Am 29. Juni ist Paul Richli feierlich verabschiedet worden. Als Professor, Gründungsdekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und Rektor leistete er während rund 15 Jahren enorm viel für die Universität Luzern.

Die Verabschiedung fand im Rudolf Albert Koechlin Auditorium, dem grössten Hörsaal an der Universität Luzern, statt. Dies im Kreis von etwa 200 Mitarbeitenden, Studierenden, Ehemaligen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Politik. Gewürdigt wurde Paul Richli (auf dem Foto mit seiner Gattin Therese), der Ende Juli sein Amt als Rektor an Bruno Staffelbach übergibt, von Regierungspräsident Reto Wyss in seiner Funktion als Präsident des Universitätsrats, sowie von den Dekanen der vier Fakultäten und von Prorektor Markus Ries. Der universitätsinterne Anlass wurde musikalisch umrahmt vom Unichor Luzern und vom Campus-Orchester Luzern. Durch das Programm führte Andrea Opel, Assistenzprofessorin für Steuerrecht.

"Die Jüngsten zu Wort kommen zu lassen, hat eine lange Tradition an unserer Uni", begründete zu Beginn Andrea Opel – die jüngste Professorin an der Universität Luzern –, warum gerade sie die Verabschiedung moderiere. "Es soll ein Zeichen dafür sein, dass sich unsere Universität stets erneuert, stets nach neuem Wissen und Erkenntnissen strebt."

Nach der Begrüssung folgt eine musikalische Einlage durch den Unichor Luzern unter der Leitung von Andrew Dunscombe. Dass der Dirigent trotz eines anderen Auftritts am selben Abend der Einladung spontan und freudig gefolgt sei, rühre nicht von ungefähr, so Moderatorin Opel: "Es ist bekannt, dass Paul Richli die Unterstützung von Unichor und Uni-Orchester eine Herzensangelegenheit war." Einen lüpfigen Kontrapunkt zu eher wehmütigen und feierlichen Weisen aus Graubünden und Irland setzte der Chor mit dem verspielt arrangierten Volkslied "S'Ramseiers wei go grase".

Mit Paul Richli werde eine Persönlichkeit verabschiedet, die "gross im Geist und in seinen Leistungen ist – als Mensch aber bodenhaftig, bescheiden geblieben ist", betonte Universitätsratspräsident Reto Wyss. "Das verdient hohen Respekt." Der Bildungs- und Kulturdirektor würdigte dabei in Anlehnung an das italienische Theater vier "Hauptrollen" Richlis im Stück "Der zähe Schaffhauser und die junge Luzernerin": diejenige des "Padrone" (u.a. als Rektor), des "Professore" (akademische Verdienste), des "Chrampfers" (etwa bez. hochschulpolitischen Anliegen) – und, mit Blick auf Richlis Begeisterungsfähigkeit, diejenige des "Ragazzo". Als symbolisches Zeichen der Dankbarkeit erhielt Paul Richli von Reto Wyss ein "Prunksiegel des Standes Luzern".

Im Namen der Theologischen Fakultät überbrachte Dekan Martin Mark seine Dankesworte. Er charakterisierte Richli, dessen "Sympathie für theologisches Fragen und Zweifeln offenkundig" sei, als "neugierig, optimistisch, offen für Fragen ausserhalb seines Fachgebiets, nach verbindenden Gedanken suchend, am interdisziplinären Gespräch interessiert, mit leicht verschmitztem Blick". Schwierige und komplexe Problemstellungen würden in ihm nicht Resignation und Unmut hervorrufen, sondern vielmehr seine Vorliebe für Neues und Ungewohntes motivieren und ihn zu intelligenten Lösungen anspornen.

Mit Blick auf den Umstand, dass Mails an den Rektor selbst zu Unzeiten oft erstaunlich zeitnah beantwortet werden, würdigte Christoph Hoffmann, Dekan der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Paul Richlis Engagiertheit: "Eine Universität ist keine Verwaltung, es gibt keinen Dienstschluss, man muss sie mit ganzem Herzen leiten." In dieser Position gelte es auch Widerspruch auszuhalten, streitbar zu sein – "die Bewohner der Universität lassen sich nicht führen, lauter Individualisten, man muss sie überzeugen, redlich den Ausgleich suchen". Das habe Richli getan und der Fakultät den notwendigen Freiraum zur Entfaltung zugestanden, wofür man ihm sehr danke.

"Lieber Paul, wir sehen dich hier an der Feier nach deinem letzten Spiel für die Rosso Furiosi, die RF", begann Bernhard Rütsche, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (RF), seine mit Fussball-Vergleichen gespickte, humorreiche Rede. In seiner Zeit als Gründungsdekan habe Richli, selbst ein grosser Fussball-Fan, als "unsere Nummer 9 im Sturmzentrum" mit seinen "Dribblings die Gegner schwindlig gespielt". Entsprechend gross sei der Verlust bei Richlis Wechsel zum "Dachverband" gewesen, bei dem er als "Generalsekretär hervorragende Arbeit geleistet" habe – auch hinsichtlich "Juniorenförderung": "Dank deinem Einsatz wird unsere Nachwuchsmannschaft, die Wild Fighters, die WF, in der kommenden Saison in der obersten Liga mitspielen."

Christoph A. Schaltegger, Gründungsdekan ebendieser WF (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät), wiederum zog mit einem Augenzwinkern Parallelen zu aktuellen Ereignissen: "Nachdem wir den Austritt Grossbritanniens aus der EU gerade zu verarbeiten beginnen, folgt der nächste Schlag: der Rexit" – mit massiven polit-ökonomischen Folgen. Glücklicherweise handle es sich nur um ein Gedankenspiel, so Schaltegger: "Paul Richli hat die Universität überaus erfolgreich und umsichtig geführt. Wir stehen heute dank ihm auf einem soliden finanziellen Fundament, mit neu vier Fakultäten, die eine interessante wissenschaftliche Breite abdecken und von Luzern aus in die Welt strahlen." Für Richlis Verdienste im Zusammenhang mit dem Aufbau der WF gebühre diesem grosser Dank.

Nach den Reden der vier Dekane, die Einblicke ins "universitäre Nähkästchen" gegeben hatten, spielte das Campus-Orchester Luzern unter der Leitung von Michael Koeck auf. Aufgrund der begrenzten räumlichen Verhältnisse erfolgte der Auftritt des 2004 gegründeten Orchesters, das Musizierende aller drei Hochschulinstitutionen auf dem Platz Luzern zusammenbringt, wie beim Unichor mit einem Ensemble. Gespielt wurde der 1. Satz aus W.A. Mozarts Klarinettenquintett A-Dur KV 581.

Der Prorektor Lehre und Internationale Beziehungen, Markus Ries, bedankte sich bei Paul Richli im Namen der Mitarbeitenden für das grosse Engagement: "Die Früchte deiner Arbeit und damit du selbst werden bei uns über den Tag hinaus präsent bleiben." Als Erinnerungsgeschenk überreichte er dem scheidenden Rektor einen Bergkristall, gefunden in der Region Tiefengletscher an der Furka, entstanden vor vielleicht 20 Millionen Jahren. Ries: "Wir, die Mitarbeitenden dieser Universität, möchten mit diesem Stein als Symbol ausgewiesener Dauerhaftigkeit, dir lange, stark und schön in Erinnerung bleiben."

Sichtlich gerührt, bedankte sich Rektor Paul Richli für die entgegengebrachte Wertschätzung und Verbundenheit. Er betonte: "Ohne die Leistung des ganzen Teams wäre dies alles gar nicht zu schaffen gewesen." Richli gab einen Einblick in seine Karriere, die ihn von der Universität Bern nach St. Gallen, Basel und schliesslich nach Luzern geführt hatte und bedankte sich auch bei seiner Frau Therese für ihre Unterstützung bei dieser "Tour de Suisse". Er erzählte, dass es keinen eigentlichen Masterplan gegeben habe, dereinst Rektor zu werden und dass er immer auch sehr gerne in Forschung und Lehre tätig gewesen sei. So oder so habe es ihm "unendlich viel Spass" gemacht, die Universität Luzern zu leiten. Mit Blick in die Zukunft meinte Paul Richli: "Ich bin voll auf der Höhe und überhaupt nicht müde." 

Daran anschliessend wünschte Andrea Opel Paul Richli abschliessend alles Gute zum "Unruhestand" – dies mit Verweis auf ein Bonmot des Rektors, das für ihn und sein Lebenswerk bezeichnend sei: "Es gibt keine Arbeitszeit, es gibt nur Lebenszeit!"

Nach dem Ende des offiziellen Teils wurde im Lichthof des Uni/PH-Gebäudes zum Apéro geladen, wo Paul Richli und die an der Feier Beteiligten und Gäste den Anlass mit angeregten Gesprächen bei Speis und Trank ausklingen liess.

29. Juni 2016