Solidarität als gelebte Praxis: Stephanie Bayer beim III Congreso de Teólogas in Argentinien

Vom 8. bis 10. Oktober 2026 nahm Stephanie Bayer am «III Congreso de Teólogas» an der Universidad Católica de Córdoba in Argentinien teil. Der dritte Kongress lateinamerikanischer und deutschsprachiger Theologinnen stand unter dem Thema «Würde und Gleichberechtigung. Gerechtigkeit für Frauen als Herausforderung in der Kirche und in der Gesellschaft». Veranstaltet wurde er in Kooperation der AGENDA (Forum katholischer Theologinnen e.V.) und der Teologanda.

Teilnehmende bei der Eröffnungsfeier

Stephanie Bayer präsentierte dort im Rahmen von Austauschrunden ihren Beitrag «Practices of Care and Solidarity as a Form of Resistance: Pastoral Acting in the Horizon of Shared Vulnerability». Der englischsprachige Vortrag wird in Kürze publiziert. Eine ausführlichere deutschsprachige Darstellung des Themas findet sich zudem in der neuen Ausgabe der Theologischen Berichte.

Gewalt gegen Frauen* als Zeichen der Zeit

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Gewalt gegen Frauen* ein strukturelles Problem und ein Zeichen der Zeit ist, dem sich eine Pastoral stellen muss. Mit der Philosophin Jule Govrin versteht der Beitrag Solidarität nicht als blosser Appell, sondern als Praxis, die in der gemeinsamen Verwundbarkeit aller Menschen gründet und sich gegen strukturelle Ungleichheit richtet. Zugleich fragt er nach der eigenen Verstrickung der Kirche in Machtverhältnisse und skizziert eine widerständige und solidarische Pastoral. Diese gibt ungehörtem Leben eine Stimme, durchbricht eigene Strukturen des Schweigens und versteht sich als Teil eines gemeinsamen Lernprozesses.

Lehren aus Lateinamerika: Ni Una Menos

Als Beispiel dient die feministische Bewegung Ni Una Menos, die 2015 in Buenos Aires entstand. Sie macht unbezahlte Care-Arbeit sichtbar, organisiert sie solidarisch, etwa in gemeinschaftlichen Küchen, und verbindet den Protest gegen Femizide mit der Kritik an neoliberaler Sparpolitik. Solidarität zeigt sich hier als gelebte Praxis, die Beziehungen und die Beteiligten selbst verändert.

Ein passendes Zusammentreffen: 39. Encuentro Plurinacional

Zufälligerweise fand zeitgleich in Córdoba eine thematisch passende Veranstaltung statt: das «39. Encuentro Plurinacional de Mujeres, Lesbianas, Travestis, Trans, Bisexuales, Intersexuales y No Binaries». Auch Ni Una Menos war dort stark vertreten. Für Stephanie Bayer war es beeindruckend und spannend, live zu erleben, wovon in ihrem Beitrag die Rede ist. Was in der Theorie als solidarische Praxis beschrieben wird, wurde auf den Strassen und Plätzen von Córdoba sichtbar und spürbar.

Vernetzung am Kongress

Über den eigenen Beitrag hinaus bot der Kongress mit der Zusammenführung etablierter Forscher*innen in einem interdisziplinären Rahmen günstige Voraussetzungen für nachhaltige Vernetzungsprozesse sowie für die Weiterentwicklung gemeinsamer Forschungsinteressen. Besonders erfreulich war, dass eine Gruppe von zehn Personen aus dem deutschsprachigen Netzwerk JungeAGENDA vertreten war.
Aus Córdoba nimmt Stephanie Bayer viele Impulse, neue Kontakte und Anknüpfungspunkte für ihre weitere Arbeit mit.