Krebs: Wie Eltern mit dem Verlust eines Kindes umgehen

Das Forschungsprojekt «Trauerbegleitung für Eltern nach dem Tod ihres Kindes an Krebs» ist abgeschlossen. Die Studie liefert Erkenntnisse darüber, wie Eltern und Familien den Verlust ihres Kindes verarbeiten und welche Unterstützung sie benötigen.

(Symbolbild;©istock.com/Sonja Rachbauer)

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Gisela Michel, Professorin für Gesundheits- und Sozialverhalten, untersuchte verschiedene Aspekte der elterlichen Trauer. Dazu gehören Bewältigungsstrategien von Familien, Engpässe in der pädiatrischen Palliativversorgung sowie die Bedürfnisse trauernder Eltern nach dem Tod ihres Kindes. Die nun fertiggestellte Studie zeigt, dass Trauer ein individueller, langfristiger und vielschichtiger Prozess ist. 

Resilienz und die Bedeutung sozialer Sicherheit

Ein Schwerpunkt der Forschung lag darauf, wie Eltern langfristig mit ihrer Trauer umgehen. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Eltern, deren Kind an Krebs verstorben ist, eine hohe Resilienz entwickeln. Diese wirkt schützend gegenüber schweren psychischen Belastungen und verringert das Risiko einer anhaltenden Trauerstörung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass finanzielle Schwierigkeiten die Resilienz erheblich beeinträchtigen und mit einer höheren emotionalen Belastung verbunden sind. Die Studie unterstreicht damit die zentrale Bedeutung sozialer und finanzieller Sicherheit für die psychische Gesundheit trauernder Eltern.

Ein weiterer Teil der Studie widmete sich der weit verbreiteten Annahme, dass Trauer mit der Zeit leichter wird. Entgegen dieser Vorstellung zeigte sich, dass sich die psychische Belastung vieler Eltern auch Jahre oder sogar Jahrzehnte nach dem Verlust kaum verändert. Während einige Eltern unabhängig vom zeitlichen Abstand gut mit ihrer Trauer umgehen konnten, litten andere auch nach mehr als zehn Jahren unter emotionalen Belastungen. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass Zeit allein den Schmerz nicht lindert und dass trauernde Eltern auch langfristig Zugang zu Unterstützungsangeboten benötigen.

Zwischen Schmerz und Wachstum

Neben den belastenden Aspekten der Trauer untersuchte das Projekt auch mögliche positive Veränderungen nach dem Verlust eines Kindes, das sogenannte posttraumatische Wachstum. Viele Eltern berichteten von einer stärkeren Wertschätzung des Lebens, von persönlicher Stärke, vertieften Beziehungen und neuen Perspektiven. Besonders ausgeprägt war dieses Wachstum bei Eltern, deren Verlust weniger als zehn Jahre zurücklag, sowie bei Eltern mit religiöser Zugehörigkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass Trauer neben Schmerz auch Entwicklung, Sinnfindung und Veränderung beinhalten kann.

Darüber hinaus befasste sich das Forschungsprojekt mit dem anhaltenden Schmerz trauernder Eltern, der Rolle unerklärlicher Erfahrungen im Trauerprozess sowie mit der Bedeutung von Kälteeinrichtungen in Krankenhäusern, die Eltern ermöglichen, mehr Zeit mit ihrem verstorbenen Kind zu verbringen und den Abschied bewusster zu gestalten.

Forschung läuft weiter

Mit dem Abschluss der Studie, welche von August 2020 bis Juli 2024 von der Krebsforschung Schweiz und der Krebsliga Zentralschweiz finanziert wurde, liegt nun ein umfassendes Bild der Trauer von Eltern nach dem Tod eines Kindes an Krebs vor. Die Daten werden weiterhin ausgewertet und fortlaufend publiziert. Die Ergebnisse bauen aufeinander auf und verdeutlichen, dass Trauerbegleitung langfristig, individuell und strukturell gut verankert sein muss. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Unterstützung für trauernde Eltern und Familien.

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