Dr. Silvana Kandel Lamdan zu Gast beim IJCF-Kolloquium
Dr. Silvana Kandel Lamdan (Berlin) präsentiert neue Forschungsergebnisse zu den Einflüssen, die Begegnungen mit jüdischen Denkern auf die Entstehung der Befreiungstheologie hatten.
Im Rahmen des Forschungskolloquiums Jüdische Studien/Judaistik stellte Dr. Silvana Kandel Lamdan (Humboldt-Universität zu Berlin) ihr aktuelles Forschungsprojekt zu den intellektuellen Verflechtungen zwischen jüdischem Denken und der lateinamerikanischen Befreiungstheologie vor.
Ihr Vortrag Ideas in exile: The role of Jewish-Christian intellectual migration in sparking global religious, social, and political resistance analysierte, wie katholische Denker, darunter der Arbeiterpriester Paul Gauthier und der Theologe Enrique Dussel, die Sorge um die Unterdrückten mit einer Rückbesinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums verbanden. Am Beispiel Gauthiers wurde deutlich, dass zentrale Impulse der Befreiungstheologie nicht allein in Lateinamerika entstanden, sondern maßgeblich durch Erfahrungen in Israel geprägt wurden, etwa durch das Leben unter der arabischen Bevölkerung und den israelischen Kibbutzniks. Dr. Kandel Lamdan zeichnete nach, wie dieser interreligiöse Austausch als Katalysator für globalen religiösen und sozialen Widerstand fungierte. Insgesamt verdeutlicht der Vortrag, dass die Befreiungstheologie eine transnationale Dimension besitzt, die untrennbar mit jüdischen Erfahrungen und intellektueller Migration verbunden ist.
Das Forschungskolloquium Jüdische Studien/Judaistik dient der Präsentation und Diskussion laufender Forschungsprojekte. Als offene wissenschaftliche Werkstatt bietet es Einblicke in die thematische Vielfalt und aktuelle Entwicklungen der Jüdischen Studien.


