Was macht die Digitalisierung mit den Menschen und mit der Gesellschaft? Im Rahmen eines gross angelegten Nationalfonds-Projekts sollen darauf Antworten gefunden werden – unter anderem mit Forschung an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern.

Im von Prof. Dr. Reto Hofstetter geleiteten Projekt werden die psychologischen Mechanismen beim Teilen von Inhalten auf sozialen Netzwerken untersucht.

Die Digitalisierung hat unsere Kommunikation und unser Zusammenleben verändert – insbesondere wie wir andere Menschen wahrnehmen und mit ihnen interagieren. So sind das Teilen und Empfangen persönlicher Informationen auf sozialen Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter für viele Menschen ein fester Bestandteil des Alltags geworden.

Dynamiken des Teilens

Hier setzt das von Prof. Dr. Reto Hofstetter, ordentlicher Professor für Marketing, geleitete Forschungsprojekt "Understanding the Dynamics of Sharing Personal Information Online" an. Im Rahmen der auf 18 Monate angelegten Studie stehen die psychologischen Mechanismen des Teilens (Sharing) von persönlichen Informationen im Internet im Fokus. Dabei werden beide Seiten der Onlinekommunikation beleuchtet, also diejenige des "Sharers", der Informationen auf sozialen Netzwerken teilt, und die Seite des "Observers", also Empfängers dieser Informationen. Beim Sharer wird untersucht, weshalb Informationen auf sozialen Netzwerken geteilt werden und wie diese Form der Selbstdarstellung auch die Eigenwahrnehmung beeinflussen kann. Auf Observerseite wird die Wahrnehmung geteilter Inhalte und deren Konsequenzen in den Blick genommen. Dazu zählen Rückschlüsse, die der Observer aus den geteilten Informationen zieht, wie er darauf reagiert und wie dadurch die Beziehung der beiden nachhaltig verändert werden kann. 

Das mit einer Summe von rund 200'000 Franken geförderte Projekt integriert kognitive, sozialpsychologische und kommunikationswissenschaftliche Grundlagen und wendet sie auf ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema an. Die Forschungsergebnisse bieten Implikationen für verschiedenste Bereiche, zum Beispiel für den bildungspolitischen oder wirtschaftlichen Kontext. Im Rahmen des Projekts kann eine Doktorandin/ein Doktorand und eine wissenschaftliche Assistentin/ein wissenschaftlicher Assistent angestellt werden.

Geistes- und Sozialwissenschaften gefordert

Prof. Hofstetters Projekt ist Teil des nationalen Forschungsclusters "Digital Lives" des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). In diesem Rahmen werden geistes- und sozialwissenschaftlich ausgerichtete Projekte unterstützt, um Forschung in diesem Bereich zu stimulieren und damit zum Verständnis des sogenannten "digital turn" beizutragen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen folgende Fragen: Wie verändert die Digitalisierung Wirtschaft und die Politik? Die sozialen Beziehungen? Die Art und Weise, wie Menschen denken und empfinden? "Diese Fragen kann die Informatik nicht beantworten. Dafür braucht es die Geistes- und Sozialwissenschaften", wird Brigitte Arpagaus, stellvertretende Leiterin der Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften des SNF, in einem Communiqué zitiert. "Digital Lives" ist mit total 10,4 Mio. Franken dotiert, es wurden total 57 Projekte mit einer Maximalsumme von je 250'000 Franken und einer Höchst-Laufzeit von 18 Monaten bewilligt. Eingegangen waren 228 Gesuche. Das Luzerner Projekt zählt also zum Viertel derjenigen Projekte, die schliesslich bewilligt wurden.

4. Oktober 2018