Wem gehören Arztpraxen und Apotheken in der Schweiz?
Private-Equity-Investitionen spielen in der ambulanten Gesundheitsversorgung der Schweiz nach den verfügbaren Erkenntnissen bislang eine begrenzte Rolle. Das zeigt eine neue Studie der Universität Luzern im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG).
Private Equity bezeichnet Eigenkapitalbeteiligungen an Unternehmen, die nicht börsenkotiert sind. Das Kapital wird von Private-Equity-Gesellschaften und deren Investoren bereitgestellt, um Unternehmen weiterzuentwickeln, deren Wert zu steigern und die Beteiligung nach einigen Jahren durch einen Verkauf oder einen Börsengang mit Gewinn zu veräussern. Im Gesundheitswesen kann dies auch Arztpraxen, medizinische Zentren oder Apotheken betreffen. In der Fachliteratur werden als mögliche Chancen zum Beispiel gesteigerte Innovation oder Managementeffizienz, beispielsweise durch eine professionellere Administration genannt. Als mögliche Risiken gelten unter anderem Preissteigerungen, Leistungsausweitungen oder negative Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und die ärztliche Autonomie, wenn wirtschaftliche Vorgaben medizinische Entscheidungen beeinflussen.
Vor diesem Hintergrund haben Forschende der Universität Luzern, unterstützt von der Interface Politikstudien Forschung Beratung AG, erstmals eine umfassende Bestandesaufnahme der Eigentümerstrukturen von Arztpraxen und Apotheken in der Schweiz vorgenommen. Den für die Analyse verwendeten Daten von 2022 zufolge erfüllen lediglich vier Prozent der 14'722 Arztpraxen mit einem Jahresumsatz von mehr als 30'000 Franken grundlegende strukturelle Kriterien für Private Equity: Sie sind als Aktiengesellschaft oder GmbH organisiert und an mehreren Standorten tätig. Tatsächliche Private-Equity-Beteiligungen kommen allerdings noch deutlich seltener vor. Von den 1796 Apotheken, die in den verwendeten Daten erfasst sind, gehören rund 40 Prozent zu Ketten – Hinweise auf Private-Equity-Investitionen finden sich aber auch hier kaum. Da die verfügbaren Statistiken die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse nur beschränkt abbilden, lässt sich die Bedeutung von Private Equity allerdings nur annähernd bestimmen.
Insgesamt gelangt die Studie zum Schluss, dass im Bereich der ambulanten Grundversorgung derzeit kein unmittelbarer Regulierungsbedarf speziell hinsichtlich Private Equity besteht. Es wird jedoch empfohlen, die Eigentümerstrukturen künftig systematischer zu beobachten und den Blick insbesondere auf ausgewählte Facharztbereiche zu richten. Damit könnten Transparenz geschaffen und Entwicklungen frühzeitig erkannt werden.
Die Studie «Private Equity und die ambulante Gesundheitsversorgung in der Schweiz – eine Bestandesaufnahme» wurde von Prof. Dr. Andreas Balthasar als Projektleiter, Prof. Dr. Stefan Boes in der Qualitätssicherung sowie David Fischer und Dr. Tamara Bischof von Interface als Projektmitarbeitende erarbeitet. Andreas Balthasar ist Titularprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Luzern sowie Gründer und Senior Consultant bei Interface; Stefan Boes ist Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Luzern.
Newsmeldung und Zugriff auf die Studie (BAG-Website)
