mitwirkung an diesem Nationalen Forschungsschwerpunkt ein bedeutender Erfolg und Ausdruck unseres Auftrags. Sie zeigt, welchen Mehrwert eine humanwissenschaftliche Perspektive für die Spitzenforschung im Bereich Krebs leisten kann. Eine Perspektive, die nicht nur den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt berücksichtigt, sondern auch, wie Erkenntnisse kommuniziert, verstanden und in Entscheidungen übersetzt werden, die das Leben von Menschen verbessern.»
Langfristig soll der NFS «Children & Cancer» dazu beitragen, die Schweiz zu einem internationalen Zentrum für Innovation und translationale Forschung in der Kinderonkologie zu machen.
- Projekttitel: Work Package 6: Communication with Society
- Projektleitung: Sara Rubinelli, Professorin für Gesundheitswissenschaften mit Schwerpunkt Gesundheitskommunikation an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin, Universität Luzern; Thomas Friemel, Professor of Media Use & Effects am Institut für Kommunikationswissenschaften und Medienforschung, Universität Zürich
- Projektbeteiligte: Die Projektmitarbeitenden an der Universität Luzern sind noch zu bestimmen. Mehr Informationen zu allen Projektbeteiligten finden sich auf der Website des NFS.
- Projektdauer: 48 Monate (Mai 2026 bis April 2030)
Mehr Informationen zu den Nationalen Forschungsschwerpunkten (SBFI)
Factsheet NFS «Children & Cancer»
Website des NFS «Children & Cancer»
