Förderprogramm unterstützt Forschung während klinischer Tätigkeit

Das Young Clinician Scientist Program unterstützt Ärztinnen und Ärzte am Anfang ihrer Karriere dabei, neben ihrer klinischen Tätigkeit auch in der Forschung zu arbeiten. Yannic Lecoultre hat an dem Programm teilgenommen und berichtet von seinen Erfahrungen.

Dr. med. Yannic Lecoultre vor dem Gebäude der Universität Luzern

Dr. med. Yannic Lecoultre ist Assistenzarzt für Orthopädie und Traumatologie am Luzerner Kantonsspital und Doktorand in Gesundheits­wissenschaften an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin. Er promovierte 2024 in Medizin an der Universität Luzern und gehört zur ersten Kohorte des «Young Clinician Scientist Program» (s. unten), das er 2026 abgeschlossen hat.
 

Yannic Lecoultre, weshalb haben Sie sich entschieden, neben Ihrer klinischen Tätigkeit auch zu forschen?

Yannic Lecoultre: Ich war schon immer eine neugierige Person, die gerne diskutiert, Dinge hinterfragt und so Neues herausfindet. Als Arzt ist es mir wichtig, die wissenschaftlichen Grundlagen der Medizin nicht nur anzuwenden, sondern auch zu verstehen und weiterzuentwickeln. 

Was hat Sie dazu motiviert, sich beim Young Clinician Scientist Program zu bewerben?

Ich sehe Forschung als wichtigen Bestandteil meines Berufs, da ein grosser Teil der klinischen Arbeit auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Allerdings ist es nicht immer einfach, neben dem klinischen Alltag noch Zeit und Energie für Forschung zu finden. Das Programm und die damit verbundene geschützte Forschungszeit bieten Raum, um sich über einen längeren Zeitraum gezielt auf ein Projekt zu konzentrieren und Fragestellungen vertieft zu bearbeiten. 

Das Programm kombiniert Mentoring, Laufbahnplanung und geschützte Forschungszeit. Wovon haben Sie am meisten profitiert?

Die Möglichkeit zum Austausch mit den Betreuungspersonen und anderen Forschenden an der Uni habe ich sehr geschätzt. Auch vom Kursangebot der Uni Luzern und deren Partnerinstitutionen, insbesondere vom Transferable Skills Kursprogramm, habe ich viel profitiert. So konnte ich mir überfachliche Kompetenzen aneignen, die für meine persönliche Entwicklung und Karriere sehr wichtig sind.

Woran haben Sie während des Programms konkret geforscht?

Ich bin Assistenzarzt in der Orthopädie und Traumatologie am Luzerner Kantonsspital. Nach Operationen – beispielsweise bei Schlüsselbeinbrüchen – können Beschwerden durch eingesetzte Implantate auftreten. In solchen Fällen ist häufig ein zweiter Eingriff notwendig, was für Patientinnen und Patienten belastend ist und zusätzliche Risiken mit sich bringt. Diese Beobachtung hat uns dazu motiviert, nach Alternativen zu suchen.

Im Zentrum unserer Forschung stand die Frage, wie sich diese Folgeeingriffe reduzieren lassen. Dazu haben wir mehrere Studien zu Verletzungen im Bereich des Schultergürtels durchgeführt und die Ergebnisse beim Einsatz von Einzelplatten und Doppelplatten verglichen.

Wie profitieren Ihre klinische und Ihre wissenschaftliche Tätigkeit voneinander?

Die Wissenschaft hilft mir, klinische Prozesse zu reflektieren und evidenzbasiert, d.h. auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt, weiterzuentwickeln. Gleichzeitig liefert der Spitalalltag wichtige Impulse für meine Forschungsfragen – beispielsweise wo Entwicklungspotenzial besteht und ob neue Ansätze im Alltag umsetzbar sind.

Neben dem Clinician Scientist Program haben Sie auch Ihre Promotion zum «Dr. med.» an der Universität Luzern abgeschlossen. Was hat Sie dazu bewogen, sich für die Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin zu entscheiden?

Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Luzerner Kantonsspital, meinem Arbeitgeber, und der Universität Luzern sowie die kurzen Wege – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – schaffen sehr gute Rahmenbedingungen für Forschung und Austausch. Auch die positiven Erfahrungen und bestehenden Kooperationen aus meiner vorherigen wissenschaftlichen Tätigkeit haben dazu beigetragen.

Zurzeit absolvieren Sie Ihr Doktorat in Gesundheitswissenschaften – ebenfalls an unserer Fakultät. Welche Motivation steckt hinter diesem Schritt?

Nach den ersten Projekten hat mein Interesse an der Forschung weiter zugenommen. Für das PhD-Programm hat mich insbesondere die Möglichkeit, methodische Kompetenzen weiter auszubauen und gleichzeitig an konkreten klinischen Fragestellungen zu arbeiten, motiviert.

Welche Besonderheiten sehen Sie in der Versorgungsregion Zentralschweiz – auch im Hinblick auf Forschung und klinische Versorgung?

Die Vernetzung verschiedener Spitäler der Region ermöglicht nicht nur eine hohe Versorgungsqualität, sondern schafft auch ideale Voraussetzungen für die Forschung: So können wir Unterschiede in Behandlungsansätzen und deren Ergebnisse zwischen den Standorten vergleichen und daraus lernen. Solche praxisnahen Analysen unter realen Versorgungsbedingungen sind besonders wertvoll.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Aktuell laufen zwei Studien zur Behandlung von Schlüsselbeinfrakturen weiter, bei denen Patientinnen und Patienten über einen längeren Zeitraum begleitet werden. Zudem unterstütze ich jüngere Kolleginnen und Kollegen bei ihren Projekten. Daneben liegt mein Fokus vor allem auf der klinischen Tätigkeit und der Facharztvorbereitung, aber ich freue mich darauf, künftig weitere Projekte anzugehen.

Was treibt Sie in Ihrer Tätigkeit als Arzt und Forscher an? 

Mich motiviert der Anspruch, die Effizienz im Gesundheitssystem weiter zu verbessern und gleichzeitig eine hohe Behandlungsqualität sowie Patientenzufriedenheit sicherzustellen. Dazu möchte ich mit meiner Arbeit einen Beitrag leisten.

Welchen Rat würden Sie jungen Ärztinnen und Ärzten geben, die ebenfalls eine klinische und wissenschaftliche Laufbahn verbinden möchten?

Sucht euch ein gutes Umfeld mit erfahrenen Leuten, die euch unterstützen und fordern. Beginnt mit überschaubaren Projekten und geht diese Schritt für Schritt an. 

Förderung von klinisch tätigen Nachwuchsforschenden

Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin fördert gezielt klinisch tätige Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler durch strukturierte Programme. Ziel des Clinician Scientist Program ist es, Forschenden Freiraum für wissenschaftliche Weiterentwicklung auf hohem Niveau zu ermöglichen.

Das Young Clinician Scientist Program richtet sich an überdurch­schnittlich begabte Medizinerinnen und Mediziner und gibt Personen am Anfang ihrer Karriere die Möglichkeit, während der klinischen Tätigkeit wissenschaftlich zu arbeiten.
Das Advanced Clinician Scientist Program baut darauf auf. Es richtet sich an bereits etablierte klinische Forschende nach ihrer Facharztausbildung resp. an klinisch tätige Fachkräfte mit einem entsprechenden abgeschlossenen Weiterbildungstitel.

Weitere Informationen zur Nachwuchsförderung an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin