Ein Team unter der Leitung von Forschenden der Universität Luzern und der Schweizer Paraplegiker-Forschung schafft ein Instrumentarium, das Behörden und Institutionen bei der Kommunikation in gesundheitlichen Notfällen unterstützt. Das Projekt wird vom SNF im Rahmen der Covid-19-Sonderausschreibung mit 273’000 Franken gefördert.

Prof. Dr. Sara Rubinelli und Dr. Nicola Diviani leiten gemeinsam das Projekt

Die Information durch die Behörden hat in gesundheitlichen Notfällen wie beim Ausbruch der Corona-Pandemie einen zentralen Stellenwert. Die Behörden müssen dafür sorgen, dass die Menschen die Risiken wahrnehmen und sich entsprechend verhalten. Gerüchte und Fehlinformationen stellen da ein grosses Hindernis dar.

Analyse der Kommunikation in der Corona-Situation

Ziel des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Projekts ist es, für die Gesundheitsbehörden ein Instrumentarium bereitzustellen, das ihnen bei der Informationsvermittlung in einem solchen Kontext hilft. Als Basis dienen dabei die Erfahrungen aus der Corona-Situation in der Schweiz. In einem ersten Teil analysieren die Forschenden die Gesundheitskommunikation ausgewählter Behörden und Institutionen im Gesundheitsbereich gegenüber der Öffentlichkeit während der Corona-Pandemie. Dazu untersuchen sie, was von den Behörden und Institutionen kommuniziert, was in den klassischen und den sozialen Medien berichtet und was von der Öffentlichkeit aufgenommen wurde. Dies erfolgt anhand von Inhaltsanalysen, Interviews und einer Umfrage.

Leitlinien zur Unterstützung der Behörden und Institutionen

Darauf aufbauend wird in einem zweiten Teil ein Instrumentarium entwickelt für den Umgang mit  Gesundheitsinformationen in gesundheitlichen Notfällen und in Kontexten, die durch Fehlinformationen gekennzeichnet sind. Dieses wird aus einem theoretischen Rahmen und operativen Leitlinien bestehen. Bis jetzt gibt es kaum Forschung dazu, sagt Prof. Dr. Sara Rubinelli, Co-Leiterin des Projekts. "Risikokommunikation ist zwar ein etabliertes Forschungsfeld. Eine Lücke in der Literatur besteht aber darin, wie die offizielle Kommunikation in Kontexten von Informationsüberlastung und Fehlinformation gestärkt werden kann", so Rubinelli.

Projekt unter Luzerner Leitung

In dem Projekt arbeiten Forschende der Universitäten Luzern, Lausanne, der italienischen Schweiz und Brescia (Italien), der Schweizer Paraplegiker-Forschung, der Fondazione Sasso Corbaro (Bellinzona) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Es wird von Prof. Dr. Sara Rubinelli, ausserordentliche Professorin für Gesundheitskommunikation am Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin der Universität Luzern, und Dr. Nicola Diviani, Forschungsmitarbeiter bei der Schweizer Paraplegiker-Forschung in Nottwil, geleitet.

Hochkompetitives Umfeld

Das Projekt wird vom SNF im Rahmen der "Sonderausschreibung Coronaviren" unterstützt. Die Ausschreibung wurde am 6. März 2020 lanciert und stiess auf grosses Interesse. Insgesamt wurden 284 Gesuche eingereicht; 36 davon wurden bewilligt und werden mit insgesamt 10 Millionen Franken unterstützt. Im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften, dem das Luzerner Projekt zugeordnet ist, wurden 10 von 70 eingereichten Projekten bewilligt.

Angaben zum Projekt

Projekttitel: Entwicklung von Standards für die institutionelle Gesundheitskommunikation bei Notfällen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Lernen am Beispiel der Informationen rund um die Covid-19-Pandemie (Developing Standards for Institutional Health Communication During Public Health Emergencies. Learning from Information around COVID-19 Pandemic as a Case in Point)
Projektleitung: Prof. Dr. Sara Rubinelli, ausserordentliche Professorin für Gesundheitskommunikation  (Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin); Dr. Nicola Diviani, Forschungsmitarbeiter Schweizer Paraplegiker-Forschung Nottwil
Fördersumme und Laufzeit: 273'000 (gerundet), 2 Jahre

20. Mai 2020