Wie kann die Partizipation von Geflüchteten organisiert werden?

Geflüchtete sollen bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, mitreden können – doch wie funktioniert das konkret? Ein vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördertes Projekt unter der Leitung von Nadine Arnold erforscht, wie die weltweite Forderung nach Mitbestimmung in der Schweiz aufgegriffen und in die Praxis «übersetzt» wird.

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Geflüchtete sollten an Entscheidungsprozessen, die sie betreffen, beteiligt sein – eine Idee, die weltweit immer mehr Zustimmung findet. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Nadine Arnold, Professorin für Soziologie, untersucht, wie aus dieser Idee vor Ort neue Praktiken entstehen und sich Organisationen und Abläufe verändern.

Drei Themenschwerpunkte stehen dabei im Fokus: Erstens wird untersucht, wie sich das Verständnis von Partizipation verändert, etwa wenn Geflüchtete nicht mehr bloss angehört, sondern aktiv in Gremien eingebunden werden. Zweitens geht es um die Frage, wie Organisationen auf die Forderung nach mehr Mitgestaltung reagieren und welche neuen Organisationsformen dabei entstehen – beispielsweise Austauschplattformen oder Beiräte, in denen Geflüchtete mitentscheiden. Drittens untersucht das Projekt, wie die Anliegen von Geflüchteten innerhalb von Organisationen Gehör finden und als «Stimmen» anerkannt werden.

Das Projekt nutzt qualitative Methoden wie Interviews, Beobachtungen und Dokumentenanalysen. Zwei Organisationstypen in der Schweiz werden verglichen: Einerseits klassische Dienste für Geflüchtete, etwa Behörden und Hilfswerke, und andererseits Organisationen, die von Geflüchteten geführt und geleitet werden («refugee-led organizations»).

In dem Projekt fliessen Erkenntnisse aus Organisationssoziologie, Partizipations- und Migrationsforschung ein. Es zeigt, wie die Idee der Mitbestimmung umgesetzt wird, mit allen Herausforderungen, Verschiebungen und unbeabsichtigten Folgen. Dadurch trägt das Projekt dazu bei, Wege für effektive Beteiligung von Geflüchteten zu erkennen und Organisationen bei deren Umsetzung zu unterstützen.

  • Projektleitung:Prof. Dr. Nadine Arnold, Professorin für Soziologie
  • Titel des Projekts: «Translating Refugee Participation Locally: Implications for the Meaning of Participation, Organizational Forms, and Refugees’ Voice(s)», («Die Beteiligung von Geflüchteten auf lokaler Ebene: Folgen für die Bedeutung von Partizipation, Organisationsformen und die Stimme(n) von Geflüchteten»)
  • Projektbeteiligte Partner: Prof. Dr. Andreas Diedrich (University of Gothenburg), Prof. Dr. Marion Fresia (Université de Neuchâtel), JProf. Dr. Robert Jungmann (Universität Trier)
  • Projektmitarbeitende: Sarah Tews, MA (Universität Hamburg), Leila Vythelingum (Université de Neuchâtel)
  • Projektdauer: 48 Monate
  • Bewilligte Fördersumme: 530'000 Franken (gerundet)