Mit einem Festakt ist die neue Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Luzern offiziell eröffnet worden. Rund 300 geladene Gäste wohnten dem Anlass bei.

Die Eröffnung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (WF), die am Abend des 6. September im grössten Hörsaal der Universität stattfand, markiert das Ende eines langen Prozesses mit verschiedenen Hürden, die im Laufe der letzten Jahre zu nehmen waren: von der Debatte im Kantonsparlament über die Volksabstimmung vom 30. November 2014 bis zur erfolgreichen Einwerbung von Drittmitteln über vier Millionen Franken.

Prof. Dr. Bruno Staffelbach

In seiner Begrüssung gab Prof. Dr. Bruno Staffelbach der Freude Ausdruck, bereits an seinem 37. Arbeitstag als Rektor – "und damit noch klar in der Probezeit" – eine Fakultät eröffnen zu dürfen. Staffelbach, der als ordentlicher Professor für Betriebswirtschaftslehre an der WF in einem Teilpensum weiterhin wissenschaftlich tätig ist, verknüpfte vier historische Daten mit dem Profil der neuen Fakultät. Unter anderem wies er darauf hin, dass Luzern schon sehr früh, und zwar im 16. Jahrhundert mit der Gründung des Jesuitenkollegiums, ein Ort der Bildung und des Wissens war.

Der ehemalige Rektor Paul Richli, interviewt von Fakultätsmanager Rayk Sprecher
Prof. em. Dr. Paul Richli, Rayk Sprecher

Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Gründungsdekan der WF und ordentlicher Professor für Politische Ökonomie, dankte nach einigen einführenden Worten allen, die zur Realisierung der vierten Fakultät beigetragen haben. Eine Person, die einen grossen Anteil daran hatte, ist Prof. em. Dr. Paul Richli, der Ende Juli sein Amt als Rektor an Bruno Staffelbach übergeben hatte. Mit ihm zusammen blickte Rayk Sprecher, Fakultätsmanager der WF, zurück auf die Herausforderungen, welche der Aufbau der neuen Fakultät mit sich brachte. Diesen habe er sich gerne gestellt, "das bereitete mir nie schlaflose Nächte". Für ihn sei die Nähe von Rechts- und Wirtschaftswissenschaften schon immer gegeben gewesen – "allerdings wurde dies zunächst von mancher Seite als Tabu angesehen", so Richli. Als Rat für die Zukunft gab er der Universität im Allgemeinen und der WF im Besondern auf den Weg, den "Wettbewerb der Ideen" zu befördern, indem man punktuell bspw. als Lehrbeauftragte auch "Querköpfe" berücksichtigen solle, um wissenschaftliche Debatten zu befruchten.

Dekan Christoph Schaltegger, Rektor Bruno Staffelbach und Bildungsdirektor Reto Wyss durchschneiden das rote Band.
Christoph Schaltegger, Bruno Staffelbach, Reto Wyss

Jetzt oblag es Reto Wyss, als Bildungsdirektor und Universitätsratspräsident die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät offiziell zu eröffnen: Zusammen mit Rektor Bruno Staffelbach und Dekan Christoph Schaltegger durchtrennte er dazu symbolisch ein rotes Band. Schaltegger: "Wir sind eröffnet!"

Die Eröffnung, so Reto Wyss in seiner Rede, sei ein historischer Tag für den Bildungskanton Luzern und für die Geschichte der jungen, dynamischen Universität. Dass das Volk in einer Abstimmung Ja sage zur Schaffung einer zusätzlichen Fakultät, sei eine Weltpremiere und zeuge vom langfristigen Denken der Luzerner Bevölkerung.

Mit dem Studienangebot der Universität Luzern würden die Bedürfnisse der jungen Generation nach einer qualitativ guten Ausbildung und das Bedürfnis der Gesellschaft nach Fachleuten gleichermassen befriedigt. "Das gilt für alle vier Fakultäten, aber besonders für die neue", so Wyss. Mit dem Studienangebot der neuen Fakultät würde nicht einfach bestehendes kopiert, sondern neue Akzente gesetzt.  Der Bildungsdirektor sprach sich für Kooperationen der Hochschulen auf dem Platz Luzern aus und sieht darin eine grosse Chance.

Für die Verwirklichung der neuen Fakultät sei viel Überzeugungsarbeit nötig gewesen. Es sei nicht selbstverständlich, dass die Fakultät zuerst im Kantonsrat und dann an der Volksabstimmung eine klare Mehrheit gefunden habe. Dass die Luzerner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bereits zum vierten Mal innert 15 Jahren Ja sagten zu einer Vorlage zur Universität sei für diese Verpflichtung, Ehre und Bestätigung zugleich, dass sie möglichst stark im Volk verankert sein müsse.

Festredner Thomas J. Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank
Prof. Dr. Thomas Jordan

Christoph Schaltegger löste auf, was auf der Einladungskarte zum Anlass stark vergrössert und mit Unschärfe inszeniert zu abgebildet war: eine 50er-Note der neuen Serie. Dieses Sujet ermögliche eine perfekte Überleitung zum Festvortrag, so Schaltegger. Dieser wurde von Prof. Dr. Thomas J. Jordan gehalten, dem Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank.

In seiner Rede ging Jordan unter anderem darauf ein, weshalb ein starkes Bildungssystem auch für die Nationalbank ein wichtiges Anliegen darstelle. Jordan: "Ohne ein gutes Bildungswesen wäre unsere Wirtschaft nicht so innovativ, flexibel, diversifiziert und robust, wie sie es heute ist. Der Arbeitsmarkt würde viel schlechter funktionieren, und die Stabilitätskultur wäre in unserer Gesellschaft nicht fest eingebettet." An einer schweizerischen Universität lernen, lehren oder forschen zu dürfen, stelle ein Privileg dar, so der Honorarprofessor an der Universität Bern.

Man müsse sich bewusst sein, dass damit auch Erwartungen verbunden seien. Selbstredend könne man von der neuen Luzerner Fakultät nicht Lösungen für sämtliche wirtschaftspolitischen Probleme erhoffen. "Vielleicht aber kann die Universität Luzern dazu beitragen, ökonomische Rezepte für den politischen Alltag umsetzungstauglich zu machen." Schliesslich, so der Ökonom, beweise doch allein ihre Gründungsgeschichte, "dass auch unser System mit einer ausgebauten direkten Demokratie grosse Würfe erlaubt, wenn sich Zielstrebigkeit mit Ausdauer paart". Mit Blick konkret auf die Altersvorsorge und das Gesundheitswesen forderte Thomas Jordan die Studierenden, Lehrenden und Forschenden dazu auf, "durchdachten Lösungen zum Durchbruch zu verhelfen".

Die ehemalige Skirennfahrerin Dominique Gisin, interviews von Assistenprofessorin Karolin Fankenberger
Dominique Gisin

Mit der Abfahrts-Olympiasiegerin Dominique Gisin hatte sich eine prominente Fürsprecherin im Wahlkampf für die neue Fakultät eingesetzt. Luzern sei eine kleine, aber feine Fakultät, sagte die Physik-Studentin im Interview mit Ass.-Prof. Dr. Karolin Frankenberger, Assistenzprofessorin für Betriebswirtschaftslehre. Der persönliche Austausch, der in einem solchen Umfeld möglich sei, stelle einen grossen Mehrwert dar. Gerade in der Wirtschaft seien persönliche Kontakte wichtig. "Am Schluss steht und fällt es mit den Menschen."

Wie im Spitzensport gebe es in der Wirtschaft viele Hochs und Tiefs. Die Motivation sei unheimlich wichtig, es brauche Mut, viel Energie, Ausdauer und die Fähigkeit, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen. "Ich hoffe, dass die neue Fakultät die Studierenden gut darauf vorbereiten wird".

Der Gründungsdekan der neuen Fakultät, Christoph Schaltegger
prof. Dr. Christoph Schaltegger

Zum Abschluss skizzierte Gründungsdekan Christoph Schaltegger seine Vision und seinen Anspruch an die neue Fakultät, in der die Freiheit der Forschung dazu genutzt werden solle, kritisches Hinterfragen nicht nur zu predigen, sondern auch zu pflegen. Wichtig sei, eine gesunde Distanz zu nehmen, und wo geboten, auch zu widersprechen: "In diesem Sinne haben Sie heute eine Fakultät eröffnet, die mehr als ein blosser Ausbildungsbetrieb ist, nämlich ein Hort eigenständigen Denkens und verantwortungsvollen Handelns – eine Lebensschule." Mit den Worten, dass zum Leben nicht nur geistige Nahrung gehöre und Reden allein nicht satt mache, lud Schaltegger die Gäste schliesslich dazu ein, nebenan im Foyer auf die neue Fakultät anzustossen.

Die Slam-Poetin Lara Stoll  am Mikrofon
Lara Stoll

Zwischen den verschiedenen Programmteilen sorgte die preisgekrönte Slam-Poetin Lara Stoll für Unterhaltung. Mit Wortakrobatik und -witz sowie mit einem eigens auf die Fakultätseröffnung hin geschriebenen Lied setzte die 29-jährige Thurgauerin kreative, verspielt-subversive Kontrapunkte.

Start mit rund 200 Studierenden

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät startet mit sieben Professuren, vier ständigen Gastprofessoren und mit rund 200 Studierenden, davon knapp 100 Neustudierende, in das erste Semester im Herbst 2016. Die Studierendenzahlen sind provisorisch und stehen erst nach Ende der Immatrikulationsfrist Mitte Oktober fest.

Die neue Fakultät bietet vorerst einen Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaften an. In einem zweiten Schritt ist ein Master mit den Vertiefungsrichtungen Politische Ökonomie, Unternehmerische Führung sowie Integriertes Gesundheitsmanagement und Gesundheitsökonomie vorgesehen.

6. September 2016