Preise für zwei Maturaarbeiten mit Religions- und Ethikbezug

Die Theologische Fakultät und das Religionswissenschaftliche Seminar der Universität Luzern zeichnen exzellente Arbeiten zweier Maturandinnen mit dem Luzerner Religionspreis 2026 aus.

Die Maturaarbeiten von Helena Schillinger (Kantonsschule Sursee) und Sarah Epelbaum (Kantonsschule Musegg Luzern) überzeugten die interdisziplinäre vierköpfige Jury unter den 12 eingereichten Arbeiten am meisten. Der jeweils mit 500 Franken dotierte Preis wird den Preisträgerinnen bei ihren Maturafeiern überreicht.

Sexarbeiterinnen zwischen Selbstbestimmung und Zwängen in feministischer Analyse

Helena Schillinger (Bild: zVg)

Helena Schillingers Arbeit trägt den Titel: «Zwischen Selbstbestimmung und Stigma: Eine ethische Analyse der legalen Bordellprostitution aus Sicht zweier feministischer Standpunkte anhand exemplarischer Fallbeispiele aus Luzern». Der Theorierahmen skizziert sehr profund die rechtlichen Regelungen der Schweiz und im Kanton Luzern, klärt Begriffe und differenziert zwei Standpunkte: den radikalen und den liberalen Feminismus. In drei qualitativen Leitfadeninterviews kommen weibliche Prostituierte (im Alter zwischen 22 und 33 Jahren) zu Wort, deren individuelle Erfahrungen und Deutungsmuster inhaltsanalytisch und kategorienbasiert ausgewertet werden. Die grosse Stärke der Studie liegt in der Verbindung explorativer empirischer Daten aus dem tabuisierten Feld der Bordellprostitution mit dem aktuellen feministischen Diskurs. So stellt die Verfasserin die Sexarbeiterinnen mit ihren biografischen Hintergründen, Motiven und ihrem Arbeitsalltag ins Zentrum. Dies führt zu einmaligen aufschlussreichen Ergebnissen, die unter anderem zeigen, dass der Entscheid, in die Prostitution einzusteigen, in den wenigsten Fällen vollständig selbstbestimmt erfolgt, sondern ökonomischen, sozialen und sprachlichen Einschränkungen unterliegt. Herausragend ist die Gründlichkeit, mit der die Maturandin die erhobenen Befunde auf ihre fundierte und breite Literaturbasis rückbezieht und so zu neuen Erkenntnissen gelangt. 

Formen der Judenfeindlichkeit gegenüber jüdischen Jugendlichen in der Schweiz

Sarah Epelbaum (Bild: zVg)

Sarah Epelbaums Maturaarbeit trägt den Titel: «Antisemitismus im Leben orthodoxer und non-orthodoxer jüdischer Jugendlicher». Hierzu befragte sie auf der Basis einer quantitativen Umfrage 98 jüdische Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren aus der Schweiz, welche Formen von Antisemitismus sie erleben und wie sie damit umgehen. Darüber hinaus wurden vier jüdische (zwei orthodoxe, zwei non-orthodoxe) Jugendliche interviewt. Dieses hochaktuelle und gesellschaftsrelevante Thema wurde von der Verfasserin hervorragend mittels empirischer Triangulation und hypothesengeleitet bearbeitet. Die Ergebnisse sind alarmierend: Antisemitismus gegenüber Jüdinnen und Juden in Luzern und im weiteren Umfeld hat seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 stark zugenommen. Während orthodoxe Jugendliche häufiger direkte Angriffe, Beleidigungen und physische Gewalt erleben, erfahren non-orthodoxe Heranwachsende öfter verbale Verletzungen, antisemitische Witze und Ausgrenzung in sozialen Medien sowie in Bildungseinrichtungen. Ausblickend wird deutlich, dass das Thema insbesondere in Schulen verstärkt behandelt werden sollte, um Vorurteile frühzeitig unter anderem durch direkte Begegnung zwischen Personen verschiedener Weltsichten abzubauen. Nicht zuletzt zeugt der grosse Materialumfang von der akribischen Arbeitsweise der Preisträgerin.

Luzerner Religionspreis

Mit dem Luzerner Religionspreis würdigen die Theologische Fakultät sowie das Religionswissenschaftliche Seminar der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit dem Themenspektrum Religionen und Ethik, indem sie herausragende Maturaarbeiten hierzu auszeichnen. Der Preis wird von der Universitätsstiftung Luzern entrichtet. Zugelassen sind Arbeiten aus allen Fächern und aus der gesamten deutschsprachigen Schweiz.

Mehr Informationen und Auskunft

www.unilu.ch/religionspreis

Prof. Dr. theol. Christian Höger, Professor für Religionspädagogik und Katechetik, Präsident der Jury christian.hoeger@unilu.ch