Inwiefern beeinflussen Informationen zu den Kandidierenden auf den Wahlzetteln die Wahlentscheidung? Für Forschung zu dieser Frage hat Lea Portmann an der "Neuchâtel Graduate Conference of Migration and Mobility Studies" den "Best Paper Award" erhalten.

Lea Portmann mit der "Best Paper Award"-Urkunde in Neuenburg, wo die Konferenz stattfand

Informationen auf Wahlzetteln zu den Kandidatinnen und Kandidaten haben insgesamt einen bedeutenden Einfluss auf die Wahlentscheidung. So lautet der Befund aus dem Aufsatz von Lea Portmann. Beispielsweise können Kandidierende mit politischen Ämtern, Parteiämtern oder Verbindungen zu Interessengruppen nur dann vom Umstand profitieren, weniger von den Parteilisten gestrichen zu werden, sofern diese entsprechenden Informationen auch auf den Wahlzetteln stehen.

Für die Studie hatte die Forschungsmitarbeiterin am Politikwissenschaftlichen Seminar Wahlzettel der Schweizer Nationalratswahlen 2015 ausgewertet. Dieses Setting bot sich an, weil die Nationalratswahlen-Wahlzettel je nach Kanton und Partei unterschiedliche Informationen zu den Kandidierenden auflisten. Während auf einigen Wahlzetteln lediglich minimale Informationen zur Verfügung gestellt werden, insbesondere der Name und Wohnort der Kandidierenden, erhalten Wählerinnen und Wähler auf anderen Wahlzetteln zusätzlich Angaben über deren Alter, den Beruf, die politischen Ämter, Parteiämter oder Verbindungen zu Interessengruppen. 

Fokus auf Migrationshintergrund

In der "Ballot Cues and Discrimination against Candidates of Immigrant-Origin" betitelten Studie untersuchte Portmann spezifisch, ob und wie sich der Migrationshintergrund von Kandidierenden unterschiedlich auf die Wahlentscheidung auswirkt. Dies auf das Szenario bezogen, wenn weitere, potenziell essenziellere Informationen zum politischen Engagement der Kandidierenden auf dem Wahlzettel zur Verfügung stehen. Es zeigte sich, dass solche Kandidierenden insgesamt, unabhängig von der Information auf dem Wahlzettel, öfter von den Listen gestrichen und weniger oft kumuliert oder panaschiert werden. Das deute darauf hin, so die Autorin des Aufsatzes, dass sich Wählerinnen und Wähler mehr von tief verankerten Vorurteilen und Faktoren der Identität als vom Informationskontext leiten lassen, wenn sie Kandierende mit Migrationshintergrund diskriminieren.

Mitarbeit an nationalem Projekt

Das an der Nachwuchsforschenden-Konferenz präsentierte Paper ist Teil von Lea Portmanns entstehender, kumulativer Doktorarbeit, die von Prof. Dr. Alexander Trechsel, Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Kommunikation, betreut wird. Es fusst auf Forschung, die sie im Rahmen des inzwischen abgeschlossenen "Ambizione"-Projekts von Dr. Nenad Stojanovic an der Universität Luzern leistete. Stojanovic hat mittlerweile eine SNF-Förderungsprofessur an der Universität Genf inne, und Lea Portmann arbeitet seit diesem September im von Prof. Dr. Joachim Blatter, Ordentlicher Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Theorie, geleiteten Luzerner Projekt innerhalb des Nationalen Forschungsschwerpunkts "On the Move" mit. Die "Neuchâtel Graduate Conference of Migration and Mobility Studies", an der sie am 13. September den mit 500 Franken dotierten "Best Paper Award" erhalten hat, wurde im Rahmen dieses von der Universität Neuchâtel aus koordinierten Forschungsschwerpunkts durchgeführt.

28. September 2018