Eine Behinderung oder chronische Krankheit ist für ein Studium heute eigentlich kein Hindernis mehr. Trotzdem verläuft nicht immer alles reibungslos. Mit verschiedenen während eines Studienjahrs durchgeführten Anlässen möchte die Fachstelle für Chancengleichheit zur Sensibilisierung und zum gegenseitigen Austausch beitragen.

Mit dem Programm "All inclusive!?: Studieren ohne Barrieren" soll im laufenden Semester und im Frühjahrssemester 2019 die Inklusionsthematik an der Universität Luzern ins Bewusstsein von Studierenden, Mitarbeitenden und Dozierenden gerückt werden. Denn während ein negativer Umgang damit tatsächlich "behindern" kann, schafft ein positiver Umgang jede Menge Chancen, neue Erfahrungen zu sammeln.

11% der Studierenden betroffen

Seit 2004 gilt in der Schweiz das Behinderungsgleichstellungsgesetz. Artikel 8 der Bundesverfassung schreibt vor, dass "das Gesetz Massnahmen zur Beseitigung von Benachteiligungen der Behinderten vorsieht". Dies beinhaltet auch vollen Zugang zum Studium. Wie viele Studierende mit Behinderung tatsächlich an den Schweizer Hochschulen studieren, ist nicht verlässlich belegt – einerseits, weil keine Meldepflicht besteht und andererseits, weil die Definition von Behinderung nicht einfach ist. Eine Erhebung des Bundes aus dem Jahr 2015 gibt einen ersten Anhaltspunkt: "Als Menschen mit Behinderungen gemäss Gleichstellungsgesetz gelten in 2015 22 Prozent der Bevölkerung", ist daraus zu entnehmen. Die Definition gilt dabei für Personen, die ein dauerhaftes Gesundheitsproblem haben und die bei Tätigkeiten des normalen Alltagslebens entweder "stark" oder "etwas" eingeschränkt sind.

Aus dem Personenkreis mit einer Ausbildung auf Tertiärstufe gaben 17,6 Prozent an, von einer Beeinträchtigung betroffen zu sein; knapp 3 Prozent bezeichnen sich als "stark eingeschränkt". Hinweise auf die ungefähre Grössenordnung an einer Universität wie Luzern mit ihren gegenwärtig rund 3000 Studierenden gibt eine Erhebung aus Deutschland, an der sich im letzten Jahr rund 70'000 Studierende beteiligten: 11 Prozent der Teilnehmenden gaben an, an einer studienerschwerenden Beeinträchtigung zu leiden. Das sind Zahlen, die aufhorchen lassen – und belegen, dass eine breite Thematisierung unerlässlich ist. Inklusion und Diversität sind deshalb auch Bestandteil des "Aktionsplans der Universität Luzern 2017–2020", welcher über das Bundesprogramm Chancengleichheit finanziert wird. 

Gemeinsam Barrieren überwinden

Vor diesem Hintergrund steht das Studienjahr 2018/2019 ganz im Zeichen des barrierefreien Studiums, begleitet von einem Programm, das informieren, faszinieren, Mut machen und voranbringen soll sowie es ermöglicht, ganz neue Kontakte zu knüpfen. Die erste Veranstaltung, ein Coffee Talk für Studierende mit Beeinträchtigung, findet am Mittwoch, 17. Oktober um 10 Uhr im Lichthof der Universität statt. Später stehen unter anderem ein Info-Anlass für Mitarbeitende, ein Einblick ins Leben sehbehinderter Menschen sowie ein Gebäuderundgang zum Thema Barrierefreiheit auf dem Programm (die einzelnen Veranstaltungen im Überblick: Website-Ansicht oder unten als PDF).

Wie bisher können sich Studierende mit körperlichen, psychischen oder chronischen Beeinträchtigungen auch mit der Bitte um ein persönliches Gespräch bei der Fachstelle für Chancengleichheit (chancengleichheitremove-this.@remove-this.unilu.ch) melden. Es wird alles daran gesetzt, Studierenden mit Beeinträchtigungen möglichst viele Barrieren aus dem Weg zu räumen und bei der Überwindung von spezifischen Hindernissen zu unterstützen. Die Fachstelle informiert, berät und bietet Unterstützung zu Themen wie Barrierefreiheit, Assistenz, Nachteilsausgleich oder Studienorganisation.

3. Oktober 2018