Language and Reason in Islamic Thought

Die neu erschienene Monografie von Dr. Mostafa Najafi rekonstruiert die Sprachtheorie von Fakhr al-Dīn al-Rāzī (1149–1210) und erschliesst damit einen zentralen, bislang wenig beachteten Zugang zur Ideengeschichte der islamischen Welt: das Verhältnis von Sprache, Erkenntnis und Offenbarung.

Al-Rāzī wird in der Forschung häufig vor allem im Kontext der avicenischen Tradition gelesen. Im neu erschienenen Buch zeigt Mostafa Najafi dagegen, wie al-Rāzī als eigenständiger und innovativer Denker ein sprachphilosophisches Rahmenwerk entwickelt, das etablierte Deutungsmuster korrigiert. 

Im Zentrum stehen zwei Punkte, die in der Forschung oft missverstanden wurden: Erstens die These, dass Konzepte nicht erworben werden, sondern in einem grundlegenden Sinn selbstevident sind; eine Position, die in Spannung zur klassischen Erkenntnistheorie von Abū Naṣr al-Fārābī und Ibn Sīnā steht. Zweitens die Weiterentwicklung der Theorie sprachlicher Komposition (naẓm) im Anschluss an ʿAbd al-Qāhir al-Ğurğānī, mit besonderem Fokus auf Ausdruckskraft (bayān) und die spezifische sprachliche Struktur des Korans.

So wird sichtbar, wie al-Rāzī Ansätze der von der griechischen Philosophie inspirierten Falsafa-Tradition mit der Denkströmung der arabischen Sprachwissenschaften verbindet und damit eine philosophisch präzise Theorie sprachlicher Phänomene formuliert. Die Studie eröffnet neue Perspektiven auf al-Rāzīs Werk und auf die Rolle von Sprachtheorie in der Ideengeschichte der islamischen Welt.

Mostafa Najafi
Language and Reason in Islamic Thought
De Gruyter, Berlin, 2026
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Die Open-Access-Veröffentlichung dieses Buches wurde mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds ermöglicht.