Bachelorarbeit zu Eukalyptus in den Anden ausgezeichnet
Der Geschichtsabsolvent Elia Guggisberg untersuchte, wie der ursprünglich aus Australien stammende Eukalyptus in die Anden gelangte und welche Rolle die Vereinten Nationen dabei spielten. Dafür erhielt er den Preis für die beste Bachelorarbeit an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät im Frühjahresemester 2026.
Elia Guggisberg, wie sind Sie zum Thema Ihrer Bachelorarbeit gekommen?
Elia Guggisberg: Ich habe ein Austauschsemester in Peru verbracht. Dort ist mir aufgefallen, dass in den Anden häufig reine Eukalyptuswälder wachsen. Da diese Baumgattung natürlicherweise nur in Australien und einigen nahen Inseln wächst, wunderte ich mich, wie sie in die Anden gelangte. Bei Nachforschungen stellte ich fest, dass Eukalypten in sehr vielen Teilen der Welt eingeführt wurden. Ich wollte herausfinden warum und fand geeignete Quellen zur Annäherung an eine Antwort dazu bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO).
Wie würden Sie den Inhalt Ihrer Bachelorarbeit in drei Sätzen zusammenfassen?
Mithilfe der Analyse eines von der FAO herausgegebenen Magazins konnte ich nachweisen, dass die Gattung Eukalyptus von der Organisation weltweit gefördert wurde. Diese Förderung passierte aufgrund von kolonial geprägten Denkweisen, welche Produktion und Ertrag über andere Funktionen von Wäldern stellten. Zudem waren Eukalypten bereits relativ gut erforscht. Sie wurden als standardisierte Lösung für verschiedene Probleme der weltweiten Forstwirtschaft vorgeschlagen, was einen Beitrag zur weltweiten Verbreitung der Gattung leistete.
Was war die grösste Herausforderung während des Schreibens Ihrer Arbeit?
Während des Abschlussverfahrens war das grösste Problem die Selbstdisziplin. Es ist eine Zeit mit wenig fixen Terminen und Abläufen und man muss sich jeden Tag, an dem man an der Arbeit schreibt oder für die Prüfungen lernt, selbst motivieren.
Was hat Sie am meisten überrascht?
Wie anders das Schreiben einer Bachelorarbeit im Vergleich zu einer Seminararbeit ist. Ich habe vorher noch zwei Seminararbeiten geschrieben und dachte, ich sei dadurch sehr gut vorbereitet, aber das Arbeiten an der Abschlussarbeit war völlig anders: Die Informationsmenge und Fülle an Materialien ist sehr viel grösser. Einen Überblick zu behalten und eine gut strukturierte Arbeit zu schreiben, dementsprechend schwieriger.
Haben Sie einen Tipp für das gute Gelingen einer Bachelorarbeit?
Eine gute Vorbereitung ist sehr wichtig. Ich habe mich vor dem Startschuss für die Schreibphase erst wenig mit meinem Thema auseinandergesetzt und hatte auch etwas Glück, dass es trotzdem so gut funktioniert hat. Um motiviert an der Arbeit zu schreiben, ist es wichtig, ein Thema zu wählen, das einen interessiert und für das ausreichend passende Quellen vorhanden sind.
Dieser Beitrag wurde von Ella Schertenleib, Masterstudentin der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, verfasst.
Mehr kultur- und sozialwissenschtliches Wissen
Die Auszeichnung von Elia Guggibsergs Bachelorarbeit «Eukalypten, Bäume des Fortschritts? Warum die FAO die globale Ausbreitung der Eukalypten förderte.» fand im Rahmen der Diplomfeier der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät statt.
Die Arbeit verdeutliche, wie die Fachexperten der FAO ihr eigene Geschicht vergessen hätten und in eine nie beabsichtigte «Pfadabhängigkeit» geraten seien, hielt Daniel Speich Chassé, Professor für Globalgeschichte in seiner Laudatio fest. Damit zeige die Arbeit beispielhaft das Potential auf, das die Fächer der Universität Luzern zur Bearbeitung aktueller Probleme haben. Die ingenieuerstechnischen Aspekte des Raubbaus an der Natur, so Speich Chassé, seien in vielen Fällen geklärt und die Atmposphärenphysik habe zweifelsfrei nachgewiesen, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich sei. «Damit sich aber das Verhalten der Menschen ändert, braucht es mehr, und anderes Wissen: sozial- und kulturwissenschaftliches Wissen.» so Speich Chassé weiter.
An der Diplomfeier ebenfalls ausgezeichnet wurde Pascal Michel für seine Masterarbeit «‹Es überfiel mich auf einmal ein ganz unheimlicher Schlaf…›: Die Encephalitis lethargica in der Schweiz. Mit Fallstudien aus den Kliniken Münsterlingen TG und Burghölzli ZH»

