Wie lebt ein indigenes Volk im 21. Jahrhundert? Welchen Problemen und Herausforderungen sehen sich die Menschen gegenüber? Was macht eine Ethnologin? Antworten auf solche Fragen erhalten Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis 15 Jahren in Workshops im Rahmen des Projekts "Sozialwissenschaften im Klassenzimmer".

Ein Bunong-Junge aus Kambodscha hilft seiner Familie bei der Ernte

Die Workshops sind von der Ethnologin Esther Leemann in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen entwickelt und erfolgreich eingeführt worden. Dabei wird den Kindern die Arbeitsweise von Ethnologen und die Bedeutung sozialanthropologischer Untersuchungsergebnisse nähergebracht. Die Kinder sollen zudem verbreitete Klischees über indigene Völker und Menschen der sogenannten "Dritten Welt" hinterfragen.

Zur Veranschaulichung dient ein im vergangenen Jahr abgeschlossenes Forschungsprojekt der Universität Luzern über die Bunong. Die Bunong sind ein indigenes Volk im Grenzgebiet der beiden Länder Kambodscha und Vietnam mit eigener Sprache, Kultur und einem starken Bezug zu ihrem angestammten Land. Seit rund fünf Jahren verdrängen Kautschukplantagen die Bunong von ihrem Land.

Ein einzelner Workshop dauert rund einen halben Tag. Esther Leemann lässt dabei die Schulkinder an der Lebenswelt von Bunong-Kindern teilhaben. Die Schulkinder erhalten dadurch Identifikationsfiguren, mit denen sie in den fremden Lebensalltag eintauchen können. Es kommen ganz unterschiedliche Medien zum Einsatz: Fotografien, Videos, Texte und Musik.

Die Workshops stossen bei Kindern und Lehrpersonen auf sehr gute Resonanz. Sie sind für Schulen kostenlos. Die Kosten werden vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung getragen im Rahmen eines Projekts getragen, das noch bis Ende März 2016 läuft.

Weitere Informationen:
Dossier "Sozialwissenschaften im Klassenzimmer"
Dr. Esther Leemann, +41 76 322 06 00, esther.leemannremove-this.@remove-this.unilu.ch

 

3. November 2015