Herausforderungen im christlich-jüdischen Dialog nach dem 7. Oktober 2023

Der jüdisch-christliche Dialog hat seit 1945, abgesehen von einigen gelegentlichen Spannungen, insgesamt eine erfolgreiche Entwicklung genommen. Mit den Ereignissen am 7. Oktober 2023 sieht sich dieser Dialog jedoch einer bislang unbekannten Belastungsprobe gegenübergestellt.

Im Rahmen eines Workshops an der Universität Wien, organisiert von der Katholisch-Theologischen Fakultät, dem Forschungszentrum „Religion and Transformation“ sowie dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Österreich, hat Dr. Martin Steiner  vom interfakultären Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen im christlich-jüdischen Dialog beleuchtet.

Eine Einordnung individueller Erfahrungen aus dem interreligiösen Dialog bildete den Einstieg in den Workshop. Darauf folgte eine Darstellung der gesellschaftlichen und theologischen Haltung gegenüber dem Judentum vor und nach 1945. Dabei wurde hervorgehoben, wie aus der „Vergegnung“ (M. Buber) eine Begegnung entstand und wie einzelne Irritationen die Gesamtentwicklung des jüdisch-christlichen Dialogs nicht schmälerten. Besonderes Augenmerk galt den Ereignissen direkt am und nach dem 7. Oktober 2023. In seinem Vortrag gab Dr. Steiner einen Rückblick auf die unmittelbaren Reaktionen und Analysen. Zum Abschluss skizzierte er spezifische Entwicklungen in den deutschsprachigen Ländern, den USA und Israel, die für den interreligiösen Dialog von Bedeutung sind.

Dr. Martin Steiner ist wissenschaftlicher Oberassistent, Lehrbeauftragter sowie Fachstudien- und Mobilitätsberater für Judaistik am interfakultären Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) der Universität Luzern. Seit 2024 ist er Mitglied der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission der Schweizer Bischofskonferenz und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. An der Universität Luzern forscht er im Schnittstellenbereich von Judentum und Christentum sowie der dazugehörigen Verfolgungs- und Begegnungsgeschichte, messianische Figuren und Bewegungen, Konversions- und Identitätsgeschichte, Judentum und Zionismus in Literatur/Kunst/Film sowie Israel Studies. Im Kontext der (theologischen) Antisemitismusforschung untersuchte er die Seelisberg-Konferenz (1947) und zeigt die verkannte Bedeutung der jüdischen Jesusfroschung für die christliche Theologie auf. Davon handelt auch seine jüngste Publikation: Martin Steiner, Jesus Christus und sein Judesein. Antijudaismus, Jesusforschung und eine dialogische Christologie. Reihe Judentum und Christentum, Band 13. Stuttgart: Kohlhammer 2025. Mehr Infos zum Buch: hier