Projekt ROAL: Open Access in den Rechtswissenschaften
Ein Projekt unter Leitung der Universität Luzern und in Kooperation mit der Universität Zürich hat erstmals schweizweit Open-Access-Praktiken in der rechtswissenschaftlichen Forschung untersucht. Die Ergebnisse verdeutlichen die besonderen Herausforderungen in diesem Fachbereich und leiten Massnahmen für die folgende Projektphase ab.
Wie und wo publizieren Forschende der Rechtswissenschaften an Schweizer Hochschulen? Welche Rolle spielt dabei Open Access (siehe Box unten)? Und wie beurteilen Forschende, Vertreterinnen und Vertreter aus Verlagen und der juristischen Praxis Open Access – wo sehen sie Chancen, wo Herausforderungen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das von swissuniversities mitfinanzierte Projekt ROAL – Report on Open Access in Law. Am 23. September wurden die Ergebnisse im Rahmen einer Veranstaltung im Terrassensaal des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL) präsentiert und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und dem Verlagswesen diskutiert.
Die einjährige Studie war schweizweit breit abgestützt: Unter der Leitung der Universität Luzern und in Kooperation mit der Universität Zürich beteiligten sich alle Schweizer Universitäten mit einer juristischen Fakultät am Projekt.
Rund ein Drittel der Buchublikationen frei zugänglich
Die Ergebnisse zeigen, dass Open Access inzwischen zu einem festen Bestandteil der rechtswissenschaftlichen Publikationslandschaft geworden ist. Rund ein Drittel der juristischen Buchpublikationen an Schweizer Hochschulen ist frei zugänglich. Allerdings unterscheidet sich der Open-Access-Anteil deutlich zwischen den verschiedenen Publikationstypen und ist insbesondere bei Dissertationen vergleichsweise hoch. Alle grösseren Schweizer Rechtsverlage bieten mittlerweile Open-Access-Optionen an, und unter den Verlagen mit besonders vielen rechtswissenschaftlichen Publikationen finden sich auch zwei reine Open-Access-Verlage.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die Umsetzung von Open Access in den Rechtswissenschaften komplexer ist als in anderen Fachbereichen: Bücher, Kommentare und Sammelbände sind in den Rechtswissenschaften weiterhin von zentraler Bedeutung, und die Publikationslandschaft ist stark von Schweizer Fachverlagen geprägt. Hinzu kommt die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und juristischer Praxis: Rechtswissenschaftliche Literatur wird nicht nur an Hochschulen genutzt, sondern ebenso von Gerichten, Anwaltskanzleien und öffentlichen Verwaltungen. Der private Sektor spielt in den Rechtswissenschaften eine wichtige Rolle – sowohl bei der Entstehung als auch bei der Nutzung von Publikationen.
Grundsätzliche Zustimmung – offene Fragen bei der Umsetzung
Die Interviews mit Forschenden sowie Vertreterinnen und Vertretern des Verlagswesens und der juristischen Praxis zeigen, dass Open Access in den Rechtswissenschaften grundsätzlich auf Zustimmung stösst. Wiederholt wurde betont, dass öffentlich finanzierte Forschung auch frei zugänglich sein sollte. Gerade im Recht sei der Zugang zu Wissen von besonderer Bedeutung, da das Recht alle betreffe.
Bei der konkreten Umsetzung bestehen jedoch unterschiedliche Perspektiven und weiterhin grosser Diskussionsbedarf. Was bedeutet beispielsweise «öffentlich finanzierte Forschung» in einem Fach, das eng mit der privatwirtschaftlichen juristischen Praxis verbunden ist? Welche rechtswissenschaftlichen Inhalte sollen überhaupt frei zugänglich sein? Wie lassen sich Publikationsfreiheit und Open Access Ziele miteinander vereinbaren? Wie können aufwändig hergestellte Publikationen nachhaltig finanziert werden? Und wie lässt sich sicherstellen, dass frei zugängliche rechtswissenschaftliche Inhalte nicht nur verfügbar, sondern über die wichtigen juristischen Plattformen auch auffindbar sind? Nicht zuletzt kommt mit der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz eine weitere Komponente mit möglicherweise weitreichenden Auswirkungen auf die rechtswissenschaftliche Publikationslandschaft hinzu.
Vom Bericht zur Umsetzung
Mit der Veröffentlichung des Berichts ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. ROAL wurde bis Ende Januar 2027 verlängert. In dieser zweiten Projektphase sollen erste aus den Ergebnissen abgeleitete Massnahmen umgesetzt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Bereitstellung zielgruppengerechter Informationen zu Open Access – unter anderem für Nachwuchsforschende, Studierende sowie Mitarbeitende von Gerichten.
Der vollständige ROAL-Bericht ist auf Zenodo frei zugänglich:
Amanda Arnold, Silke Bellanger, Barbara Berchtold et. al.
Report on Open Access in Law (ROAL)
Universität Luzern, Universität Zürich, 2026
Open-Access-Aufruf
Mehr Informationen zum Projekt ROAL
Open Science und Open Access
Unter Open Science versteht man möglichst offene und transparente Prozesse in der Wissenschaft. Dazu gehört unter anderem der freie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access). Nicht nur Angehörige von Hochschulen weltweit, sondern auch Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft können dank Open Access wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen.
Impressionen



