Judaistik: zwei Habilitationsschriften erschienen

Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens, inzwischen Honorarprofessor an der Universität Trier, und Dr. Richard Blättel, Gymnasiallehrer in Baldegg, beide ehemalige Mitarbeiter am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF), haben sich letztes Jahr an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät habilitiert. Nun sind ihre Habilitationsschriften erschienen.

Eine jüdische Theologie des Christentums?

Rabbinische Perspektiven auf Christen und Christentum

Jehoschua Ahrens gibt eine Einführung und einen Einblick in Geschichte, Entwicklung und Gegenwart der rabbinischen Sicht auf Christen und das Christentum. Er bespricht Werke von Moses Maimonides und Jehuda ha-Levi aus dem Mittelalter, von den neuzeitlichen Rabbinern Jacob Emden, Samson Raphael Hirsch, Naftali Zvi Berlin und Moses Rivkis, sowie von den zeitgenössischen Rabbinern Joseph B. Soloveitchik und Shear Yashuv Cohen. In den theologischen Debatten der verschiedenen Jahrhunderte, wofür sie stehen, geht es gemäss Ahrens gerade nicht, wie so oft und vor allem im deutschsprachigen Raum, um philosophische oder akademische Positionen, so wichtig sie zweifelsohne sind, sondern um das Wesentliche und Prägende im (religiösen) Judentum – die rabbinischen Diskurse. 

Jehoschua Ahrens
Eine jüdische Theologie des Christentums? Rabbinische Perspektiven auf Christen und Christentum
Verlag Herder, 2026
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Erlesene Wahrheiten

Salomon Maimons Proben jüdischer Philosophie

Richard Blättel legt eine Monographie zu Salomon ben Josua vor, der seinen Nachnamen seinem Vorbild, Moses Maimonides, dem herausragenden Philosophen und Bibelexegeten des Mittelalters, anglich. In ihm sah Salomon Maimon (1753-1800) das Vorbild des Aufklärers, um sich vom Gängelband rabbinischer Autorität zu befreien. Mit der Überwindung der eigenen Herkunft ging gleichzeitig seine Selbstbehauptung als jüdischer Intellektueller einher. So zeichnet Blättel seine Biographie und vagabundierende Existenzform wie auch sein philosophisches Schaffen nach, das nicht in übliche Kategorien einzuordnen ist. Mit hermeneutischen Methoden aus der jüdischen Tradition liest Salomon Maimon Kant und schreibt sich in sein System ein. Blättel stellt dar, wie das Muster dieses Einschreibeverfahrens den Weg zwischen Neukantianismus und dem deutschen Idealismus ebnet. Darüber hinaus wird das Systemdenken revolutioniert, was Salomon Maimon zur bedeutenden Referenzfigur moderner jüdischer Philosophie macht.

Richard Blättel
Erlesene Wahrheiten. Salomon Maimons Proben jüdischer Philosophie
Passagen Verlag, Wien 2026
Mehr Infos (Verlagswebsite)