Ein digitales Archiv für Schweizer Sportgeschichte und Wissensvermittlung an Schulen und in Vereinen: Dank Fördergeldern erfährt Sportgeschichte an der Universität Luzern – in Vernetzung mit diversen Partnern – im Rahmen von zwei miteinander verzahnten Projekten einen Schub.

Einer der erforschten und vermittelten Aspekte: Sport – im Bild eine Szene des Eidgenössischen Turnfests von 1925 in Genf – wurde lange Zeit als reine Männerangelegenheit angesehen. (Bild: Peter Glogg/zVg)

Zum einen geht es um "Swiss Sport History Goes Public", das von PD Dr. Michael Jucker vom Historischen Seminar geleitet wird. Das Projekt, das eine Laufzeit von zwei Jahren hat, wird von der Gebert Rüf Stiftung, Basel, mit total 240'000 Franken unterstützt.

Zum anderen erhält das "Digital Swiss Sports History Portal" eine Unterstützung von gesamthaft 187'000 Franken durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Dies im Rahmen des Instruments Agora, mit dem der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gefördert werden soll. Auch dieses, ebenfalls zwei Jahre dauernde, Projekt wird von Jucker koordiniert, hauptsächlich angesiedelt ist es an der Universität Zürich. Bei beiden Projekten wirken verschiedenste Partner mit, aus dem akademischen Bereich, aber unter anderem auch Museen, Vereine und andere Institutionen. Es kommt auch zu einer Zusammenarbeit auf dem Hochschulplatz Luzern, und zwar durch die Beteiligung von Prof. Dr. Peter Gautschi, Professor für Geschichtsdidaktik und Leiter des Instituts für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen an der Pädagogischen Hochschule Luzern.

Jugendliche begeistern – und sensibilisieren

Das Projekt "Swiss Sport History Goes Public" möchte die Geschichte des Sports sportinteressierten Jugendlichen näherbringen. Mit einem interaktiven Online-Tool sowie mit dem direkten Kontakt mit Zeitzeuginnen und -zeugen sollen diese dahingehend sensibilisiert werden, dass es nicht Zufall ist, wer wann welchen Sport betrieben hat und betreibt. Sport kann integrieren, aber auch ausschliessen. Die Gründe dafür sind und waren vielfältig und je nach Sportart unterschiedlich: Geschlecht, Herkunft, Religion, soziale Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung waren dafür prägend. Das Projekt zeigt die historischen Gründe dafür auf und vermittelt diese den Jugendlichen. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren, die in der ganzen Schweiz in Schulen und Sportvereinen besucht werden; das Angebot wird auf Deutsch, Französisch und Italienisch durchgeführt. Die entsprechenden Forschungsresultate liegen bereits vor und werden nun didaktisch aufbereitet. (detaillierter Projektbeschrieb auf der Stiftungswebsite)

Besserer Zugang zu historischem Erbe

Ebenfalls schweizweit und sprachenübergreifend konzipiert, soll die digitale, interaktive Plattform "Digital Swiss Sports History Portal" verschiedenen Nutzergruppen den Zugang zur Sportgeschichte der Schweiz erleichtern – Forschenden, Studierenden, Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern, aber auch Vereinen und der breiteren Öffentlichkeit. Ziel ist es, das historische Erbe des Schweizer Sports zu erhalten und besser zugänglich zu machen und somit der Forschung, dem Unterricht und den Medien zu dienen. (detaillierterer Projektbeschrieb in der SNF-Projektdatenbank)

Es ist vorgesehen, dass der Launch der Ergebnisse aus den beiden Projekten koordiniert mit einem grösseren Event im Rahmen einer Sportveranstaltung im Sommer 2019 stattfindet. Aktuell werden noch Zeitzeuginnen und -zeugen gesucht, die hinsichtlich Integration und Ausschluss beim Sport Besonderes erlebt haben und zu erzählen bereit sind.

Früher erschienenes Interview mit PD Dr. Michael Jucker zum Thema

14. September 2018